Volltext : Geheime Mächte - Internationale Spionage und ihre Bekämpfung im Weltkrieg und heute.

116  Unser  Kalser.

sönlichkeit.  Man  stellt  ihn  hin  als  einen  Mann  mit  einer
weichlichen,  immer  nur  mitleidigen  Stimmung,  der  keine
scharfen  Kanten  und  unnachgiebigen  Grundsätze  gehabt  hat.
Schon  diese  Darstellungen  unserer  meisten  Maler:  immer
der  rote  oder  blaue  Mantel,  das  weichliche  Gesicht,  die
Frauenhaare!  Warum  nicht  die  orientalische  Tracht,  wie
wir  sie  noch  heute  sehen,  die  orientalische  Kopfbedeckung  und
das  lang  herabwallende  Gewand?  Wir  erfahren  es  ja  bei
der  Kreuzigung,  daß  er  das  von  oben  bis  unten  ungenähte
Gewand  getragen  hat.

Nein,  Jesus  war  keineswegs  immer  nur  das  sanftmütige
„Lamm  Gottes“,  ein  Bild,  das  freilich  zur  Karfreitagsgeschichte
  wunderbar  paßt,  sondern  er  war  am  rechten  Ort
auch  der  Zornentbrannte,  der  die  Geißel  zur  Hand  nahm  und
die  tempelschänderischen  Mammonsdiener  aus  dem  Hause
seines  Vaters  hinaustrieb.

Auch  bei  der  Versuchungsgeschichte  des  Herrn,  was  für
unwürdige  und  unzulängliche  Bilder  haben  uns  da  unsere
Maler  geschaffen!  Da  steht  der  Teufel  womöglich  mit
Pferdefuß,  Schwanz  und  Hörnern.  Und  das  soll  eine  Versuchung
  sein?  Ich  nehme  den  Teufel  ganz  ernst,  wie  es
uns  unser  Heiland  gelehrt  hat.  Den  ganzen  Zweck  seines
Kommens  faßte  er  ja  in  die  Worte  zusammen:  Ich  bin  gekommen,
  daß  ich  die  Werke  des  Teufels  zerstöre.  Aber
dieser  ungeheure  Gegner  ist  dann  nicht  einer  mit  Hörnern
und  Pferdefuß,  sondern  ein  gewaltiger,  mit  dämonischen
Kräften  ausgestatteter,  genialer  Geist,  mit  dem  überhaupt
kein  anderer  fertig  wird  als  der  Sohn  Gottes.  Deshalb
mußte  eben  dieser  kommen,  daß  er  seine  Werke  zerstörte.