Nr. 46.
Herr Boppe, französischer Gesandter in Belgrad,
an Herrn Bienvenu-Martin, stellvertreienden Minisier des
Aeussern.
Belgrad, den 25. Juli 1914.
Herr Pachitch hat mir soeben von der Antwort Kenntnis
segeben, die heute abend dem österreichischen Gesandten überreicht
werden wird.
Die serbische Regierung willigt ein, morgen ım Amtsblatt
die Erklärung zu veröffentlichen, die von ihr verlangt wird;
sie wird sie durch einen Tagesbefehi auch dem Heere mitteilen;
sie wird die Landesverteidigungsvereine und alle andern Gesellschaften
auflösen, die der Agitation gegen Oesterreich-Ungarn
verdächtig sind; sie verpflichtet sich, das Pressgesetz zu ändern,
aus dem Heeresdienste, dem Öffentlichen Unterrichte und den
übrigen Verwaltungen alle Beamten zu entlassen, deren Beteilıgeung
an der Propaganda bewiesen werden wird; sie verlangt
nur, dass ihr die Namen dieser Beamten mitgeteilt werden.
Was die Mitwirkung von österreichischen Beamten bei der
Untersuchung anbetrifft, so verlangt sie Aufschluss, wie sich
diese gestalten würde; sie könnte nur eine solche annehmen,
die dem Völkerrechte oder den freundnachbarlichen Beziehunsen
entsprechen würde.
Sie nimmt alle andern Forderungen des Ultimatums an
und erklärt, wenn die österreichisch-ungarische Regierung damit
nicht befriedigt sei, wolle sie sich dem Entscheide des Haager
Schiedsgerichtes oder dem der Grossmächte unterwerfen,
die an der Aufstellung der Erklärung vom 31. März 1909 mitgewirkt
haben.
Boppe.
Nr. 47.
Herr Jules Cambon, französischer Botschafter in Berlin,
an Ilerrn Bienvenu-Martin, stellvertretenden Minister des
Aeussern.
Berlin, den 25. Juli 1914.
Während des ganzen Nachmittags verbreitete sich mit
FHartnäckigkeit das Gerücht, dass Serbien sich den Forderungen