Full text : Lesebuch für Landwirtschaftliche Winterschulen und ähnliche Anstalten im Königreich Bayern.

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ins  Dasein  rief,  übertrifft  alles,  was  vor  ihm  in  Bayern,  ja  man  kann  sagen
in  Deutschland,  geschah.  Unter  den  prachtvollen  Bauten,  die  er  aufführen
ließ,  seien  hier  nur  genannt:  der  Wittelsbacher  Palast,  die  Allerheiligenkirche,
die  Ludwigskirche,  das  Universitätsgebäude  und  die  neue  Pinakothek  in
München,  die  Walhalla  bei  Regensburg  und  die  Befreiungshalle  bei  Kelheim.
Dabei  wurde  auch  der  Armen  und  Notleidenden,  der  von  Feuersbrunst
und  Uberschwemmung  Heimgesuchten  in  keinem  Teile  des  Landes  vergessen.
Am  20.  März  1848  entsagte  Ludwig  der  Krone  und  übergab  die  Regierung
seinem  Sohne,  dem  Kronprinzen  Maximilian.  Die  Worte,  welche  er
bei  dieser  Gelegenheit  an  die  Bayern  richtete,  lauten:  „Bayern!  Ich  lege
die  Krone  nieder  zugunsten  meines  geliebten  Sohnes,  des  Kronprinzen
Maximilian.  Treu  der  Verfassung  regierte  ich;  dem  Wohle  des  Volkes  war
mein  Leben  geweiht;  —  als  wenn  ich  eines  Freistaates  Beamter  gewesen,
so  gewissenhaft  ging  ich  mit  den  Staatsgeldern  um.  Ich  kann  jedem  offen
in  die  Augen  sehen.  —  Und  nun  meinen  tiefgefühlten  Dank  allen,  die  mir
anhingen.  Auch  vom  Throne  herabgestiegen,  schlägt  glühend  mein  Herz
für  Bayern,  für  Deutschland."

Am  29.  Februar  1868  beschloß  dieser  echt  deutsch  gesinnte  Fürst  in
Nizza,  wo  er  Kräftigung  seiner  Gesundheit  gesucht  hatte,  sein  großes,  an
schönen  Taten  reiches  Leben.  Die  Leiche  Ludwigs  I.  wurde  nach  München
gebracht  und  ruht  dort  in  der  von  ihm  erbauten  Bonifaziuskirche.

Münchener  Lesebuch.

74.  Marimilian  II.
(1848—1864.)

Er  bestieg  in  einer  verhängnisvllen  Zeit  den  Thron.  Das  Lolk
war  mit  den  bestehenden  Verhältaissen  unzufrieden  und  forderte  Preßfreiheit,
  Offentlichkeit  und  Mündlichkeit  der  Rechtspflege,  Aufhebung
der  standes-  und  gutsherrlichen  Gerichtsbarkeit,  ein  neues  Gesetz
bezüglich  der  Wahl  der  Landtagsabgeordneten  und  für  Deutschland
eine  neue  staatliche  Ordnung.  Am  18.  Mai  1848  wurde  die  deutsche
Nationalversammlung  zu  Frankfurt  a.  M.  eröffnek.  Hie  arbeilete  eine
Reichsverfassung  aus  und  ernannte  den  Erzherzog  Johann  von  Esterreich
  zum  Reichsverweser.  Er  zog  am  11.  Juli  in  Frankfurk  ein.  Im
folgenden  Jahre  erwählte  die  Versammlung  den  König  Wilhelm  IV.
von  Preußen  zum  erblichen  Kaiser;  aber  dieser  nahm  die  ihm  zugedachte
  Würde  nicht  an.  Weil  Freußen  seine  Abgeordneten  abberief,
so  wurde  am  29.  Mai  1849  von  65  Abgeordneten  der  Austrift  aus
der  Lersammlung  erklärt;  der  übrige  Teil  der  Mitglieder  —  das
Rumpfparlament  —  siedelte  nach  Stuttgart  über,  wurde  jedoch  am
18.  Juni  durch  Waffengewalt  an  der  Fortsetzung  der  Beratungen
gehindert.

Maaximilian  erwarb  sich  durch  Erfüllung  vieler  Wünsche  seines
Lolkes  die  Liebe  desselben,  und  als  es  eine  Meinungsverschiedenheit
  zwischen  den  Ministern  und  den  Landtagsabgeordneten  über  die