160 Die Römerzüge der Bismarck’schen Ära.
züglichkeit des vollzogenen Beschlusses auseinander, da Prinz
ITohenlohe, ein Deutscher, mit den deutschen Verhältnissen vertraut,
durch seine verwandtschaftlichen Beziehungen in steter,
engerer Beziehung mit hervorragenden deutschen Persönlichkeiten,
am preussischen llofe persona grata, zugleich mit dem
Vertrauen des Papstes beehrt sei.
Während Nichts von einer Antwort des Vaticans auf
Derenthall's Anklopfen verlautete, füllten die Officiösen die unheimliche
Pause mit Betrachtungen über die eigentliche Aufgabe
des Cardinals aus und stimmten in der Ansicht überein, dass
seine Arbeit schr leicht, sein Geschäft schr einfach sein würde.
Da es sich von selbst verstehe, meinten sie, dass die schwierigeren
Fragen und Angelegenheiten, in welchen sich die Aufgaben und
Interessen des Staats und der Kirche berühren, der Regelung
dureh die staatliche Gesetzgebung unterliegen, so hätte er
weiter Nichts zu thun, als das llerz des Heiligen Vaters zu
erwärmen und dafür Sorge zu tragen, dass die Auffassung und
die Schritte der deutschen Regierung von Seiten der Curie eine
richtige Würdigung und, soweit möglich, moralische Unterstützung
fänden.
Zum Theil gaben diese Federn die Stimmung eines nicht
einflusslosen Kreises wieder, in welchem man auf die Stichworte
des Parteizwistes, wie Jesuitismus und Ultramontanismus, nicht
viel gab, den Protesten des katholischen höheren Bürgerthuns
gegen die Coneilsbeschlüsse keine nachhaltige Kraft zutraute,
im Altkatholieismus nicht Masse genug zu einer sichtbaren Organisation
erblickte und in Döllingers gelehrter Opposition keine
zuverlässige Basis sal. Man wollte in diesen Kreisen Ruhe,
etwas Verlässliches, 'Thatsächliches und Amtliches haben und
glaubte, dass man das Alles mit Hohenlohe’s Ernennung auf
leichte Weise bekommen könne,
Gleichwohl gab es auch eifrige Nationalgesinnte, welche
diese Ernennung mit Bestürzung vernommen hatten und befürchteten,
dass ein Streit, der einen belebenden Bruch zu versprechen
schien, in einen dumpfen Frieden verlaufen könne.
Ihnen musste Trost gespendet werden und sie erhielten ihn in
einer Berliner Correspondenz der „Weserzeitung“ vom 2. Mai.
Sie wurden nun darüber aufgeklärt, dass der Berliner Act, der
einen Rückzug der Bismarck’schen Politik anzukündigen schien,
nur eine veränderte Schlachtordnung sei. Man belehrte