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auch für manche Sprengzwecke bleibt es vorläufig
unersetzbar. Man bezeichnet dieses Schießpulver als
Schwarzpulver nach seinem Aussehen, die neueren
Geschoßtreibmittel dagegen als rauchlose oder
rauchschwache Pulover.
Nicht jeder Explosivstoff, der starke Sprengwirkungen
entfaltet. kann ohne weiteres als Geschoßtreib.
mittel dienen; besonders gilt dies nicht mehr für die
neueren Explosivstoffe mit ihren Erwaltig geskeigerten
Wirkungen. Hier hat man Schießstoffe und
Sprengstoffe zu unterscheiden. Jene werden als
Geschoßtreibmittel, diese zu Sprengungen benuftz.
Geht die chemische Umsetzung zu schnell und unter zu
starker Drucksteigerung vor sich, so ist der Explosivstoff,
den man dann brisant nennt, als Geschoßtreibmittel
unbrauchbar: die Umsetzung würde schon vollzogen
sein, bevor das Geschoß Zeit fände, das Nohr
zu verlassen, und dieses würde zertrümmert werden.
Deshalb kann man nicht mit Dynamit aus einem
Gewehr schießen. Bei den eigentlichen Sprengstoffen
macht man auch wieder Unterschiede und benutzt z. B.
zur Beseitigung des Felsens einer Hafeneinfahrt einen
Sprengstoff, der das Gestein in möglichst kleine Teile
zertrümmert, dagegen für die Gewinnung von Sandsteinblöcken
und 8 den Abbau von Steinkohle einen
Sprengstoff mit mehr drückender und schiebender
Wirkung, weil hier staubfeine und kleinbröckelige
Sprengstücke möglichst nicht entstehen sollen.
Schwarzpulver.
Das gewöhnliche Schießpulver wird im Durchschnitt
aus 74—75 Teilen Salpeter, 10 Teilen Schwesel und
16—15 Teilen Kohle gemischt. Der Salpeter liefert
dabei den Sauerstoff zur Verbrennung der beiden
anderen Bestandteile. Die Kohle it Holzkohle, bei den
besten Sorten aus Faulbaumholz, sonst auch von Erle,
Pappel, Weide u. a. Naturschwefel liefern Amerika
(Louisiana) und Italten; künstlich gewinnt man
Schwefel aus den Reinigungsmassen der Gasanstalten,
aus Rückständen der Sodafabrikation. aus Schwefelkies,
neuerdings auch aus Gips; Deutschland mußte
während des Krieges seinen ganzen Schwefelbedarf
auf solchen Umwegen decken. Der Salpeter ist Kalisalpeter
(salpetersaures Kalium), wie er sich an
manchen Orten als Auswitterung findet. Doch genügt
diese Quelle schon seit langem nicht mehr, und man
bedient sich deshalb des Konversionssalpeters,
d. h. eines Kalisalpeters, der durch chemische Umsetzung
aus Natron= oder Chilesalpeter (salpelersaurem
Natrium) hergestellt wird. Im Kriege fehlte uns auch
der Übrigens als Düngemittel viel gebrauchte Chilesalpeter,
und wir hätten schon nach wenigen Monaten
keine Schieß= und Sprengstosse mehr erzeugen können,
wenn wir nicht Luftsalpeter in gewalligem Umfange
hergestellt, d. h. den Stickstoff der Lust nutzbar
gemacht hatten (über die Methoden hierfür s. Bod. I,
S. 297—299).
Diese Bestandteile werden sehr fein gepulvert, sorgfältig
gemischt, und zwar in Ledertrommeln mittels
Holzkugeln. Man erhält so gleichmäßig Fraues
Mehlpulver, wie es zu Zündschnuren und in der
Feuerwerkerei verwendel wird. Schießpulver erhält
man aus dem Mehlpulver, indem man es unter Anfeuchtung
nochmals vermahlt, dann in hydraulischen
Pressen verdichtet, die Preßkuchen zerkleinert und nun
körnt. Erst durch die Körnung, bei der man verschiedene
Nummern unterscheidet, erhält das Pulver
den Charakter eines Schieß- und Sprengmittels. Die
II. Technik und Kriegführung
Pulverkörner werden poliert, oft unter Zusatz von
Graphit, und nochmals getrocknet.
Für Heereszwecke wird Schwarzpulver, wile schon
erwähnt, kaum noch gebraucht. Aber mittelbar diente
es auch jetzt der Kriegführung, weil es in den Bergwerken
noch immer seinen Platz behauptet, wenn auch
nicht mehr für die Gewinnung aller Bergprodukte.
Auch für die Anlage von Tunnels usw. ist es noch
nicht verdrängt. Vielfach wird das Schwarzpulver für
solche Sprengzwecke zu größeren Würfeln oder Prismen
zusammengepreßt (prismatisches Pulver).
Oft hat man versucht, schießpulverartige Gemische
unmitteldar mit Chilesalpeter herzustellen, der billiger
und in größeren Mengen verfügbar ist. Aber das
salpetersaure Natrium zieht viel leichter Feuchtigkeit
an als das Kaliumsalz, so daß sich die Mischungen für
längere Aufbewahrung und zu Schießzwecken nicht
eignen. Wohl aber benutzt man ein Gemisch aus
etwa 75 Teilen Nitronsalpeter, 10 Teilen Schwefel
und 15 Teilen Holzkohle als Sprengsalpeter in
Bergwerken. Nochbesser ist das ähnliche Petroklastit,
bei dem die Holzkohle durch Steinkohlenpech ersetzt ist;
auch enthält es 1 Prozent Kaliumbichromat, und von
den 74 Proz. Salpeter sind 69 Proz. Natronsalpeler
und 5 Proz. Kalisalpeter.
Schießbaumwolle.
Erst gegen die Mitte des 19. Jahrh. wurde die
Alleinhserschaft des Schwarzpulvers gebrochen, und
war durch die ces. Nitrokörper, die man durch
inwirkung von Salpetersäure auf verschiedene organische
Stoffe erhält. Da Salpetersäure aus Salpeter
hergestellt wird. ist dieser also auch hier wic beim
Schwarzpulver unentbehrlich.
Im Jahre 1846 erfand Schönbein in Basel und
unabhängig von ihm Böttger in Frankfurt a. M. die
Schießbaumwolle. Man gewinntsie durch Einwirkung
eines Gemisches von Salpetersäure und Schwefelsäure
auf gereinigte und entfettete Baumwolle (Watte). In
dem Säuregemisch (Nitriersäure) hat die Schwefelsäure
das bei der Umssetung gLebildete Wasser an sich
u reißen, also eine Verdünnung zu verhindern.
rüher nitrierte man in Töpfen, jetzt in schnell bewegten
Schleudertrommeln Kiteie Grzentrifugen);
dabei muß eine bestimmte Temperatur eingehalten
und stärkerexrhitun durch Kühlen verhindert werden.
Nach halbstündiger Säurewirkung wird die Baumwolle
mit Wasser gewaschen und erscheint dann nach
dem Trocknen äußerlich gegenüber reiner Watte gar
nicht verändert, ist dies aber chemisch durchaus, denn
wenn man ein Flöckchen Schiesbaumwolle anzündet,
so verbrenntsieblitzschnell mit heller gelbroter Flamme,
und wenn man mit dem Hammer darauf schlägt,
verpusft (detoniert) sie mit scharfem Knall. Enthält
Schießbaumwolle auch nur winzige Säurespuren,
so neigt sie sehr zur Selbstentzündung; man begnügt
sich daher nicht mit einmaligem Auswaschen, sondern
kocht sie mit Wasser, zerkleinert sie in einem Papierholländer
(Zerreißmaschine) aufs feinste, wäscht und
kocht wieder, um sie endlich zu trocknen. Meist wird
sie für die Verwendung als Sprengmittel zu Scheiben
oder Zylindern gepreßt, wobei die Preßkörper oft einen
Innenkanal für die Aufnahme der Zündkapsel erhalten.
Durch Eintauchen in ein Lösungsmittel (Essigäther)
und nachfolgendes Trocknen kann man die
Preßtkörper oberflächlich gelatinieren, d. h. ihnen eine
wasserdichte Haut geben.
Baumwolle ist sehr reine Holzfaser (Zellulose), und