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Drovinz Ostpreußen. Negierungsbezirk Königsberg.
Orrelsburg, Stadr. In Silber auf grünem Boden
ein rorer aus grünem walde nach links hervorspringender
Hirsch.
„* DER KÖNlL PR srárDp ORTELSBURG MAGI-STIRATSSIEGEL“
(130 mm) aus dem Ende des I7. Jahrh., und
der diesem nachgeschnittene neue Farbsiegel sind die einzigen bekannt
gewordenen Quellen. Nach Beckherrn wird der Ort i. J.
1673 zuerst amtlich Stadt genannt; die Banderia Prutenorum
geben aber das i. J. 1410 von der Komturei und Stadt
Scpthno oder Ortelsburg geführte Banner als von Not und Weiß
sibrägrechts geteilt an. Da nun Crtelsburg damals weder Romturei
noch Stadt, sondern nur ein Pflegamt war, so sieht man
auch hier wieder das Bestreben jener Handschrist, durch Verateesung
des Besiegten den errungenen Sieg glänzender erscheinen
zu lassen.
Osterode in Ostpreußen, Stadt. In Ror St. Georg
in goldener Rüstung zu Pferde, den liegenden grünen
Lindwurm mir der Lanze durchbohrend.
So die neuen Siegel. Aber weder das alte: „P S'CI#
GAÖIS OSÖSIRRODGR“ (6#2 mm), von dem Hoßberg einen
Abdruck v. J. 47 besaß, noch auch ein: „* SIGILI UM · CIVITA TIS ·
OSTERRODA “ (30 mm) des 16. Jahrh. zeigen dies Bild, beide
vielmehr einen gerüsteten Deutschordensbruder mit eingelegter
Lanze auf springendem Rosse. — Auch hier spricht Dlugoß ausdrücklich
vom: „Banderium Commendariae et Civitatis Osterrodensis“
und bildet es als von Rot und Weiß geviertet ab.
Dassenheim, Stadt. In Silber, unter einem roten
Fierbogen stehend, die gekrönre Mutter Gotres mit dem
Rinde auf der TLinken, in der Rechten ein goldenes
Szeprer halrend.
So ein dem Ende des 14. od. Anf. des IS. Jahrh. angehöôriges.
von Doßberg abgebildetes: „g'cibitatis bassenheim“
□2 mm); der noch erhaltene Stempel des: „SIG CIVI-PASSEN-HEIM-
AO 2656“ (28 mm) giebt die Madonna ungekront und ohne
das Hortal. Der vom „Keuen Siebmacher" erwähnte „Abdruck
eines Stempels im Jahre 1384" beruht auf einem Ooppelirrtum;
einmal liegt die bei Allenstein angeführte Derwechslung, dann aber
auch noch ein ersehen in der Abschrift vor: die Stadt wurde
erst später gegründet.
Dillau, Stadr. In Nor ein auf blauem Wasser
schwimmender mir einer goldenen Rönigskrone gekrönter
stllberner Stör.
Dies Wappenbild erhielt der Ort von NBonig Friedrich
Wilhelm I. bei Erteilung des Stadtrechtes i. J. 1725. Das demnach
Alteste ist ein: „SIEGEL DER KOENIGL PR STADT·
PILAV I728“ (23 mm) mit diesem Bilde im Siegelfelde. Das
neue Farbsiegel ist diesem treu nachgeschnitten, doch fehlt in der
Umschrift das: PR(eußische), wodurch ein wohl nicht beabsichtigter
Sinn entsteht. — Laut freundl. Auskunft der Stadtbebbörde wurden
(. 3. die auf die Gründung der Stadt bezughabenden Urkunden,
darunter das Ookument der Wappenverleihung, an das kgl. Staatsarchiv
in Königsberg abgegeben, ohne daß eine Abschrifet davon
behalten worden wäre (I). Nach einer von letzterm mir gutigst mitgeteilten
Abschrift sprich die Urkunde wohl von der Erteilung eines
Sradtsiegels, beschreibt es jedoch nichr.
Dreußisch-SEplau, Stadt. Von Schwars (2) und
Silber (2) gereilr; oben ein wachsender goldener (2)
Köwe, unten nebeneinander drei schwarze Deurschordens-NKreuze.
Das älteste bekannt gewordene Siegel enthält obige Darstellung
im Schilde; die Umschrift ist auf dem vorliegenden Dapierabdruck
nicht ganz deutlich: „ + SllLL-VM CIVATS 4
EIIANNO I 8“ (235 mm). Uber die Herkunft dieses
Wappens konnte nichts in Erfahrung gebracht werden; eine sorgfältige
Durchsuchung der städtischen Dokumente ergab, wie der
Herr Bürgermeister schreibt, weder ein älteres Siegel, noch irgend
etwas über den Ursprung des Wappens. ) Das Stadtverordnetensiegel
von 1809 ((. S. 12) zeigt den Lowen ebenfalls ungekrönr,
so daß die Krone desselben auf dem neuen Magistratssiegel unbegründet
ist.
). Die Stadt ward 1336 auf Geheiß des Sochmeisters Dietrich v. Altenburg
gegründet; dieser hatte aber keinen L8wen im Wappen.
Dreußisch-Solland, Stadt. In Gold auf
Frünem Dreiberge ein geharnischrer Reiter auf springendem
silbernen Roß, in der Rechten das Schwert
schwingend, mir der TLinken einen rorhen (2) Schild mir
einem silbernen (2) Querbalken vor die Brust halrend.
Alle alten Siegel widersprechen der modernen Darstellung,
die den Reiter mit dem Schwerte beibehlt, aus dem Dreiberg
aber einen Lindwurm und so erstern zum St. Georg gemacht hat.
Voßberg bildet das: „ SIGIIIIVM (BVR)GGdansIVO
* DdzhOLLKNDIK“ (758 mm) aus dem 14. Jahrh. ab, und
beschreibt ein „+ stgillum ## ribftatis * hollant (Größe) nach
einem Abdruck v J. 1465; Engel fügt dazu aus dem Thorner Ratsarchiv
noch ein: „E S'BURGCGHSTIUHFDGrTrROLLKHDI“
(38 mm) (1483 urkundl.). Diese, wie auch das „ SlIoILLVM · cIVI-TATIS-HOLLANDT-
N-BORVSSIA“ (31 mm) vom Ende des 1I6..
und ein im 18. Jahrh. diesem ungeschickt nachgeschnittenes Gerichtssiegel
zeigen alle das obige Bild.
Das Wappen auf dem Schilde des Neiters dürfte wohl das des Dogtes von
Stuhm (Aliem) sein; ein i. J. 1388 von diesem gebrauchtes Siegel hat einen Querbalken
im Schilde, und die in der Tannenberger Schlacht geführte rote Fahne mit
weißem UQuerbalken weist Voßberg wohl auch mit Recht diesem zu. Wenn nun das
nicht sicher ist, so ist doch zweifellos, daß Beckherrn stark irrt, wenn er den einen
Balken als das Wappen der Serren von Querfurt anspricht: „wie es in dieser elnfachsten
Form auch auf dem Siegel der Stadt Querfurt“ vorkomme. eckberrn
beruft sich dabei auf den „Neuen Siebmacher“, aber das ist ein gar unzmverlässiges
Werk! Se zeigt denn auch der fragliche Schild des betr. Siegels der Stadt Guerfurt
nicht „zwei Querbalken“, wie der K. Siebm. schreibt, oder einen Querbalken,
wie er dazu abbildet, sondern nur eine einfache Schildteilung. Das Sigillum
eivitatis Querfurtensis enthälc also in selnen beiden Schllden nicht das Wappen
der Serren von Querfurt „in verschiedener Gestalt“ C), sondern vielmehr links den
(hier sechsmal geteilten) Schito dieser Gründer der S'adt, rechte aber das (von Not
und Silber) quergeteilte Wappen des Erzstifte Magdeburg, an welches dieselbe, nach
dem Auesterben jener Oynasten, i. J. 1496, Jekommen war.
Rastenburg in Ostpreoßen, Sradr. In Silber auf
grünem Boden zwischen drei Tannenbckumen ein
schwarzer Baͤr.
B. Engel bringt ein: „E SIGILVII: SIVITATIS: DE:
RKSTGNBORG:“ (146 mw) von einer Urk. v. 1405, und ein:
„bigilum: sibitatis rasßtenborr" (1 36 mm) des I5. Jahrb.; ersteres
zeigt nach lengel den Bären allein, letzteres einen solchen auf
negartig gegittertem Boden (nicht Siegelfelde, also vielleicht
von spmbelischer Bedeutung!) unter einem Kreuzchen im berankten
Felde. Dazu kommt noch das von Doßberg gebrachte, auch dem
Is. Jahrh. angehèrende: „gillum + sintratig rastenburc-" (141 mm),
welches einen Eber im walde zeigen soll. Doßbergs Text stimmt
nicht ganz mit seiner Abbildung; es scheinen sich Druckfehler eingeschlichen
zu haben. Nach Beckherrn zeigt ein (nicht näher
beschriebenes) Siegel aus dem 16. Jahrh. einen vor sieben Laubbäumen
stehenden Bär. Erst die ganz neuen Siegel zeigen somit
den „zwischen drei Bäumen eingeklemmten Bären“, woraus sich
das Alter der in der Leipz. Illustr. Zeitung vom 10. Aug. 72
erzahlten Wappensage ergiebt.
Rôssel, Stadt. In Silber ein aufgerichrerer goldener
Bischofsstab, an dem ein schwarzer -ir emporklimmt.
Die charakteristische Stellung des Bären hat sich in den
Stadtsiegeln löblicherweise seit dem altesten bekannten bis zum
hemigen unverändert erhalten. Ooßbergs Abbildung und Beschreibung
des dem Ende des 14. Jahrh. angehörigen: „P5 ciultatis.
reff## t (40 mm) ist nicht ganz genau, da das
Siegel auf ersterer so verdreht ist, daß der Stab wagerecht liegt,
der Bär also darauf steht; auch ist nicht „rechts ein gegittertes
Feld mit Kreuzchen verziert“, sondern diese Damascierung erstreckt
sich über das ganze Siegelseld und es ist nur zufällig die Darstellung
etw#s nach links geraten; schon das folgende: „5# tivitatig
Fresel —“ (26 mm) (I5. Jahrh.) bringt sie inmitten des Feldes.
Erhalten hat sich der Stempel des: „ SIGILLUM · CIVITATIS ·
RoESSELITIENSIS 1771“ (72 mm) und der der Stadtverordneten
aus dem Anfang dieses Jahrhunderts. Alle haben auch noch das
gegitterte Feld. von dem erst die neuen Farbsiegel abgegangen sind.
Saalfeld in Ostpreußen, Stadt. In Slau auf
grünem Boden St. Johannes der Apostel, unbekleider,
mir gefaltenen Händen in einem auf flammenden Holzscheiren
stehenden goldenen Elkessel.
Der „eue Siebmacher“ hält den Heiligen für St. Oitus.
der den Tod erleide, „weil er wahrscheinlich Schunpatron des
Orts war“ (I!). Aber die Angabe Beckherrns, daß dem Apostel
Johannes die Rirche geweihr gewesen sei, spricht für eine der
Darstellungen aus dessen Legende. Das von Engel im Thorner Ratsarchiv
gefundene: „MS: BURGCdGHSIUH I SKLUGLT“
(Slmm) zeigt einen dreispipigen Giebel, der mit einer Schüssel, worin
das Haupt Johannis des Täufers belegt ist.t) Don den vom kl. S.
erwähnten beiden „Stempeln, deren einer mit der Jahreszahl 1305.
der andere mit der Jahreszahl 1334 bezeichnet ist, welche aber
nicht gleichzeitig gestochen sind“, gehört das: „ SlöIL-LVM
GVIATS SALFELT " 1308“ (24 mm) dem I7. Jahrh., das:
v SloILLUM CIVITATIS SALFELD 1334 (35 mmm) aber der
ersten Hälfte des I9. Jahrh. an. Ersteres ist der Machschnitt eines
gleichgroßen Siegelchens a. d. 16. Jahrh., was auch die gleiche
Umschrift, statt des Erinnerungsjahres aber die Jahreszahl: „I§6(2)“
zeigt; bei beiden sprießen Blumenranken statt der Flammen unter
dem TKessel hervor. ) (. Johannieburg S. 14.
Schippenbeil, Stadr. In Silber, auf blauem
Wasser schwimmend, ein mir einer roten Burg besetztes
gFoldenes Schiff.
Die Stadt bieß früher Schiffenburg, daher das Bild. Die
Formen der Burg wechseln sehr; auf dem von Doßberg gegebenen:
„S’ AIVIGAG(IS) SdhlFFdGBBVRG“ (S2 m.,) aus dem
14. Jahrh. erscheint sie als ein fensterloser, spinbedachter Zinnenturm
mit anschließender, nur von einer kleinen Thüre durchbrochener
Zinnenmauer; auf einem dem tEnde des 15. Jahrh. zuzuschreibenden:
„gigillum #. cibftatig ## schiffenöbrch *8 mm) hat sie sehr
phantastische Formen; den silbernen Stempel dieses Siegels bewahrt
die Stadt noch. Ein Signet des 17. Jahrh. ohne Umschrift
bringt das Bild zwischen den beiden Buchstaben: „S B“
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