69. Das bayerische Heer in den Jahren 1800 mit 1812. 367
gemäß getroffener Vereinbarung seine sämtlichen Truppen nach Franken um
dort das Herankommen der großen französischen Armee unter Napoleon
abzuwarten.
Bei Würzburg vereinigte sich die unter Deroys Befehl stehende Armee
mit dem 1. französischen Armeekorps Bernadotte, das den linken Flügel der
konzentrisch gegen die obere Donau vorrückenden Armee Napoleons bildete.
Am 12. Oktober wurde München von den Bayern wieder besetzt und die
österreichische Besatzung zum Rückzuge bis an den Inn gezwungen. Die
bayerische Armee und das 1. französische Armeekorps blieben nun bei München
stehen, da bereits ein russisches Korps zur Unterstützung der Österreicher am
Inn eingetroffen war, während Napoleon mit dem Hauptteil seiner Armee die
von General Mack befehligte österreichische Armee in ihrer Aufstellung in der
Linic Ulm—Memmingen von rückwärts angriff. Nach verschiedenen Gefechten
wurden die Osterreicher in einzelnen Gruppen, Mack selbst mit 27000 Mann
am 20. Oktober bei Ulm, zur Waffenstreckung gezwungen; nur ein Teil der
Kavallerie schlug sich nach Norden durch. Nach diesem großen Erfolge vollführte
Napoleon mit dem Hauptteil der Armee den Vormarsch auf Wien ohne auf
nachhaltigen Widerstand zu stoßen und wendcte sich nach Besetzung der Koaiserstadt
nach Mähren, wo sich in der Umgegend von Brünn die zurückgewichenen
österreichischen und russischen Streitkräfte mit neu angekommenen russischen
Verstärkungen vereinigten.
Zur Deckung dieses Vormarsches gegen ein in Tirol stehendes Korps
unter Erzherzog Johann war das Korps Bernadotte zurückgeblieben, bei dem
sich auch Deroy mit vier bayerischen Brigaden befand. Er erhielt den Auftrag
mit zwei Brigaden zur Besetzung von Innsbruck vorzurücken und nahm hiezu
seinen Marsch über Reichenhall auf Lofer. Die zwischen beiden Punkten
liegenden Pässe wurden von Deroys Avantgarde genommen, aber am Strubpaß
westlich Lofer gelang es trotz schwerer Verluste nicht den Feind zu vertreiben.
Hier wurde Deroy selbst verwundet und Bernadokte zog hierauf die
bayerischen Truppen nach Reichenhall zurück. Zunächst wurde Kufstein eingeschlossen
und am 8. November genommen. Tirol wurde in der Folge ohne
erheblichen Widerstand von Erzherzog Johann geräumt.
Glücklicher als Deroy traf es Wrede, der mit zwei Brigaden zur Hauptarmee
herangezogen worden war. Während sich die Entscheidungsschlacht bei
Austerlitz vorbereitete und abspielte, hatte er den Rücken der Armec Napoleons
gegen das aus Böhmen vorrückende österreichische Korps des Erzherzogs Ferdinand
zu decken. In wiederholten Gefechten gegen den übermächtigen Feind bei
Stöcken und Iglau in den ersten Tagen des Dezember löste Wrede diese
Aufgabe so glänzend wie nur möglich und trug dadurch mittelbar zu Napolcons
großem Erfolg nicht unwesentlich bei.
Durch den Frieden von Preßburg (26. Dezember 1805) erhielt Bayern
bedeutenden Länderzuwachs, wogegen es nur das Herzogtum Berg abgeben