Full text : Geschichte des Preußischen Staates

44  Nachbarfürsten.  —  Huldigung  des  gesamten  Adels.

Wenn  die  Erstarkung  der  Mark  den  Hoffnungen  Pommerns  auf  die  Uckermark,
Mecklenburgs  auf  die  Priegnitz,  Magdeburgs  und  Braunschweigs  auf  die  Altmark,
Anhalts  auf  die  Mittelmark,  sogar  auf  die  Kurwürde,  anderer  Länder  auf  diesen
oder  jenen  Teil  der  Mark  ein  Ende  zu  machen  schien,  so  ist  es  geradezu  erstaunlich,
  daß  es  den  Verhandlungen  Friedrichs  glückte,  mit  den  meisten  Nachbarländern
  —  wie  Magdeburg,  Braunschweig,  Anhalt,  Pommern-Wolgast,  Werle,
den  beiden  Mecklenburg,  Krossen  und  Glogau  —  Bündnisse  abzuschließen,  oder
doch  in  so  nahe  Beziehungen,  wie  mit  Sachsen  und  dem  deutschen  Orden  zu  treten,
daß  er  ihres  Beistandes  gewiß  sein  konnte.  Ebenso  erstaunlich  ist  es,  daß  der
einzige  Angriff,  den  von  außen  her  jetzt  der  Burggraf  durch  die  Stettiner  Herzoge
Otto  und  Kasimir  zu  erleiden  hatte,  zwar  zu  einem  mehrtägigen  Gefecht  auf  dem
Kremmer  Damm  (24.  Oktober  und  folgende  Tage)  führte,  in  dem  so  manche
seiner  Getreuen  aus  Franken,  wie  der  Graf  von  Hohenlohe,  dahinsanken,  der  aber
doch  durchgefochten  wurde,  ohne  daß  einer  der  Nachbarfürsten  die  widerspenstigen
Städte  oder  der  eingesessene  Adel  den  Herzogen  die  gewünschte  Hilfe  geliehen  hätte.
Und  wenn  auch  ein  Teil  der  Edelleute  ohne  Rücksicht  auf  ein  Abkommen  Friedrichs
mit  dem  Magdeburger  Erzbischof  die  Zeit  dieses  Kampfes  mit  Pommern  zu  einem
umfassenden  Einfall  in  magdeburgische  Orte  benutzte,  so  war  doch  Friedrichs
Stellung  eine  so  befestigte  geworden,  daß  nunmehr  sich  die  Städte  der  Altmark
und  Priegnitz  ihm  unterwarfen.

Um  aber  alle  Mittel  des  Friedens  zu  erschöpfen,  hatte  Friedrich  gegen  die
Widerspenstigen  schon  Klage  bei  König  Sigmund  erhoben,  und  da  der  Prozeß,
den  der  König  nun  einleitete,  ohne  Zweisel  mit  dem  Verlust  der  Lehensbesitzungen
für  die  Verklagten  enden  mußte,  so  schien  ihnen  in  der  That  allein  die  bedingungslose
  Unterwerfung  unter  den  Burggrafen  übrig  zu  bleiben.  Gleichwohl
verstand  man  sich  auch  jeßt  noch  nur  zu  Verhandlungen,  Friedrich  aber  ging
darauf  ein,  gestand  —  wie  von  Anfang  an  —  zu,  daß  die  Einlösung  der  Pfänder
lediglich  gegen  die  Rückgabe  der  Pfandsumme  erfolgen  sollte,  forderte  dagegen  die
sofortige  Einlösung  von  Tangermünde,  das  Kaspar  Gans  und  von  Straußberg
und  Saarmund,  das  die  Quitzow  in  Händen  hatten.  Die  Wahl  aber  gerade  dieser
Orte  ist  für  Friedrichs  Politik  insofern  eine  höchst  bezeichnende,  als  dieselben
für  den  freien  Verkehr  des  Handels  in  der  Mark,  besonders  der  Stadt  Berlin
von  hervorragender  Bedeutung  waren.  Auf  Grund  dieser  Verhandlungen  er-L

  folgte  nun  endlich  die  Unterwerfung  des  gesamten  Adels,  im  April  1413  leistete
er,  die  Quitzow  mit  eingeschlossen,  die  Huldigung  und  den  Eid  der  Treue.

Nur  wie  weit  war  man  doch  noch  davon  entfernt,  in  dieser  Huldigung  zugleich
  die  Verpflichtung  zum  Gehorsam  gegen  den  Landesherrun  und  dessen  Gebote
zu  erkennen!  Mit  nichten  glaubte  man  insbesondere  durch  die  Anerkennung  des
#dsherrn  etwa  die  hergebrachte  Sitte  des  Fehdewesens  abgeschworen  zu  haben.

Schwäche  vielmehr  deutete  man,  was  vorsichtige  Maßregel  war,  den  Frieden
“  ktuchün  und  die  Zeitgenossen  meinten,  „sie  huldeten  und  schwuren  betrüglich“.
Zwar  einem  Gebot  Friedrichs  zu  einem  notwendig  gewordenen  Zuge  nach  Trebbin
leistete  der  havelländische  Adel,  auch  beide  Brüder  Quitzow  Folge.  Aber  vom
Lager  des  Burggrafen  zogen  sie  fort  ins  Magdeburgische,  plünderten  ein  Dorf
des  Klosters  Zinna  und  entzogen  sich  nicht  nur  der  Rechenschaft,  die  Friedrich
forderte,  sondern  nunmehr  schlossen  sich  ganze  Scharen  des  Adels  aus  den  verschiedensten
  Teilen  der  Mark  unter  der  Führung  von  Kaspar  Gans  zusammen,