Full text : Meyers Großes Konversations-Lexikon. Dritter Teil. (3)

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auch  für  manche  Sprengzwecke  bleibt  es  vorläufig
unersetzbar.  Man  bezeichnet  dieses  Schießpulver  als
Schwarzpulver  nach  seinem  Aussehen,  die  neueren
  Geschoßtreibmittel  dagegen  als  rauchlose  oder
rauchschwache  Pulover.

Nicht  jeder  Explosivstoff,  der  starke  Sprengwirkungen
  entfaltet.  kann  ohne  weiteres  als  Geschoßtreib.
mittel  dienen;  besonders  gilt  dies  nicht  mehr  für  die
neueren  Explosivstoffe  mit  ihren  Erwaltig  geskeigerten
Wirkungen.  Hier  hat  man  Schießstoffe  und
Sprengstoffe  zu  unterscheiden.  Jene  werden  als
Geschoßtreibmittel,  diese  zu  Sprengungen  benuftz.
Geht  die  chemische  Umsetzung  zu  schnell  und  unter  zu
starker  Drucksteigerung  vor  sich,  so  ist  der  Explosivstoff,
  den  man  dann  brisant  nennt,  als  Geschoßtreibmittel
  unbrauchbar:  die  Umsetzung  würde  schon  vollzogen
  sein,  bevor  das  Geschoß  Zeit  fände,  das  Nohr
zu  verlassen,  und  dieses  würde  zertrümmert  werden.
Deshalb  kann  man  nicht  mit  Dynamit  aus  einem
Gewehr  schießen.  Bei  den  eigentlichen  Sprengstoffen
macht  man  auch  wieder  Unterschiede  und  benutzt  z.  B.
zur  Beseitigung  des  Felsens  einer  Hafeneinfahrt  einen
Sprengstoff,  der  das  Gestein  in  möglichst  kleine  Teile
zertrümmert,  dagegen  für  die  Gewinnung  von  Sandsteinblöcken
  und  8  den  Abbau  von  Steinkohle  einen
Sprengstoff  mit  mehr  drückender  und  schiebender
Wirkung,  weil  hier  staubfeine  und  kleinbröckelige
Sprengstücke  möglichst  nicht  entstehen  sollen.

Schwarzpulver.

Das  gewöhnliche  Schießpulver  wird  im  Durchschnitt
aus  74—75  Teilen  Salpeter,  10  Teilen  Schwesel  und
16—15  Teilen  Kohle  gemischt.  Der  Salpeter  liefert
dabei  den  Sauerstoff  zur  Verbrennung  der  beiden
anderen  Bestandteile.  Die  Kohle  it  Holzkohle,  bei  den
besten  Sorten  aus  Faulbaumholz,  sonst  auch  von  Erle,
Pappel,  Weide  u.  a.  Naturschwefel  liefern  Amerika
(Louisiana)  und  Italten;  künstlich  gewinnt  man
Schwefel  aus  den  Reinigungsmassen  der  Gasanstalten,
aus  Rückständen  der  Sodafabrikation.  aus  Schwefelkies,
  neuerdings  auch  aus  Gips;  Deutschland  mußte
während  des  Krieges  seinen  ganzen  Schwefelbedarf
auf  solchen  Umwegen  decken.  Der  Salpeter  ist  Kalisalpeter
  (salpetersaures  Kalium),  wie  er  sich  an
manchen  Orten  als  Auswitterung  findet.  Doch  genügt
diese  Quelle  schon  seit  langem  nicht  mehr,  und  man
bedient  sich  deshalb  des  Konversionssalpeters,
d.  h.  eines  Kalisalpeters,  der  durch  chemische  Umsetzung
aus  Natron=  oder  Chilesalpeter  (salpelersaurem
Natrium)  hergestellt  wird.  Im  Kriege  fehlte  uns  auch
der  Übrigens  als  Düngemittel  viel  gebrauchte  Chilesalpeter,
  und  wir  hätten  schon  nach  wenigen  Monaten
keine  Schieß=  und  Sprengstosse  mehr  erzeugen  können,
wenn  wir  nicht  Luftsalpeter  in  gewalligem  Umfange
  hergestellt,  d.  h.  den  Stickstoff  der  Lust  nutzbar
gemacht  hatten  (über  die  Methoden  hierfür  s.  Bod.  I,
S.  297—299).

Diese  Bestandteile  werden  sehr  fein  gepulvert,  sorgfältig
  gemischt,  und  zwar  in  Ledertrommeln  mittels
Holzkugeln.  Man  erhält  so  gleichmäßig  Fraues
Mehlpulver,  wie  es  zu  Zündschnuren  und  in  der
Feuerwerkerei  verwendel  wird.  Schießpulver  erhält
man  aus  dem  Mehlpulver,  indem  man  es  unter  Anfeuchtung
  nochmals  vermahlt,  dann  in  hydraulischen
Pressen  verdichtet,  die  Preßkuchen  zerkleinert  und  nun
körnt.  Erst  durch  die  Körnung,  bei  der  man  verschiedene
  Nummern  unterscheidet,  erhält  das  Pulver
den  Charakter  eines  Schieß-  und  Sprengmittels.  Die

II.  Technik  und  Kriegführung

Pulverkörner  werden  poliert,  oft  unter  Zusatz  von
Graphit,  und  nochmals  getrocknet.

Für  Heereszwecke  wird  Schwarzpulver,  wile  schon
erwähnt,  kaum  noch  gebraucht.  Aber  mittelbar  diente
es  auch  jetzt  der  Kriegführung,  weil  es  in  den  Bergwerken
  noch  immer  seinen  Platz  behauptet,  wenn  auch
nicht  mehr  für  die  Gewinnung  aller  Bergprodukte.
Auch  für  die  Anlage  von  Tunnels  usw.  ist  es  noch
nicht  verdrängt.  Vielfach  wird  das  Schwarzpulver  für
solche  Sprengzwecke  zu  größeren  Würfeln  oder  Prismen
  zusammengepreßt  (prismatisches  Pulver).

Oft  hat  man  versucht,  schießpulverartige  Gemische
unmitteldar  mit  Chilesalpeter  herzustellen,  der  billiger
und  in  größeren  Mengen  verfügbar  ist.  Aber  das
salpetersaure  Natrium  zieht  viel  leichter  Feuchtigkeit
an  als  das  Kaliumsalz,  so  daß  sich  die  Mischungen  für
längere  Aufbewahrung  und  zu  Schießzwecken  nicht
eignen.  Wohl  aber  benutzt  man  ein  Gemisch  aus
etwa  75  Teilen  Nitronsalpeter,  10  Teilen  Schwefel
und  15  Teilen  Holzkohle  als  Sprengsalpeter  in
Bergwerken.  Nochbesser  ist  das  ähnliche  Petroklastit,
bei  dem  die  Holzkohle  durch  Steinkohlenpech  ersetzt  ist;
auch  enthält  es  1  Prozent  Kaliumbichromat,  und  von
den  74  Proz.  Salpeter  sind  69  Proz.  Natronsalpeler
und  5  Proz.  Kalisalpeter.

Schießbaumwolle.

Erst  gegen  die  Mitte  des  19.  Jahrh.  wurde  die
Alleinhserschaft  des  Schwarzpulvers  gebrochen,  und
war  durch  die  ces.  Nitrokörper,  die  man  durch
inwirkung  von  Salpetersäure  auf  verschiedene  organische
  Stoffe  erhält.  Da  Salpetersäure  aus  Salpeter
  hergestellt  wird.  ist  dieser  also  auch  hier  wic  beim
Schwarzpulver  unentbehrlich.

Im  Jahre  1846  erfand  Schönbein  in  Basel  und
unabhängig  von  ihm  Böttger  in  Frankfurt  a.  M.  die
Schießbaumwolle.  Man  gewinntsie  durch  Einwirkung
eines  Gemisches  von  Salpetersäure  und  Schwefelsäure
auf  gereinigte  und  entfettete  Baumwolle  (Watte).  In
dem  Säuregemisch  (Nitriersäure)  hat  die  Schwefelsäure
  das  bei  der  Umssetung  gLebildete  Wasser  an  sich

u  reißen,  also  eine  Verdünnung  zu  verhindern.

rüher  nitrierte  man  in  Töpfen,  jetzt  in  schnell  bewegten
  Schleudertrommeln  Kiteie  Grzentrifugen);
dabei  muß  eine  bestimmte  Temperatur  eingehalten
und  stärkerexrhitun  durch  Kühlen  verhindert  werden.
Nach  halbstündiger  Säurewirkung  wird  die  Baumwolle
  mit  Wasser  gewaschen  und  erscheint  dann  nach
dem  Trocknen  äußerlich  gegenüber  reiner  Watte  gar
nicht  verändert,  ist  dies  aber  chemisch  durchaus,  denn
wenn  man  ein  Flöckchen  Schiesbaumwolle  anzündet,
so  verbrenntsieblitzschnell  mit  heller  gelbroter  Flamme,
und  wenn  man  mit  dem  Hammer  darauf  schlägt,
verpusft  (detoniert)  sie  mit  scharfem  Knall.  Enthält
  Schießbaumwolle  auch  nur  winzige  Säurespuren,
so  neigt  sie  sehr  zur  Selbstentzündung;  man  begnügt
sich  daher  nicht  mit  einmaligem  Auswaschen,  sondern
kocht  sie  mit  Wasser,  zerkleinert  sie  in  einem  Papierholländer
  (Zerreißmaschine)  aufs  feinste,  wäscht  und
kocht  wieder,  um  sie  endlich  zu  trocknen.  Meist  wird
sie  für  die  Verwendung  als  Sprengmittel  zu  Scheiben
oder  Zylindern  gepreßt,  wobei  die  Preßkörper  oft  einen
Innenkanal  für  die  Aufnahme  der  Zündkapsel  erhalten.

  Durch  Eintauchen  in  ein  Lösungsmittel  (Essigäther)

  und  nachfolgendes  Trocknen  kann  man  die
Preßtkörper  oberflächlich  gelatinieren,  d.  h.  ihnen  eine
wasserdichte  Haut  geben.

Baumwolle  ist  sehr  reine  Holzfaser  (Zellulose),  und