60. Herzogin Maria Anna von Bahern. 323
zu verknüpfen. Die wittelsbachische Hausunion von 1746/47 ist im wesentlichen
ihr Werk.
Durch ihren Gemahl, der die Stellung eines Hofkriegsratspräsidenten
bekleidete, ward sie auf die Bedeutung einer tüchtigen Heeresmacht aufmerksam
und darum wurde sie nie müde dem Kurfürsten, der nicht zum Soldaten
geboren schien, die Notwendigkeit einer solchen vor Augen zu stellen. Als
der Finanzminister Berchem aus Sparsamkeitsrücksichten die Röcke der Soldaten
für überflüssig erklärte und sie auch für den Winter in schlechte Leinenkittel
stecken ließ, schrieb Maria Anna dem Kurfürsten, wenn er seine Soldaten
nicht mehr kleiden könne, wolle sie selbst die Sorge dafür übernehmen; denn
so sei es eine Schande für die bayerische Nation. Als im Jahre 1778 der
ncue Kurfürst Karl Theodor die von seinem Vorgänger gegründete Kadettenanstalt
aufhob und der bisherige Vorstand derselben, Oberst Ancillon, sich in
seiner Bekümmernis an die Herzogin Klemens wandte, tröstete sie ihn: „Sei
er unbekümmert, lieber Oberst; ich werde mir's von meinem Schwager zur
Gnade ausbitten, daß ich Mutter dieser Verlassenen sein darf.“ Auf ihr
Geheiß fertigte der Oberst eine Zeichnung, die sie darstellt, wie sie die zu ihr
flüchtenden Eleven unter ihren schützenden Mantel nimmt. Diese Zeichnung
überreichte sie dem Kurfürsten und volle elf Jahre bestritt sie die Kosten für
die Herzogliche Marianische Landesakademie, bis diese mit der neuen Militärakademie
verschmolzen wurde.
Schon beim Ausbruche des Siebenjährigen Krieges, in welchem Bayern
der Kaiserin Maria Theresia Heeresfolge leistete, stellte sich Maria Anna
offen auf die Seite des Königs von Preußen. Sie wußte mit seinem
Minister in Regensburg, dem Freiherrn von Plotho, und mit dem hannoverischen
Gesandten daselbst Beziehungen anzuknüpfen. Nach der Niederlage
bei Hochkirch und dem Tode von Friedrichs Lieblingsschwester, der Markgräfin
von Bayreuth, sandte Plotho seinem Gebieter zum Trost und zur Illustrierung
der Tatsache, daß „an Orten, wo es nicht vermutet werden sollte, ein heimliches
attachement an ihn vorhanden sei“, jenes merkwürdige Schreiben der
Herzogin, in dem sie nicht nur der aufrichtigen Teilnahme an dem doppelten
Unglück des Königs sondern auch der Hoffnung auf den endlichen Sieg der
gerechten Sache denkwürdigen Ausdruck verleiht: „Wäre es möglich, daß der
Himmel erlaubte, daß der Stolz und die Ungerechtigkeit triumphieren und
über das Verdienst den Sieg davon tragen?“ Später fand sie Gelegenheit
auch mit dem Prinzen Heinrich Briefe zu wechseln, der sie jedoch an seinen
königlichen Bruder verwies. Dieser war über den Eifer der „würdigen und
so patriotisch als rechtschaffen gesinneten Prinzessin“ sichtlich „gerühret"
„Was vor ein Glück würde es vor Teutschland und vor die Erhaltung des
Reichssysteme sein," schreibt er am 18. Januar 1762 an Plotho, „wenn verschiedene
teutsche Prinzen mit solcher Solidite und Penétration auf die wahre
Wohlfahrt des Vaterlandes und dessen Freiheit gedächten und arbeiteten.“
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