332 V. C. Schulgeld.
Unkraut lustig nebeneinander emporkommen? Und soll man dies letztere etwa mit der
Altweiberweisheit und der Gassenmoral verteidigen, die da ruft: „Das ist immer so gewesen!
Wer vermag das zu ändern?“
Nein, die ärztliche Kunst soll nicht verzagen, weil sie oft Mißgriffe macht und der
Übel nicht Herr wird; das Rechtsprechen wird nicht aufhören, weil eg hier und da Irrwege
einschlägt; so soll auch das höhere Lehramt wegen der Möglichkeit vereinzelter, falscher
Urteile immer jenes Ideal, den Naturberuf mit dem gesellschaftlichen auszugleichen, im
Auge behalten.
Weahrlich, es bleibt so uns Oberlehrern, den Trägern des höheren Lehramtes, stets ein
hoher, idealer Beruf, und doch zugleich ein solcher, der in das wirtschaftliche, soziale Leben
der Familie, der Gesellschaft tief eingreift oder doch eingreifen sollte: nämlich schließlich
infolge der Ausstellung eines Schulzeugnisses zu entscheiden, ob jemand zu
mechanischer oder subalterner Arbeit oder zu freier geistiger Tätigkeit
übergehen soll. .
Zeichnet ung so das Ziel unseres amteg aus, so sind wir auch durch das Objekt
unserer Tätigkeit vor andern gleichen akademisch gebildeten Ständen ausgezeichnet. Für uns
gilt ganz besonders das Goethische Wort, das wir aus Ottiliens Tagebuch in den Wahlverwandtschaften
(II, 7 Schluß) kennen: „Das eigentliche Studium der Menschheit ist
der Mensch“, d.h. in unserm Sinne: nicht der körperlich oder geistig kranke Mensch, mit
dem es der Arzt zu tun, nicht der morslisch anfechtbare, kranke oder verkommene Mensch,
mit dem es der Richter vorzugsweise zu tun hat, sondern der freilich noch unfertige, aber
in zarter Knospe und in vollerer Blüte des Geistes sich immer mehr entfaltende, jugendliche
Mensch,
Berichtigungen und Nachträge.
. 1, 4. Zeile statt: „willens® muß es heißen: „willen“.
. 7, 7. Zeile von unten: statt „erhalten“ — „bekommen“.
. 21, 5. Zeile von oben: statt „3l. März“ — „21. März“.
. 40, 4. Zeile von unten hätte noch auf „Neues Korrespondeneblatt für Württemberg". 1897.
8. 144 verwiesen werden müssen.
. 40: in der Anmerkung muß es statt „S. 36“ heißen: „S. 50 ff“.
. 50, 2. Zeile von unten ist die v. Wermbter zitierte Schrift dem Titel nach nicht richtig;
gemeint ist die Schrift: Die höhere Schullaufbahn i. Preußen. Schalke. Kannengießer. 1%1.
. 51: die während des Druckes hinzugekommene Anmerkung betr. das Philosophicum ist
nicht ganz richtig redigiert. —
. 100 ff. hätte bei dem Kapitel: „Privatunterricht, Pensionäre“ noch auf Irmer (Wiese.
Irmer. 8. 82), der einen äußeren Grund für das Halten von Pensionären angibt, verwiesen
werden müssen und auf Eulenburg, Beiträge 8. 94/95, der diesen Nebenerwerb wie
das Erteilen von Privatunterricht an Schüler derselben Anstalt verwirft, weil ein „großer.
Teil der sozialen Mißachtung des höheren Lehrstandes sich daher schreckt, daß man
sie auf diesem Wege für ‚zugänglich‘ hält“.
. 208, Zeile 18 muß das Wort „Anmerkung“ fort. —
. 809: was die Titelfrage anbelangt, so ist Wermbter a. «. O. S. 43 jetzt auch für Zusammensetzung
mit „Studien“.
. 317: „Zahl der Dienstjahre bis zum Höchstgehalt“. Berechnet ist die Zabl der Dienst
jahre von der Anstellung als „Oberlehrer*. Manche hätten gewünscht, daß hier die.
Frage, wieviel Dienstjahre der Hilfslehrerzeit angerechnet würden, mit hineingesogen -
wäre. Indessen diese Frage, wie andere, z. B. die der Vereidigung der Kandidaten, der
Schulgeldfreiheit für Oberlehrersöhne, der Pensionierung, Pensionsfähigkeit, des Wg und !
ähnliche Dinge sind teils sehr verwickelt, teils nicht geregelt, teils hängen sie mit det
allgemeinen Stellung der Beamten in den einzelnen Stasten zusammen und hätten
so zu Untersuchungen geführt die über die gestellte Aufgabe des Buches weit hinausgegangen
wären. Sie mögen vielleicht einer neuen Bearbeitung, wenn solche sich als ,
nötig erweisen sollte, vorbehalten bleiben ! |
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Druck von Theodor Hofmann in Gera.