Full text: Geschichte des deutschen Volkes.

240 Der schmalkaloische Rrieg. Der Angsburger Rellglonsscheden. 38 362—365. 
da ächtete der Kaiser die beiden Häupter des schmalkaldischen Bundes als 
pflicht= und eidbrüchige Rebellen. Nicht als ein Kampf gegen die pro- 
testantische Sache sollte der Krieg erscheinen, und in der That gelang es der 
klugen Politik des Kaisers, die meisten protestantischen Fürsten, wie den Kur- 
fürsten von der Pfalz, Joachim II. von Brandenburg, seinen Bruder Johann, 
die Herzöge von Mecklenburg und Pommern dem Kriege fern zu halten. 
Dennoch 7 man leicht des Kaisers geringe Truppen, die langsam aus 
Italien und den Niederlanden heranzogen, besiegen können, hätte der mutige 
Rat Schärtlins, der auf schnellen Angriff drang, die Uneinigkeit oder die 
Gewissensbedenken der beiden Fürsten überwogen. Sie hatten 47000 Manm 
und schönes Geschütz beisammen. Dennoch thaten sie nichts als müßig 
vor Ingolstadt liegen und zwischen Nördlingen und Ulm hin= und herziehen, 
bis der Herbst kam und der Kaiser seine Truppen vereint hatte. Da 
“* unerwartetes Ereignis den Kurfürsten von Sachsen zur schnellen 
eimkehr. 
§ 363. Denn der gefährlichste Feind erstand den Protestanten in ihrer eige- 
nen Mitte. Der junge Herzog Moritz von Sachsen, ein ehrgeiziger, klug un 
weithin rechnender Fürst, war 1541 seinem Vater Heinrich (§ 357) in den 7 
schen Ländern albertinischer Linie gefolgt. Vor dem jungen Löwen, den er an 
seiner Tafel sitzen habe, möge der Kurfürst sich hüten, soll Luther einst von 
ihm geweissagt haben. Moritz war mit seinem Vetter, Johann Friedrich, 
längst veruneinigt, war dem schmalkaldischen Bunde nicht beigetreten, hatte 
unter dem Kaiser gegen die Türken und Franzosen ruhmvoll gefochten und 
war auch jetzt im heimlichen Einverständnis mit demselben. Plötzlich war 
er in Kursachsen eingefallen und hatte fast das ganze Land besetzt. Eilig 
kehrte Johann Friedrich zurück; Kurfürst und Landgraf schieden unter gegen- 
seitigen Vorwürfen. 
§ 364. Nun beeilten sich die oberdeutschen Fürsten und Städte, mochten 
sie eine feindliche oder bloß zuwartende Stellung zum Kaiser eingenommen 
haben, seine Verzeihung mit schweren Opfern zu erkaufen. Ulrich von 
Württemberg warf sich ihm zu Füßen; mit Thränen in den Augen bat 
Friedrich von der Pfalz um Verzeihung dafür, daß er dem Württem- 
berger vertragsmäßig Zuzug geleistet; alle Städte unterwarfen sich, Augs- 
burg entließ den Schärtlin, der am längsten den Kaiserlichen Abbruch ge- 
than, des Dienstes. Ganz Süddeutschland gehorchte wieder dem Kaiser. Und 
in Köln endigte nun mit dem Rücktritt des vom Papste gebannten und ab- 
gesetzten Kurfürsten Hermann die begonnene Reformation volig Es war 
ein großer Sieg, den Karl. damit erfochten. Mit dem feindlichen Ober- 
deutschland im Rücken hätte er nie gegen Sachsen und Hessen vorgehen 
können. Und wie hätte er hoffen dürfen, die festen oberdeutschen Städte 
schnell zu erobern? Aber freilich bedingungslos war die Unterwerfung der 
Süddeutschen nicht erfolgt. Der Kaiser hatte versprechen müssen, sie „bei 
ihrer habenden Religion bleiben zu lassen“. Die Hoffnung, die religiöse 
Einheit in Deutschland durch einfache Zurückführung der Evangelischen zur 
katholischen Kirche herzustellen, war vereitelt, und neue Verwicklungen zwischen 
Kaiser und Papst konnten nicht ausbleiben. 
8 365. Indessen hatte Johann Frieori sein Land zurückerobert und 
Moritz selbst in Bedrängnis gebracht. Darüber kam der Frühling 1547 heran. 
Ehe der Kurfürst es ahnte, stand Karl V. mit einem starken Heer an den 
böhmischen Grenzgebirgen und brach in Sachsen ein. Mit ihm war Moritz 
von Sachsen, unter um befehligte Alba, der später in den Niederlanden