Der schmallaldische Rrieg. Der Augsburger Religionsfrieden. §§ 360 —362. 2539
Franz I. 1536 bis 1538 gekämpft und dann in Gent den letzten ständischen
iderstand seiner Niederländer gebrochen. Während all dieser Zeit schien
ihm Nachsicht gegen die protestantischen Stände ratsam. Zugleich drängte
er den Papst, endlich zur Schlichtung aller religiösen Wirren das langver-
heißene Konzil zu berufen — was dieser unter immer neuen Vorwänden
vermied. So zögerte der Kaiser geflissentlich die Entscheidung bis zu günsti-
gerer Gelegenheit han. ja er und sein Bruder Ferdinand ließen unter dem
Scheine der Versöhnung in Deutschland mehrere Religionsgespräche halten
(zu agenau, Worms)y), das letzte und bedeutendste unter des Kaisers Augen
zu Regensburg, 1541. Schon standen protestantischerseits Melanchthon,
aubererfeitn edle, mildgesinnte Katholiken fast im Begriff sich die Hände zu
reichen, als hier der Papst, dort Luther und der Kurfürst von Sachsen den
Versöhnungsversuch, dem sie nicht traueten, zum Scheitern brachten. Aber-
mals vertagte man die Entscheidung.
§ 361. Karl V. ging nach Italien und unternahm von dort aus einen
Zug gegen die Seeräuber von Algier, 1541, der aber diesmal unglücklich aus-
fiel. Nun erklärte 1542 Franz I. an Karl V. zum vierten Male den Krieg.
Auf Seiten des ersteren stand auch ein deutscher Fürst, der Herzog Wilhelm
von Cleve, der gegen Karl V. das Herzogtum Geldern zu behaupten
suchte. Zugleich erfüllte den Kaiser die Reformation, die in Cleve bereits
geschehen, in Köln versucht war (§ 358), mit Sorge für seine Niederlande,
die er katholisch erhalten wollte und die er immer sharfer von Deutschland
sonderte. Deshalb kam er 1543 von Italien wieder nach Deutschland und
schlug mit allen Schrecken der Verwüstung, die seine spanischen Truppen
verbreiteten, das clevische Land. Herzog Wilhelm mußte sich demütigen und
allen Ansprüchen auf Geldern sowie der Reformation entsagen. Durch seine
Vermählung mit einer Tochter des römischen Königs Ferdinand (§ 253 Anm.)
ward er dann ganz für die österreichischen Interessen gewonnen. — Gegen
die übrigen Protestanten trat Karl noch immer behutsam auf. Im folgen-
den Jahre gelang es ihm sogar noch, durch persönliche Liebenswürdigkeit auf
dem Reichstag zu Speyer auch die Schmalkalder zum Reichskriege gegen
rankreich zu bewegen; mit der gesamten Reichsmacht und im Bunde mit
einrich VIII. von England rückte er nun bis nahe vor Paris und be-
drängte Franz I. so part. daß dieser den Frieden von Crespy schloß, 1544.
Nun erst hatte Karl freie Hand. Die Zeit der Rücksichten war vorüber,
jetzt konnte er, wie er schon lange geplant, in Deutschland die Einheit der
Kirche nötigenfalls mit Gewalt herstellen und auch hier — was ihm in
Spanien schon in seiner Jugend gelungen war — die reichsständische Selbst-
ständigkeit brechen. v
362. Ihm gegenüber waren die Schmalkalder uneinig, mächtige pro-
testantische Fürsten, wie die Kurfürsten von Brandenburg und Pfalz, nicht Teil-
nehmer des Bundes. Im Dezember 1545 ward endlich zu Trient ein Konzil
eröffnet. Der Kaifer verlangte nun 1546 auf dem Reichstage zu Regens-
burg, daß die protestantischen Fürsten dasselbe beschicken sollten. Da es
aber auf der welschen Seite der Alpen (§ 277) zusammentrat und gleich
mit feindseligen Schritten gegen die Protestanten begann, so weigerten sich
Hessen wie Sachsen, dies zu thun. Nun schloß der Kaiser ein Bündnis
mit dem Papst, der ihm Geld und Soldaten zusagte, begann selbst Truppen
zusammenzuziehen, und als dann sowohl die oberdeutschen Städte — unter
dem klugen und entschlossenen Sebastian Schärtlin — als auch der
Kurfürst von Sachsen und der Landgraf von Hessen ein Heer sammelten,