69. Das bayerische Heer in den Jahren 1800 mit 1812. 369
Während des Krieges mußte von Bayern noch eine weitere Brigade
unter General Vincenti aufgestellt werden, die alsdann im Verbande eines
neugebildeten Armeekorps unter Marschall Brune den Schweden bei Stralsund
gegenüberstand und nachher die Insel Rügen besetzte.
Nachdem der Friede von Tilsit im Juli 1807 dem Kriege ein Ende
gemacht hatte, blieben die bayerischen Truppen noch bis zum Herbst in Norddeutschland
in Quartieren und kehrten dann in die Heimat zurück.
Der Krieg 1809 sollte dem bayerischen Heere neue Gelegenheit geben in
hervorragender Weise kriegerischen Ruhm zu erwerben, nachdem das Jahr 1808
mit abermaligen Rüstungen und Ubungen vorüber gegangen war. Die mittelbare
Veranlassung zu diesem Kriege gab Napoleons Aufenthalt jenseits der
Pyrenden. Da dieser fast seine sämtlichen Armeekorps nach Spanien hatte
marschieren lassen, so erachtete Osterreich die Lage für günstig um durch einen
abermaligen Krieg sein gesunkenes Ansehen wieder zu heben und die verlorenen
Länder zurückzugewinnen. Im Hinblick auf die offenkundigen Rüstungen
Osterreichs erging daher bayerischerseits schon Ende Februar 1809 der Befehl
zur Mobilmachung der Armee in der Stärke von 3 Divisionen, jede aus
2 Infanteriebrigaden, 1 Kavalleriebrigade und 4 Batterien bestehend, und
wurde alsdann Aufstellung an der Isar genommen mit an den Inn vorgeschobenen
Kavallerievorposten. Als ein Zeichen des Mißtrauens Napoleons in
seine Bundesgenossen muß es hiebei gelten, daß der Oberbefehl über das
bayerische Armeekorps dem französischen Marschall Lefebre übertragen wurde,
während doch Deroy, der älteste der bayerischen Generale, den Anforderungen
eines Korpsführers gewiß ebenso gut entsprochen hätte.
Bis zum Eintreffen Napoleons aus Spanien leitete Marschall Berthier
die Bewegungen der in Süddeutschland stehenden französischen und Rheinbund-Truppen.
In falscher Auffassung der Befehle des Kaisers und durch
unzutreffende Nachrichten über den Gegner erregeleitet verzettelte er die ihm
unterstellten Streitkräfte in eine Aufstellung zwischen Landshut, Regensburg
und Augsburg und brachte sie dadurch in Gefahr vereinzelt geschlagen zu
werden. Als die österreichische Hauptarmee unter Erzherzog Karl mit etwa
120000 Mann in breiter Front gegen die Isar vorrückte, stand an diesem
Flusse und zwar bei Landshut nur die Division Deroy. Trotz der erdrückenden
llbermacht beschloß der tapfere Deroy, die Wichtigkeit seiner Aufgabe erkennend,
solange als möglich stehen zu bleiben, als am 16. April der Gegner erschien.
Durch ein meisterhaft geleitetes Gefecht gelang es ihm den Österreichern vom
Morgen bis gegen 2 Uhr nachmittags den Übergang über die Isar zu verwehren
und dann durch einen mustergültigen Rückzug ohne erhebliche Verluste den
Anschluß an die weiter rückwärts stehenden Divisionen zu gewinnen. Der durch
Deroy den Österreichern an der Isar bereitete Aufenthalt erwies sich für die
Gesamtlage der Armee Napoleons von großem Nutzen. Inzwischen war nämlich
der Kaiser über Ingolstadt bei der Armee eingetroffen; in Eilmärschen konzen-Kronseder,
Lesebuch zur Geschichte Bayerns. 24