Full text: Illustriertes Realienbuch.

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feucht, stehen mächtige Farnwedel. Ein schwarzer, gelbgefleckter Erdmolch 
kriecht heraus. Moos überzieht den Boden und die Felsen. Es hält den 
Boden feucht und gewährt, den kleinen Tieren eine Zufluchtstätte. Die Flech— 
ten bilden den grauen Uberzug der Felsen und Bäume. Die Bartflechte 
hängt wie ein weißgrauer Bart von den Tannen und wird im Winter vom 
Wilde gern gefressen. Uber die Feisen ranken stachelige Brombeeren mit 
schwarzen Beeren. Sandige Strecken sind mit rotglöckigem Heidekraut be- 
deckt. An anderen Stellen wachsen massenhaft blauschwarze Heidelbeeren 
oder rote und herbe Preißelbeeren. Auf einer Lichtung steht in Menge der 
Atige rote Fingerhut, an einem schattigen Hange die Tollkirsche mit ihren 
eeren, die wie Schwarzkirschen aussehen. Im Schatten wächst zahlreich der 
rote, weißgeschuppte Fliegenpilz und der gelbe falsche Eierschwamm; beide 
sind giftig. Dagegen sind eßbar die gleichfalls hier wachsenden echten Eier- 
schwämme, die roten und gelben Hahnenkämmchen, die braunen und 
stark gewölbten Steinpilze u. a. Fleißige Kinder suchen Beeren und eßbare 
Pilze, sie hüten sich aber vor allem, was sie nicht genau kennen. 
Ein Eichhörnchen sitzt auf einem Tannenast und löst von einem Zapfen 
die Schuppen, um die geflügelten Samen hervor zu holen und zu verspeisen. 
Da schießt der hahngroße, rotbraune Gabelweih herab, um das Tierlein zu 
fangen. Es flieht in Schraubenwindungen um den Baum, und der Gabelweih 
fliegt ihm nach. Da er aber in größeren Bogen den Baum umkreisen muß, 
so kann er das gewandte Tierlein nicht fangen. Plötzlich ist es in einem Ast- 
loch verschwunden. Der Raubvogel aber erspäht den Molch und trägt ihn 
in seinen Horst. In großen Nadelwäldern findet sich auch der Auerhahn, das 
rößte Waldhuhn, der zierlichste Tänzer, der aber zur Paarungszeit blind wird 
ür alle Gefahren, so daß der Jäger sich an ihn heranpirschen kann. Braun- 
rote Ameisen haben aus Fichtennadeln ihr gewölbtes Schloß gebaut. Ge- 
schäftig laufen sie hin und her und naschen allerlei süßen Saft. Ihre weißen, 
walzigen Puppen sind ein gesuchtes Vogelfutter, und selbst das Eichhorn ver- 
schmäht sie nicht als Nachtisch; auch die jungen Baumknospen, die Eier und 
zarten Jungen der Vögel stehen ihm an. Das kleine, bewegliche Gold- 
ähnchen mit goldgelbem Scheitel und schwarzen Zügelstreifen hängt deshalb 
sein Nestchen an die äußersten Zweigspitzen, die blaue Tannenmeise mit 
schwarzer Stirn und Kehle und weißen Backen baut es in enge Baumlöcher. 
Die Vögel hat Gott zu Tannenhütern bestimmt. Sie vertilgen u. a. die 
Eier und Raupen der Nonne, eines höchst schädlichen Schmetterlings. Der- 
selbe legt seine Eier in Klümpchen unter die Rinde. Daraus schlüpfen büschel- 
borstige, weißgraue und blau punktierte Raupen. Diese fressen die Nadeln aus 
und verheeren ganze Wälder. Andere Feinde der Raupen sind die zierlichen 
Schlupfwespen und die goldgrünen Puppenräuber. 
53. Der Fliegenpilz. 
I1. Der Fliegenpilz (Fliegenschwamm) ist ein Hutpilz, welcher, in Milch ge- 
weicht, zum Fliegentöten dient. Doch wegen vieler Vergiftungen, besonders an 
Kindern, durch diese Milch sollte man diese Art Fliegenfang unterlassen. Eine 
Fliegenfangflasche, die nur mit Wasser gefüllt ist, thut dieselben Dienste. Die 
Pilze oder Schwämme sind blütenlose Pflanzen, die sich überraschend schnell 
entwickeln. — 2. Man unterscheidet bei dem Pilze das Pilzlager, ein 
Fadengeflecht im Boden, den Strunk und den Hut. Die ganze Masse 
ist am Fliegenpilz weich, schwammig, giftig und geht bald in Fäulnis über. 
Der Strunk ist spannenhoch, weiß und hohl, unten knollig und in der 
Mitte mik einem Hautring umgürtet. Der Hut ist spannenbreit, schirmartig 
gewölbt, hochrot und weiß geschuppt. Auf seiner Unterseite stehen strahlig um 
den Strunk viele dünne Blättchen, zwischen denen die Sporen, d. h. Samen- 
zellen, je 4 auf einem Stiel, wie Stäubchen sitzen. Sie werden zu kleinen 
Schläuchen, die sich wie ein Spinngewebe im Boden verzweigen und das Pilz-