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Eifersüchtig auf Preußens Macht, erklärte der französische Kaiser-Napoleon
III. mit frevelhaftem Ubermute um eines nichtigen Vorwandes
willen am 19. Juli 1870 an Preußen den Krieg. Die süddeutschen
Staaten — Bayern an der Spitze — traten entgegen der Hoffnung
Napoleons als treue Bundesgenossen auf die Seite Preußens. Die deutschen
Heere eilten von Sieg zu Sieg und die bayerischen Truppen unter
von der Tann und Hartmann und unter dem Oberbefehl des Kron-Prinzen
Friedrich von Preußen entwickelten in allen Schlachten und
Gefechten, in welchen sie beteiligt waren, so bei Weilßenburg, Wörth,
Sedan, Paris und Orleans, heldenmütige Tapferkeit. Dieser Krieg,
der seinesgleichen in der Geschichte nicht hat, führte auch die volle
Einigung Deutschlands herbei, die Frankreich stets zu verhindern
gesucht hatte; denn noch vor dem Friedenschlusse wurde durch den
Beitritt der süddeutschen Staaten der Norddeutsche Bund zum neuen
Deutschen Reiche erweitert und Bayerns hochherziger König Ludwig II.
trug unter Zustimmung aller deutschen Fürsten und der freien Städte
dem siegreichen Könige Wilhelm von Preußen die erbliche Kaiserwürde
an, worauf dieser am 18. Januar 1871 im Schlosse zu Verseilles in feierlicher
Weise die Annahme der deutschen Kaiserkrone erklärte. Damit
ging eine langgehegte Hoffnung des deutschen Volkes in Erfüllung.
Ein besonders freudevolles Ereignis in der Regierungszeit Ludwigs
II. war die im Jahre 1880 veranstaltete Feier des 700jährigen
Regierungsjubiläums des glorreichen Hauses Wittelsbach. Der König
aber lehnte alle Huldigungen und Feste ab, die ihm persönlich zugedacht.
waren, und verordnete hochherzig, daß die zur Jubelfeier bestimmten
Geldmittel in der großartigen Wittelsbacher Landesstiftung zur Hebung
des Handwerks in Stadt und Land vereinigt würden.
Indessen war es dem König Ludwig II. nicht beschieden, bis in
ein höheres Lebensalter die Krone zu tragen. Am Abend des 13. Juni
1886 fand der König seinen Tod. Pfalzer Lesebuch.
76. Anteil Bayerns am Veutschfranzösischen Briege.
(1870—1871.)
Die Einigung Deutschlands nach dem Kriege von 1866 erschien Napoleon
III., dem Kaiser der Franzosen, welcher bis dahin den Schiedsrichter
in Europa gespielt hatte, bedrohlich. Angetrieben von den über Preußens.
Erfolge erbitterten Franzosen, führte er 1870 durch das zudringliche Vorgehen
seines Gesandten eine Beleidigung König Wilhelms herbei, wodurch der
Bruch mit Deutschland erfolgte. Da erhob sich unter den Klängen der
„Wacht am Rhein" ganz Deutschland wider den alten Erbfeind, und was
Ludwig XIV. und Napoleon I. an Deutschland gesündigt hatten, wurde
gesühnt durch Frankreichs Niederlagen.
Der Tag von Weißenburg öffnete den deutschen Armeen das Elsaß;
der Tag von Wörth sicherte seinen Besitz. Gerade dem dritten Armee-