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welches mit Kanten besetzt oder bedruckt ist. — Kautholz,
n. mit Kanten versehenes, behauenes Bauholz.
Kautel, m. vierkantiges Lineal; Schulwort, durch
Jahn in Aufnahme gekommen. — kantelu, auf die
Kante stellen, wälzen u. ähnl.; einen wallfisch kanteln,
ihn, wenn er gefangen ist und am Schiffe liegt, umdrehen
Adelung. — kanten, mit Kante oder Kanten
versehen: einen stein kanten, durch Behanen Campe;
holz kanten; scharf gekantete balken; gekantete vorhänge,
tücher, u. ä.; auf die Kante stellen, wälzen:
einen stein kanten, umkanten, ein fasz kanten Adelung;
dazu Kanthaken, m. eiserner Haken um Gegenstände,
die auf die Kante gestellt werden sollen, damit
anzupacken; in niedriger Rede einen beim kanthaken
packen, im Genick, überhaupt fest, sicher; als habe ein
alberner schöps einsmals eine katze beim kanthacken
ertappet Prätorius Katzenveit D 5b. — kanticht, kantig,
mit Kanten versehen: kanticht, anguloris, angulatus
Steinbach, kantig geschliffen. drei-, vierkantig Frisch;
kantiges holz, vgl. auch scharfkantig.
Kanzel, s. Predigt= oder Vortragsstuhl; ahd. chancella,
mhd. kanzel; Lehnwort aus dem lat. cancelli,
Gitter, Brüstung, in der Kirche zunächst der eingegitterte
Naum für die. Geistlichkeit um den Altar, der nach dem
Laienschiff zu mit Vortragsständen versehen war, später
in kirchlichem Sinne auf letztere Bed. eingeschränkt: die
prediger auf den canzeln Garg. 94; die kanzel besteigen,
etwas von der kanzel herab verkünden; Girolamo bat
nun betreten die kanzel Lenau 483; scherzhaft von
der kanzel werfen: der wein ist genug auszgerufen,
man wöll jhn dann gar uber die canzel abwerfen Garg.
194; und von aufgebotenen Brautpaaren: weilen sie
in 8 tagen dreimahl nacheinander über die canzel geworfen
werden konten Simpl. 4, 73; sinnbildlich für
die Geistlichkeit: das theater hat oft einen streit mit
der kanzel gehabt Goethe W. Meister 1, 16; — in
weltlichem Sinne, = Lehrstuhl: das diese wort Nero
und Colonia nit aigen namen seind, als etlich uber
die canzel gehustet haben D. Städtechr. 3, 39; in Osterreich
lehrkanzel an einer universität; frei, als Name
von kanzelähnlichen Orten, z. B. teufelskanzel, Name
Kantholz — Kanzleibeamter.
eines Bergvorsprunges im Werrathale u. anderswo; ich
steige anf des berges rucken zur kanzol von granit
empor Keller Werke 9, 79; bei den Jägern kanzel in
einem Tiergarten oder Wildpark, hohes Standgerüste,
und welschenhahnen
Kanzleibote — Kaper. 288
Kanzleibote, m. Bote einer Kanzlei. — Kauzleibuchstabe, m.
Buchstabe der Kanzleischrift; Bezeichnung einer gewissen
Art größerer Buchstaben. — Kanzleidentsch, v. das
Dentsch wie es in den Kanzleien geschrieben und gepflegt
wurde: das .. unser canzleiteutsch ictz also aufgienet
und halbirt geschriben wirt SFranck Sprichw. 2, 12°.
— Kanzleidiener, m. Diener in einer Kanzlei — kanzleimäßig,
einer Kanzlei angemessen. — Kanzleischrift, k.
Schriftart, wie sie in Kanzleien üblich ist. — Kanzleisprache,
f. Sprache, Sprechart einer Kanzlei; besonders
ehemals in Bezug auf die kaiserliche und sächsische
Kanzlei, vgl. unter kanzlei und kanzleideutsch: dasz
man uns hat bereden wollen, die kanzleisprache wäre
die beste Gellert 4, 41. — Kanzleistil, m. Schreibweise
der Kanzleien.
Kanzler, m. Vorsteher einer Kanzlei, ahd. kanziläri,
cancelläri, chenziläri, uhd. kanzeleere, kenzeller, aus
lat. cancellarius; kanzler einer botschaft, gesandtschaft;
als vornehme Staatswürde, eigentlich Vorsteher einer
fürstlichen Kanzlei, staatskanzler, kanzler des dentschen
reichs; während er als kanzler ihm (dem König) zu
diensten war CF Meyer d. Heilige 13. — kanzlerisch,
dem Kanzler angehörig oder angemessen: dasz hlrer
einc kanzlerische äuszerung vorliegt Bismarck Reden
11, 120.
Kapäun, m. verschnittener Hahn; Lehnwort in zwei
Formen überliefert; altengl. capün, mhd. kapün, auch
chapoun (Pfeiffers Ubungsbuch 40), uhd. kapaun,
älter auch kappaun (Garg. 92), coppann (Weckherlin
804), auf ital. cappone zurückgehend und auf Verbesserung
der Hühnermast von Italien her dentend, und
in älterer Form und stärkerer Andeutschung ahd. chappo,
chappho, mhd. und älter nhd. kappe, auf das lat. capus
verschnittener Hahn sich stützend, und von klösterlicher
Seite her eingedrungen; die Form kappe hält sich über
das 16. Ih. hinaus: die so die kappen gähling feiszt
machen wollen Herold Ee 173°; gib einen kappen
Garg. 182; kapp, cams, kapaun Schottel; und wird
später durch die hentige Form verdrängt, die aber auch
in der Umdentung kapphahn auftritt: die fetten kapphähne
Weiße kom. Op. 3, 140; in eigentl. Bed.: zwolf
cappaunen Garg. 182; vom feiszten und magern caponen
BWaldis Esop 2, 41; von welchem. capaunen
ich mein bäuchelchen gemästet
Goethe 47, 77; übertragen anf den Kastraten Adeum
von da Wild zu schießen. — Zusammensetzungen: lung mit dem Plur. kapaune. — kapannen, zum Kapaun
Kanzelberedsamkeit, f. Beredsamkeit für die Kanzel, geistliche.
— Kanzelrede, k. Rede von der Kanzel, Predigt. —
Kanzelredner, m. geistlicher Redner.
Kanzeln, von der Kanzel herab sprechen, predigen:
über einen selbstgewählten satz kanzeln, noch nicht
gekanzelt haben Campez; frei, einem eine Strafpredigt
halten, schelten, vgl. abkanzeln; einen berunter kanzeln
(Schiller Wallenst. Lager 60). — Kanzlei, k. behördliche
Schreibstube; in älterer Form canzellei, mittellat.
cancellaria, cigentlich mit Gittern (cancelli, vgl. unter
kanzel) umschränkter Raum für Schreiber, übertragen
auch auf Behörde und Ort derselben: kanzlei eines
gerichts, amtes; als Behördenname justiz-, kammer-,
staatskanzlei; reichskanzlei; in der kciserischen canzellei
Aventin 1, 213; die in den kanzlcien geuebt und
erfarn sein 301; morgens zur kanzlei mit akten Platen
verh. Gabel 1; die oberen deutschen kanzleien ehedem
Lehrerinnen und Vorbild einer allgemeinen Spr.: ich
rede nach der sächsischen canzelei Luther Tischr.,
vgl. kanzleideutsch; in cancelleyen, welche die rechten
lehrerinn der reinen sprache sind Opitz Poeterei 179;
— Schriftwesen im Allgemeinen: erzväter, die im got
in sunderhait ausz andern völkern erwelt, und
in sein canzlei, alle schrift, gesätz, propheten, lobgesung
befalch Aventin 1, 124. — Zusammensetzungen:
Kanzleibeamter, m. Beamter einer Kanzlei. —
machen, verschneiden.
Kapelle, t. 1) kleines gottesdienstliches Gebäude, ahd.
chapella, chappella, mhd. kapelle, kappelle. mit deutscher
Betonung auch käppelle, käppel. Lehnwort aus
mittellat. capella kurzer Mantel, zufrühest übertragen.
auf das häusliche Heiligtum der fränkischen Könige, in
welchem der Mantel des heiligen Martinus mit anderen
Reliquien aufbewahrt wurde, dann bezogen auf jedes
kleine Bethaus ohne eigens angestellte Geistliche: da
stet ein capelle bi, diu ist schone und aber cleine
Iwein 566; die cappel, ein kleine oder enge kirch
Maaler: droben stehet die kapelle Uhland 13:
sprichwörtlich: wo gott eine kirche baut, stellt der teufel
eine capelle daneben Simrock 300; als Seitenraum
eines Tempels oder einer Kirche, in der Bibelspr. Jer.
35, 2. 4; — kapelle in musikalischem Sinne, ursprünglich
— geistlicher Sängerchor, später von der kirchlichen
Bed. losgelöst, Gesamtheit von Musikern, die zu Aufführungen
verbunden sind: königliche, fürstliche kapelle;
die kapelle des theaters zu X, des 82. regiments;
badekapelle, die an Knrorten spielt; dazu kapellmeeister,
der solche leitet. 2) anderes kapelle. Schmelztiegel,
Schmelzschalc, für kupelle stehend, entlehnt aus
franz. coupclle, ital. coppella, Probiertiegel.
Kaper, m. Führer eines Raubschiffes, und solches
selbst; aus niederl. kaper (eigentlich Späher vom Verbum