Full text : Diplomatische Aktenstücke.

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ches  »)  der  ihrer  Ansicht  nach  freundlichere  und  höflichere  Ausdruck
  «  Besprechungen  »  (x  Pourparlers  »)  trete.  So  sieht  für
den  Augenblick  amtlich  alles  nach  'Frieden  aus.

Nach  Frieden  sieht  alles  aus  in  den  Zeitungen;  die  Mehrheit
  der  Bevölkerung  aber  glaubt  hier  an  den  Krieg  und  fürchtet
  ihn.  Uebrigens  haben  mich  Leute,  in  die  ich  mit  Recht  volles
  Vertrauen  setze,  versichert,  zu  wissen,  dass  täglich  Kanonen
und  Munition  massenhaft  nach  der  Grenze  abgehen.  Dieses
Gerücht  ist  mir,  ob  es  nun  wahr  sei  oder  nicht,  mit  übereinstimmenden
  Einzelheiten  von  verschiedenen  Seiten  zugetraven
  worden.  Jedenfalls  zeigt  es,  welcher  Art  die  allgemeinen
Resorgnisse  sind.  Die  Regierung,  sei  es  dass  sie  wirklich  aufrichtig
  den  Frieden  wünscht,  oder  dass  sie  einen  Streich  vorbereitet,
  tut  jetzt  ihr  Möglichstes,  um  diese  Besorgnisse  zu  beschwichtigen.
  Deshalb  haben  auch  die  Blätter,  die  der  Regierung
nahestehen,  ihren  Ton  allmählich  herabgestimmt,  so  dass  es
jetzt  beinahe  optimistisch  aus  denselben  erklingt.  Sie  selbst  aber
hatten  nach  Lust  und  Gutfinden  Alarmnachrichten  verbreitet.
Ihr  bestellter  Optimismus  findet  gegenwärtig  keinen  Widerhall.
Die  Reizbarkeit  der  Börse,  dieses  nicht  zu  vernachlässigenden
Gradmessers,  liefert  hiefür  einen  sichern  Beweis:  die  Werte  sind,
ohne  Ausnahme,  unglaublich  sefallen;  die  ungarısche  4  %  Rente
notierte  gestern  79.95,  ein  Kursstand,  wie  er  seit  der  ersten  Emission
  nie  verzeichnet  worden  ist.

d@Apchier  le  Maugin.

Nr.  12.

Herr  Dumaine,  französischer  Botschafter  in  Wien,
an  Herrn  Rene  Viviani.  Ministerpräsidenten  und  Minister

des  Aeussern.
Wien,  den  15.  Juli  1914.

Gewisse  Wiener  Zeitungen  stellen  in  ihrer  Besprechung  der
militärischen  Organisation  Frankreichs  und  Russlands  diese
beiden  Staaten  so  dar,  als  ob  sie  ausser  stande  wären,  in  den
europäischen  Angelegenheiten  ihr  Wort  mitzureden,  was  der
von  Deutschilnad  unterstützten  Doppelmonarchie  die  schätzenswerte
  Leichtigkeit  böte,  Serbien  eine  ihr  gutdünkende  Behandkung
  angedeihen  zu  lassen.  Die  «  Militärische  Rundschau  -  zge-