Full text : Geschichte des Elsasses von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart.

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Im  Jahre  3787  wurden  in  Folge  der  Beschlüsse  der  Pariser
Notabelnversammlung  die  Provinzialstände  berufen.  Es  war
eine  Maßregel,  welche  im  Elsaß  volles  Verständnis  und  aufrichtigen
Dank  fand,  und  besonders  war  man  erfreut,  daß  die  städtischen
Vertreter  vermehrt  und  der  neue  Landtag  zu  gleichen  Theilen  aus
Adel  und  Geistlichkeit  einerseits  und  aus  Bürgern  andererseits  zusammengesetzt
  wurde.  In  dieser  den  individuellen  Verhältnissen  der
Provinz  entsprechenden  Versammlung  ertlickte  man  eine  hoffnungsreiche
  Institution,  an  der  sich  die  besten  Kräfte  des  Elsasses  betheiligten.
  Hier  waren  die  gesetzlichen  Vertreter  des  Landes  zu  einer
vollkommneren  Form  der  Berathungen  gelangt,  hier  konnten  die
deutschen  Sonderinteressen  einen  unverfälschten  Ausdruck  finden.  Die
Reform  hätte,  wenn  es  nach  dem  Sinne  der  Elsässer  gegangen  wäre,
hier  ihr  Ende  haben  können,  ohne  daß  man  geahnt  hätte,  daß  das
große  französische  Reich  ven  ganz  anderen  Leidenschaften  und  Antrieben
  erfüllt  war.

Es  war  gleichsam  eine  fremde  Welt,  in  welche  die  Elsässer  eintraten,
  als  der  König  die  Reichsstände  im  Jahre  1789  berief.
Zum  erstenmale  kamen  die  Deputirten  des  deutschen  Landes  in  die
Metropole,  um  an  den  Berathungen  über  das  gesammte  Reich  theilzunehmen.
  Es  war  unverkennbar,  daß  sich  das  Elsaß  in  die  neue
Lage  nicht  leicht  zu  schicken  wußte.

Auf  das  Elsaß  entfielen  nach  dem  Wahlgesetze  vom  24.  Januar
  sechs  Deputirte  vom  Adel,  sechs  ven  der  Geistlichkeit  und  zwölf
von  den  Städten.  Das  wichtigste  war,  daß  die  Vertreter  des  Landes
von  den  Wählern  mit  sogenannten  Beschwerdeheften  versehen
werden  durften,  welche  die  Wünsche  der  Bevölkerung  enthielten  und
den  Abgeordneten  zur  Richtschnur  ihres  Handelns  dienen  sollten.
Aus  diesen  Beschwerdeheften  ist  man  am  besten  in  der  Lage  zu  ersehen,
  welches  die  vorherrschende  politische  Ueberzeugung  im  Elsaß
war,  als  die  Revolutien  ihr  Haupt  erhob.  So  mannigfach  nun
auch  der  Inhalt  dieser  Instructionen  für  die  Landesvertreter  war,  so
ist  doch  kein  Zweifel,  daß  dieselben  im  ganzen  einen  conservativen