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38. Oberbayerische Bauart der Häuser.
Die Bauernhäuser sind meist im Unterstock Stein-, im Oberstock
Holzbau. Sicherlich ist wenigstens die hintere Hälfte Holzbau. Rings
um den oberen „Gaden“ läuft eine Galerie. Zu ihr führt vom Erdboden
aus nicht selten eine eigene Treppenstiege. Unter ihr ist kleines
Brennholz so aufgeschichtet, daß davon das Küchenfenster ganz eingerahmt
ist. Droben auf der Galerie hängen an einer Schnur vor
dem Fenster Maiskolben zum Dürrwerden.
Die Dächer sind flachwinkelig, meist mit Schindeln gedecht und
mit großen Steinen beschwert. Die Dachflanken ragen so weit über
die Mauern des Hauses hinaus, daß der Vorplatz und die Galerie
vor Regen und Unwetter geschützt sind.
Viele der Häuser sind mit Heiligenbildern oder Sinnsprüchen geschmückt.
Bei wohlhabenderen Häusern sind zuweilen auch die Fenster
mit Blumengewinden ummalt. Die Fensterstöcke sind meist sehr klein,
nicht viel größer oft als eine einzige Fensterscheibe in der Stadt, mehr
quadratförmig als rechteckig; so knapp, daß man kaum den Kopf hindurchzwängen
kann. Bei einzelstehenden Häusern sind die Fenster oft vergittert.
Im Innern der Häuser ist trotz aller äußeren Behäbigkeit meist
kaum mehr als das übliche, notwendige „Gelaß“. Unten ist gewöhnlich
die Stube, die Kammer, die Küche und die Knechtkammer, oben die
schöne Stube, die Schlafstube für die Kinder und die Magdkammer. In
der Stube fällt uns der übergroße Kachelofen mit der als Lagerstätte
dienenden Ofenbank, „dem Faulbett“", und den wäschebehängten
Trockenstangen zuerst in die Augen. An einem der in die Wände
eingemauerten Schränke hängt der Kalender. In der Herrgottsecke
gegenüber dem Tische ist das Kruzifix. Darunter steht ein alter, welker
Blumenstrauß. Uber dem Kreuz hängt an einer Schnur als Sinnbild
des Hl. Geistes eine Papiertaube. Hinter dem Kruzifix steckt der
verstaubte Palm= und Kräuterbüschel. Im Hintergrund der Stube führt
zuweilen eine Treppe zur Kinderschlafktammer im oberen Gaden. ODurch
die über der Stiege angebrachte Falltür läßt man im Winter vor dem
Schlafengehen die Wärme aus der Wohnstube in die Kammer entweichen.
Das Hinterteil des Hauses enthält den Stall und den Heuboden.
Friedlich wohnen unter einem Dache Herr, Gesinde und Bieh.
Da in den Tälern um die obere Isar der Feldbau wenig, ja
stellenweise gar nicht möglich ist, so mangelt selbstverständlich bei den
meisten Häusern der Getreidestock. Und da die Wies= und Weidegrundstücke
meist sehr weit und beschwerlich liegen, so bringt der Bauer
nur den nötigsten Futtervorrat ins Haus. Das entbehrliche Heu oder
rummet bringt er vorerst in den auf seinen „Wiesmahden“ aus
Holzstämmen erbauten Futterhütten unter. Im Winter schafft er dann
vom Futter nach Bedarf und Möglichkeit auf einem großen Handschlitten
heim.