Unpassende und Unmoralische schweigen. Viel erzielt wird ja damit doch nicht und viel Geschrei um wenig
Wolle. Ich denke, wir haben angesichts des stündlich draußen im Felde und auf hoher See in großen Haufen
mähenden Todes anderes und wichtigeres zu tun und zu schreiben, als den Feldzug gegen die Humorkriegskarten.
Daß auch manche künstlerische Karte gerade nicht immer den Beifall des Käufers finden kann, braucht
nicht erörtert zu werden.
Die Nationalitende in Kopenhagen meldet, daß fortgesetzt noch belgische Flüchtlinge in England ankommen.
Es sind nun insgesamt 160000 Personen. Tausende von Heimen öffnen sich. 2500 belgische Soldaten sind
gestern angekommen. König Albert will bei seiner Armee bleiben. Die Königin weigert sich, ihn zu verlassen.
Daily Chronicle macht den Vorschlag an England, England soll den Unterhalt für 600000 belgische Flüchtlinge
an Holland bezahlen und sie nach Irland bringen, wo sie sich heimischer fühlen würden.
Aus Lissabon wird gemeldet, daß im Laufe der nächsten Woche ein Kongreß einberufen werde, um über
die Frage der Entsendung eines Expeditionskorps von Portugal nach Frankreich schlüssig zu werden.
Die republikanische Partel wäre dafür, während die Bevölkerung dagegen sei.
Über eine Begegnung unseres Kaisers, der vor einiger Zeit in der Gefechtslinie bei bayrischen und preußischen
Truppenteilen in Frankreich war, heißt es: Als der Kaiser in feldgrauer Umiform heranreitend bei den
einzelnen Truppenteilen erschien, brausten ihm Hurrarufe entgegen, Helme und Feldmützen wirbelten in der
Luft, Schwerter blitzten im Sonnenschein, Gewehre und Säbel wurden geschwenkt, dazu die Jubelrufe tausender
prachtvoller Soldatengestalten, untermischt von rollemdem Kampfgetöse der Geschütze, und über allem der
zuversichtlich dreinschauende und unausgesetzt dankende oberste Kriegsherr, dem das alles galt. Ein Bild von
gewaltiger militärischer Größe. Für jeden der angesprochenen Krieger hatte der Kaiser ein Wort der Aufmunterung
und Anerkennung. Bei den Bayern lobte er deren tapfere Haltung in den großen Schlachten im Raume
Metz-Vogesen. Von einzelnen Soldaten ließ der Kaiser sich ihre Erlebnisse erzählen und erkundigte sich
nach ihrer Heimat. Als ein bärtiger Landwehrmann sich als reinen Pfälzer meldete, entgegnete der Kaiser:
Auch die Pfälzer haben sich wacker geschlagen und den Feind am Eindringen in ihre schöne Heimat verhindert.
Auch fröhliches Lachen schallte dem Kaiser entgegen, wenn ein biederer Krieger eine gelungene Antwort gab.
So fragte er einen Berliner, was er von den feindlichen Schützen denke, worauf der Mann erwiderte: Majestät,
wir jehen druff wie Blücher.
Aus London wird amtlich unter dem 16. Oktober gemeldet· Am 15. Oktober nachmittags wurbe der englische
Kreuzer Hawke in der nördlichen Nordsee durch einen Torpedoschuß eines Unterseebootes zum Sinken
gebracht. Ein Offizier, 40 Mann sind gerettet, und in Aberdeen gelandet worden. Etwa 350 Mann werden
vermißt. Zu gleicher Zeit wurde der Kreuzer Theseus angegriffen, aber ohne Erfolg.
In Brügge und Ostende wurde, wie amtlich bestängt ist, reichliches Kriegsmaterial erbeutet, u. a. eine
große Anzahl Infanteriegewehre mit Munition und zweihundert gebrauchsfähiger Lokomotiven.
Vom übrigen Schauplatz liegen keine weiteren Berichte vor.
Im Gouvernement Suwalki verhielten sich die Russen gestern ruhig, die Zahl der bei Schirwindt eingebrachten
Gefangenen erhöhte sich auf 4000. Ebenso wurden noch Geschütze genommen. Die Kämpfe südlich
um Warschau dauern fort.
Bei der Einnahme von Lille fielen 1200 französische Rekruten, die noch nicht eingekleidet waren, in unsere
Hände und wurden als Gefangene nach Merseburg verbracht.
Der Nieuwe Rotterramsche Courant meldet, daß die Überreste der belgischen Armee aus Antwerpen, die
sich von der Umgebung von Ostende nach Dünkirchen zurückzieht, bei ihrem vollständig desorganisierten
Zurückgehen zwischen Dixmonde und Roulerd von französischen Marinetruppen und Kavallerie, die dort
Verstärkungen erhielten, beschützt werden. Am Donnerstag wurde diese Stellung von beträchtlichen deutschen
Truppen angegriffen, und es ist wahrscheinlich, daß diese deutschen Truppen die Franzosen zurückwerfen und
dann nach Dünkirchen einrücken, das von den Verbündeten sehr verstärkt worden ist. — Die belgische Bevölkerung
flieht in der Richtung auf Dünkirchen und Boulogne. — Der größte Verbindungsweg von Brügge über
Ostende nach Nieuveport ist in der Gewalt der Deutschen.
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