1161 Pinselführung — Pips.
haft: ich musz dir den rücken wieder ein wenig blau
anstreichen mit dem hagebuchenen pinsel Hebel 3, 1;
Pinsel bei Kupferstechern eine Art Bürste zum Reinigen
der Platte. Waidmännisch Haarbüschel am Wild, auch das
männliche Glied bei Keulern und Rehböcken Jacobsson;
meerpinsel oder bloß pinsel eine Art Würmer, sabella
penicillus. 2) einfältiger Mensch, Tropf; ohne Zusammenhang
mit der vorigen Bed., vielmehr Entartung
einer niederd. Zusammensetzung: mud. pinsuwel, pinsül
Ahle für das Einsetzen der Schusterzwecken (vgl. pinne),
Schusterahle, nd. pinnsoul, pinsuler, bildlich gewendet
auf einen kargen Filz brem. Wb. 3, 319, und so als pinsule
kenissimus homo von Schottel 1376 (als
niederd. Stammwort) aufgeführt; Formrückgang des
Wortes in eigentlicher wie übertragener Bed., noch auf
niederd. Gebiet: pinnum, aculum en pynzuwel, pinsel
Dief., dazu in Preußen pinseln genau dingen brem.
Wb. a. a. O., im Göttingischen pinseln zusammengeizen,
pinselig geizig, filzig Schambach 1552; Eindringen
Pirol — placken. 1162
huhne den pfpps reiszen (die dabei wachsende weiße
Haut abziehen) Adelung; ganz dem Niederd. angeschlossen;
pip, pips, das huhn hat den pips Schottel;
bips neben pü#ps Stieler; in heutiger Spr. durchaus:
der ihren kanarienvogel vom pips geheilt hatte Freytag
Handschr. 1, 194; der vogel, der den pips hat
Keller Werke 10, 195; — auf Menschen übertragen:
den pips haben, kränklich, schwach sein; in der Form
pipp: (Hollandsgänger haben oft) eine enge brust nebst
dem sogenannten holländischen pipp, der in einer immerwährenden
schutterung oder schleichenden frost bestehet,
wieder mitgebracht Möser Phant. 1, 95.
Pirol, m. Name der Goldamsel, nach dem Gesange;
älter in wechselnder Form: wir haizen in 2e däutsch
pruoder Piro näch seiner stimm Megenberg 216, 27;
oriolus byrolt, tFrolt, bierolf, bierholt, berhold, birschhold
Dief.; der pirolt Adelung. — Pirsch, s. birsch.
Piise, k. Harn; kalte pisse haben, Harnwinde. —
pissen, Harn lassen, Wort des niederd. Sprachgebietes,
der gekürzten Form ins Hochd. wohl noch im 17. Ih., dunkler Herkunft, altfries. pissia, mnd. mul. pissen,
aber mit Bedeutungsänderung: bei Steinbach pinsel,
engl. piss, ins Franz. als pisser übergegangen; seit
ein niederträchtiger mensch, domo More vitularum 16. Ih. auch hochdeutsch; pissen mingere Schottel,
pervicaæ, bei anderen in dem Sinne, der bis heute geblieben
ist: so lacht mich jeder pinsel aus Günther
911; scheint mir kein solcher ehrfurchtsvoller pinsel
zu sein, wie der selige gute mann Rabener 3, 34;
gute offene köpfe und wahre einfaltspinsel JPaul
Siebenk. 3, 55. pinsel auch Name der dummen Meerschwalbe,
slern#a skolicka. — Zusammensetzungen zu 1:
Pinselführung, k. Art den Pinsel zu führen, zu malen:
freie, leichte, ängstliche p. — Pinselstrich, m. Strich
mit dem Pinsel; sinnbildlich für die Thätigkeit des
Malers: ein bildnis.
I
.dasmitdemletztenpinsel·-strich
ins leben sprang Wieland an Olymp. II; frei:
wofern nicht der dichter durch etliche pinselstriche
menschlichkeit und erhabenheit hineingebracht hätte
(in sein Gemälde) Schiller 2, 359. -
Pinselei,k.fchlechtesMalenzthörichtes,einfältiges2«.
Thun. — pinselhaft, in der Art eines Pinsels, Tropfs:
den pinselhaftesten dummkopf im gebiet der republik
Gaudy venez. Nov. 65. — pinseln, 1) mit dem Pinsel
hantieren, anstreichen: schwarz auf weis und rot gebenselt
Fastn. Sp. 265, 5; malen: pinselen, coloribus
pingere, pieturare, colorcre Stieler; saszen dutzende
von malern pinselten eifrig die kaskadellen nach
Gaudy Erz. 80; frei, von Worten: keine, die mit
wörterkram (Variante bücherkram) ihre liebe pinselt
Schiller 4, 10. Bei Arzten geschwüre, wunden, das
Zahnfleisch, den kehlkopf pinseln, mittels Pinsels Arznei
ausftragen. 2) sich als pinsel (2) gebahren: ein solcher
pinselnder tadler Bürger 141b. 3) anderes pinseln
= wimmern, winseln, Tonwort, Häufigkeitsbildung zu
niederd. gleichbed. pinsen: ich pinsele, Teror, Juirito,
er pinselt die ganze zeit Steinbach; er pinselte mir
aber die ohren so voll Seume Spaz. 1, 128. —
Pinsler, m. der den Pinsel handhabt: pinseler, mahler,
pietor Stieler; verächtliche Bezeichnung: ein paar
Pinsler hatten sich . mit ihrem zeuge da herumgetrieben
CF Meyer Pesc. 190.
Pinte, f. größeres Flüssigkeitsmaß, Kanne, aus dem
gleichbed. ital. pinta, franz. pinte im 15. Ih. entlehnt:
pinta, pint, pinte, Dief.; da risz und schält man den
wein ausz potten, ausz pinten Garg. 156; — schweiz.
Schenke, geringes Wirtshaus, nach dem Wirtsschilde,
dem gemalten Kruge, so genannt.
Pip, pipen, s. piep, piepen. — Pips, m. Krankheit
der Vögel; niederd. Form eines aus mittellat. ital.
pipita, Verstopfung der Nase, Stockschnupfen, entlehnten
Wortes, das ahd. phiphiz, fifzz, pfpfls, phepis, mh
bhiphiz, pftfes lautet, und so oder ähnlich sich lange
hält: der pfipfs, pituita Dasypodius; pü#pf, pfitf
Frisch; in halb niederd. Form den pfipps haben, einem
bei Stieler an die wand, in eine scherbe pissen und
Pischen; er pisste lauter pomeranzenblüthwasser Wieland
Sylv. 6, 1; nach biblischem Sprachgebrauche der
an die wand pisst, Bezeichnung eines männlichen Wesens:
schlug er das ganze haus Baesa, und lies nicht uber auch
der an die wand pisset (auch nicht einen männlichen Sproß)
1. Kön. 16, 11; ihr schurken, komm ich nein (in die belagerte
Stadt), so wiszt, soll hängen, was die wand bepisst
Bürger Weib. v. Weinsberg; in rerstärktem Ausdruck:
wo sich die (beiden Städte) zu ergeben wegern, so
musz als sterben, was drin ist, auch die muck, die an der
wand pist JIAyrer 739, 15; dazu pisskachel Garg. 82.
Pistöl, u., Pistöle, f. 1) kurze Handfeuerwaffe; 2*
wort aus ital. pistola, franz. pistole, dunkler Herkunft
(die Herleitung von der Stadt Pistoja, wo dergleichen
Waffe zuerst gefertigt sein soll, ist unwahrscheinlich, val.
Böheim Waffenkunde 486); zwiegeschlechtig, die neutrale
Form erscheint als Kürzung, niederl. pistolet,
sclopeta manualis, vulgo pistoletum Kilian; Fem.
und Neutr. gehen bis heute neben einander her: die
bistol Schottel; das pistol und die pistole Stieler;
ein schusz aus der pistole ebd.; er lädt die pistole
er wirft die pistole weg Schiller Räub. 4, 5; zu dieser
pistole wird sich eine zweite . finden Immermann
Münchh. 3, 186; jetzt hole ich das pistol 190; ein noch
rauchendes, schwerfälliges pistol CF Meyer Jenatsch
78; Plur. nur pistolen; es heißt einen auf pistolen
herausfordern (Stieler), sich auf pistolen schieszen,
früher schlagen (Adelung); bildlich: einem die pistole
auf die brust setzen, ihn hart bedrängen; flink, plötzlich,
wie aus der pistole geschossen. 2) anderes pistöle,
auch pisto!, Name einer ursprünglich spanischen Goldmünze,
aus piastola, Goldplättchen, Stückchen, entstellt,
ital. pistola, franz. pistole, im 17. Ih. deutsch, jetzt
längst veraltet: eine spanische, französische pistole
Stieler; achtzig pistolen Lessing Minna 2,2; die
magd kriegt ein pistol Gellert Fab. 1,.34.
Placken, 1) heftige Plage bereiten, qguälen, Häufigkeitsbildung
zu plagen, im 15. Ih. in der Bed. Leute
schinden (von Wegelagerern) vorhanden: uf der straszen
rouben ader plagken Germ. 28, 395 (v. 1422), seit
17. Ih. häufig: die bauren placken, die kinder placken
die eltern üms gelt, er plackt mich täglich, wenn er
mich siehet Stieler; jemanden mit einer bitte placken.
Adelung; burg von da sie land und leute placken
wies behagt Goethe Faust II 3; mit sinnverwandten
d. Verben: was war das nicht für ein placken und schinden
Schiller Wallenst. Lager 6; wurden die auf die
messen ziehenden bandelsleute von wegelagerern
geplagt und geplackt Goethe DuW. 1; refl.: sich