Full text : Fürst Bülows Reden. 1. Band 1897-1903. (1)

Februar  1899.  55

prüfen  müssen,  um  ein  abschließendes  Urteil  über  die  Qualität  fällen  zu
können.  Wir  glauben  aber,  schon  jetzt  sagen  zu  dürfen,  daß  die  Schantung-Kohle
  besser  ist  als  die  Schansi-Kohle.  Letztere  ist  eine  Anthrazit-Kohle
und  mehr  für  den  Hausbrand  geeignet,  Schantung  aber  verspricht  eine
gute  Schiffskohle  zu  liefern.  Der  Herr  Staatssekretär  des  Reichs-Marineamts
  hat  übrigens  kürzlich  bereits  im  Reichstage  erwähnt,  daß
auch  in  der  Nähe  von  Kiantschoun  selbst,  nicht  weit  vom  Meere,  abbauwürdige
  Kohlenlager  gefunden  worden  sind.

Ich  füge  endlich  noch  hinzu,  daß  dem  Eisenbahnbau  durch  Schantung
in  der  Richtung  auf  den  Hoangho  nach  den  bisher  vorliegenden  Nachrichten
  erhebliche  Terrainschwierigkeiten  nicht  im  Wege  stehen.  Der  Bau
wird  durch  die  Unterhandlungen  mit  dem  Syndikat  übrigens  nicht  verzögert.
  Das  vereinigte  Syndikat  hat  bereits  im  chinesischen  Eisenbahnbau
erprobte  und  mit  deu  chinesischen  Verhältnissen  vertraute  Ingenieure  an
Ort  und  Stelle  entsandt,  um  Vermessungen  vorzunehmen  und  die  Trace
festzustellen.

Auf  eine  Anfrage  des  Abgeordneten  Richter  wegen  der  sogenannten  Abrüstungskonferenz

  erwidert
Staatssekretär  von  Bülow,

daß  die  Konferenz  im  Haag  stattfinden  solle.  Die  Einladungen
würden  voraussichtlich  bald  ergehen.  Wann  die  Konferenz  zusammentreten
werde,  stehe  noch  nicht  fest.  Im  übrigen  sei  er  noch  nicht  in  der  Lage,
Schriftstücke  über  die  Konferenz  vorzulegen.  Ein  Programm  sei  von
russischer  Seite  aufgestellt.  Verschiedene  Regierungen  wären  jedoch  der
Meinung,  daß  erst  auf  der  Konferenz  selbst  zu  den  einzelnen  Punkten
des  Programms  Stellung  zu  nehmen  sein  werde.  Demgemäß  würden
die  Verhandlungen  hierüber  auf  der  Konferenz  stattfinden.

Hierauf  bringt  der  Abgeordnete  Richter  die  von  fremden  Zeitungen  gebrachte
Nachricht  über  die  „Irene“  und  das  angebliche  Verhalten  des  Admirals  Deweny
zur  Sprache,  welcher  gedroht  haben  solle,  eine  Pinasse  der  „Irene“  in  Grund  und
Boden  zu  bohren.

Staatssekretär  von  Bülow  erklärt,

daß  diese  Nachricht  in  die  Kategorie  der  kürzlich  von  ihm  gekennzeichneten
  fetten  Enten  3)  gehöre.  Soviel  er  wisse,  befinde  sich  die
„Irene“  gar  nicht  bei  den  Philippinen,  sondern  in  Hongkong.  Von
deutschen  Schiffen  sei  nur  die  „Kaiserin  Augusta“"  vor  Manila.  Wir

3)  Vgl.  oben  S.  45.