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den Vereinigten Staaten eintretende Transporikrise.
Die auf dem Gebiete der Schiffsraumbeschaffung vorliegenden
Schwierigkeiten, die durch die Notwendigkeit
vermehrter Heerestransporte von den Vereinigten
Staaten nach Europa erheblich gesteigert wurden,
fanden ihren äußeren Ausdruck in der gewaltsamen
Beschlagnahme des im feindlichen Zugriffsbereich befindlichen
beträchtlichen Teiles der holländischen Handelsflotte
durch unsere Gegner am 18. März 1918.
Sie haben sich zu dieser Maßnahme, die in Holland
tiefe Erbitterung und starke Erregung auslöste, ebenso
wie zu der in den folgenden Monaten durchgeführten
Erpressung in ihrer Gewalt befindlichen Schiffsraumes
anderer Neutraler bestimmt nur unter dem
Zwange der Not entschlossen. Während sich die monatlichen
Versenkungsziffern fast bis zum Sommer
1918 auf ungefähr gleicher Höhe hielten, setzte um
diese Zeit ein allmähliches langsames Sinken ein.
Ursache waren die sich sehr stark entwickelnde Gegenwirkung“
Minen- u. Netzsperren, Flugzeuge, U-Boots.
fallen), die durch die Sommermonate begünstigt wurde,
und eine Verminderung der Minenwirkung, die man
durch ein am Schiffe angebrachtes Minenschutzgerät
erreichte. Die Lösung der amerikanischen Transportkrise,
Verbesserungen der Seeverkehrs-Organisationen
und Tieferladen der Schiffe bis über die Sicherheitsgrenze,
sollen später die durch das Geleitzugwesen hervorgerusene
Rusnutßzungsverschlechterung nicht nur
ausgeglichen, sondern auch noch weitere Räumteersparnis
gebracht haben.
Um dem im Laufe des Krieges fertiggestellten U#
Kreuzer mit seiner erheblich größeren Dampfstrecke
außerhalb des Bereichs der wachsenden Gegenwirkung
ein ertragreiches Tätigkeitsgebiet zuschaffen, wurdedas
Sperrgebiet durch Vergrößerungen und neue Teile
um die als feindlicher Stützpunkt ausgeb zuten Azoren
(22.Nov. 1917) und um Madeira und Dakar (5. Jan.
1918) erweitert. Von der großen Erfolg versprechenden
Eröffnung des U--Bootkrieges auch an der amerikanischen
Ostlüste wurde aus politischen Rücksichten
Abstand genommen.
Die Verluste an U. Booten waren zunächst hinter
den Erwartungen zurückgeblieben, hatten sich dann
langsam gesteigert und waren vom Frühjahr 1918
ab nicht unerheblich. Der U--Bootbau hing in erster
Linie von der Beschaffung einer genügenden Anzahl
geschulter Arbeiter ab, zu deren Gestellung das Heer
nicht in der Lage war. So verlangte die Durchführung
des von der deutschen Seekriegsleitung im
Spätsommer 1918 in Aussicht genommenen stark erweiterten
U-Bootbauplanes die Entlassung von über
100000 Mann aus dem Heeresdienste. Als man sich zu
dieser Maßnahme entschloß, die von Beginn des Jahres
1919 ab eine erhebliche Steigerung des U. Bootbaues
bis zum Dreifachen der bisherigen Leistungen
zur Folge gehabt hätte, trat der entscheidende, uns ungünstige
Umschwung an der Westfront ein.
Die Rechtmäßigkeit des uneingeschränkten U.
Bootkrieges wird vielfach bestritten. Seine Rechtfertigung
liegt sowohl in seiner Wesenseigentümlichkeit
wie in der Entwicklung, die zu seiner Annahme führte.
Während England von Beginn des Krieses an durch
Erweiterung des Bannwarerechtes ins Ungemessene
und schließlich durch die Kriegsgebietserklärung vom
4. Nov. 1914 die Bestimmungen der Londoner Seerechtsdeklaration,
die von ihm zunächst als grundsätzlich
bindend anerkannt worden war, illuforisch gemacht
und dadurch den Zustand einer Blockade der
I. Kriegsgeschichte
Mittelmächte geschaffen hatte, ohne daß eine solche
rechtmäßig bestand, hielten sich Deutschland und seine
Verbündeten fünf Monate hindurch streng an die
Abmachungen der Deklaration. Als es, um den unbedingt
erforderlichen Ausgleich in der wirtschaftlichen
Versorgungslage zu schaffen, eine der englischen inhaltsgleiche
Kriegsgebietserklärung für die Gewässer
um England erlies und in diesem Kriegsgebiet den
U--Bootkrieg eingeschränkt führte, trat England mit
der sog. Blockadeerklärung vom 11. März 1915 hervor,
nach der jedes mit Deutschland verkehrende Schiff
und jede Ware deutschen Ursprungs oder deutscher
Bestimmung, selbst wenn sie neutrales Eigentum war,
auch auf neutralen Schiffen weggenommen werden
konnte. Da der Begriff der Blockade auf diese rechtswidrige
Maßnahmen nicht anzuwenden war — wäre
sie doch bei der Freiheit der deutschen Zufuhren in
der Ostsee nicht einmal rechtswirksam gewesen —, so
wurde sie als Repressalie gegen den deutschen U-Bootkrieg
im Kriegsgebiet bezeichnet. Nachdem Deutschland
den U. Bootkrieg im Kriegsgebiet mit dem 24. April
1916 aufgegeben und dies der Regierung der Vereinigten
Staaten bekannt gegeben hatte, wäre England
verpflichtet gewesen, die Repressalie aufzuheben, wenn
es gerecht verfal, cen wollte. Dies geschah indessen
nicht. Im Gegenteil führten England und seine Verbündeten
ihrerseits den uneingeschränkten U-Bootkrieg
im Adriatischen Meer und in der Ostsee weiter. Die
Vereinigten Staaten unternahmen trotz ihrer feierlichen
Proteste gegen das englische Vorgehen und trotz
ihrer Erklärung, daß es eine „ unneutrale-Handlung
bedeuten würde, wenn man dieses Verfahren Englands
dulden wolle, keinerlei Schritte zur Aufhebung der
englischen Seesperre. Somithandeltedie deutsche
Regierung in gutem Recht, als sieam 31. Jan.
1917 unter dem Zwange der allgemeinen
Kriegslage den uneingeschränkten U. Bootkrieg
erklärte.
Wesentlich für den Entschluß zur Aufnahme des
uneingeschränkten U. Boothandelskrieges war die
Beurteilung der Möglichkeit eines enischeidenden
militärischen Eingreifens der Vereinigten
Staaten an der Westfront. Es gab
zwei verschiedene Methoden der Verwendung des U-Boots,
umdie amerikanischen Truppen- und Materialtransporte
möglichst einzuschränken: Entweder man
setzte die U-Boote auf die Transporte selbst an, oder
man führte den Krieg gegen den Frachtraum im
allgemeinen, d. h. gegen den Gesamtseeverkehr, nach
Kräften weiter und versuchte die Möglichkeiten der
Truppen= und Materialbeförderung über den Ozean
durch Schiffsraummangel einzuschränken. Die erste
Methode gewährte nicht die Sicherheit, daß man genügend
Transporte faßte, denn es ist ohne weiteres
einleuchtend, daß es ausgeschlossen war, den rund
1400 Seemeilen breiten Streifen von der Nordspitze
Englands bis Gibraltar, auf dem sich die amerikanischen
Transporte den europäischen Küsten nähern
konnten, mit U-Booten wirksam zu überwachen. Beschränkte
man sich darauf, Teilstrecken des in Frage
kommenden Seegebiets mit U. Booten zu besetzen, —
war man nicht sicher, stets die von Transporten gerade
befahrenen Wege zu treffen. Traf man sie, so
war es dem Gegner ein leichtes, wenn ihm das Auftreten
von U-Booten in einer bestimmten Gegend
gemeldet wurde, die Transporte mit Hilfe funkentele-Kophssch
Übermittelter Befehle umzuleiten und die
usschiffungen an einem anderen Küstenplatz vorzu-