Full text : Illustriertes Realienbuch.

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die  Achtung  und  Liebe  des  Volkes  verscherzt  und  eine  ungeheure  Schuldenlast
auf  das  Land  gewälzt.  Die  Bürger  und  Bauern  trugen  alle  Lasten,  Adel  und
Geistlichkeit  aber  waren  frei.  Die  Befreiung  Amerikas  vom  englischen
Joche  durch  Georg  Washington  und  Benjamin  Franklin  und  die
Schriften  Voltaires  (spr.  Woltährs)  u.  a.  Aufklärer  hatten  die  Gedanken
der  Freiheit,  Gleichheit  und  Brüderlichkeit  immer  weiter  im  Volke
verbreitet  und  eine  tiefgehende  Unzufriedenheit  erzeugt.  Endlich  brach  der
rasende  Sturm  der  französischen  Revolution  in  Paris  aus  mit  der  Erstürmung
  der  Bastille,  in  welcher  viele  Unschuldige  geschmachtet  hatten.

3.  Das  Schicksal  des  französischen  Königs  Ludwig  XVI.  gestaltete
sich  besonders  traurig.  Er  war  gutmütig  und  brav,  aber  zu  schwach  in
solchen  Stürmen.  Die  Sünden  seiner  Väter  mußte  er  büßen.  Von  einem
Zugeständnis  zum  andern  drängte  ihn  die  Nationalversammlung.
Die  gleichen  Menschenrechte  für  alle  wurden  verkündigt,  dem  Adel  und  der
Geistlichkeit  alle  Vorrechte  genommen,  die  Macht  des  Königs  zu  einem  Schatten
herabgedrückt,  Kirchen=  und  Krongüter  verkauft,  der  Zehnte  aufgehoben,
Papiergeld  ausgegeben  und  allen  Zeitungen  Preßfreiheit  bewilligt.  Zuletzt
stürmte  der  Pöbel  das  Schloß  und  setzte  den  König  gefangen.  Da  er  entfliehen
  wollte,  wurde  er  nach  vielen  Quälereien,  die  er  mit  Würde  trug,  zum
Tode  verurteilt  und  im  Januar  1793  unter  dem  Beifallsgeheul  der  entmenschten
  Rotten  durch  das  Fallbeil  hingerichtet.  Gleiches  Schicksal  hatte  seine
Gemahlin,  eine  Tochter  der  Maria  Theresia.  Ihr  Sohn  wurde  zu  einem
Schuster  in  die  Lehre  gethan  und  zu  Tode  gegquält.

4.  Die  Schreckensherrschaft  entfesselte  nun  alle  Leidenschaften.  Ein
wahrer  Taumel  hatte  das  Volk  ergriffen;  zahl=  und  namenlose  Greuel  wurden
verübt.  Alle  Gefängnisse  lagen  voll  „Verdächtiger“;  täglich  rauchte  das  Blut
der  Opfer  des  Fallbeils.  Kein  Stand,  kein  Alter,  kein  Geschlecht  schützte
vor  der  Wut  eines  Robespierre,  Danton  und  anderer  Ungeheuer  des
„Jakobinerklubs"“.  Das  Christentum  wurde  abgeschafft,  Gott  entthront  und
der  „Tugend“  und  „Vernunft“  Tempel  gebaut.  Endlich  aber  kam  die  Reihe
auch  an  die  „Schreckensmänner“,  und  auch  ihr  Blut  floß.

5.  Durch  eine  Vereinigung  der  Fürsten  sollte  dem  tollen  Treiben
in  Frankreich  mit  Waffengewalt  gesteuert  werden.  Der  Herzog  von  Braunschweig
  führte  das  preußische  Heer  nach  Frankreich,  reizte  aber  durch  eine
heftige  „Ansprache“  die  eiteln  Franzosen  derart,  daß  alles  begeistert  zu  den
Waffen  eilte.  Der  prahlerische  „Spaziergang  nach  Paris“  wurde  trotz  zweier
Siege  bei  Kaiserslautern  durch  schlechte  Wege,  Seuchen,  Mangel  und  die
todesmutige  Tapferkeit  der  zerlumpten  und  ungeschulten  französischen  Soldaten
gänzlich  vereitelt.  In  Basel  schloß  Preußen  1795  Frieden  mit  Frankreich,
  wodurch  es  von  der  allgemeinen  Sache  abfiel.  Die  Franzosen  aber
erfochten  weiter  Sieg  auf  Sieg  gegen  ihre  Feinde.

26.  Friedrich  Wilhelm  III.  (1797—1840)  und  die
Befreiungskriege  (1813—1815).

1.  Sein  Wesen,  Streben  und  Leben.  Seine  Jugend  war  keine  freundliche.
  Das  rauschende  Leben  am  Hofe  mißfiel  ihm,  darum  zog  er  sich  gern
zurück.  Sein  Erzieher  war  oft  kränklich  und  verstimmt  und  schüchterte  ihn
durch  seine  Strenge  ein.  Lebenslang  ist  er  über  eine  gewisse  Schüchternheit
und  Unentschlossenheit  nicht  Herr  geworden.  Einige  schöne  Züge  werden  aus
seiner  Jugend  erzählt.  Er  aß  gern  Kirschen.  Als  ihm  einst  im  Januar