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Dunkers Erklärung lautete dahin, daß durch ihn weder direkt
noch indirekt jemand in die Möglichkeit versetzt worden sei,
von dem Inhalt der Briefe Gebrauch zu machen, und daß er
ohne jede Kenntnis darüber sei, wie die Veröffentlichungen zu
stande gekommen.“)
Baden-Baden, den 23. August 1863.
Unterredung mit dem Prinzen Kraft zu
Hohenlohe —Ingelfingen, betreffend den Be-
such des Frankfurter Fürstentags durch den
König von Preußen.““)
Morgens sandte der König den Prinzen Kraft zu Hohen-
lohe uum 9 Uhr zu Bismarck mit einer Bestellung. Prinz
Hohenlohe fand den Minister noch im Bett. Als er sich er-
schreckt erkundigte, ob Bismarck krank sei, rieb er sich den Kopf
und sagte: „Nein, krank bin ich nicht, aber der Kopf brummt
*) Nach Memor (Duc de Gramont) I“ Allemagne nou-
velle Paris 1879, S. 16 — nebenbei bemerkt, eine trübe Quelle
— beschwerte sich Bismarck in Karlsbad zwischen dem 24. Juni
und 14. Juli 1863 über die Fehlerhaftigkeit des preußischen
Wahlsystems. Die Wählerschaft repräsentiere einen zu kleinen
Bruchteil der Bevölkerung. An Stelle von Bürgern ergebe die
Wahl nichts als Professoren und halsstarrige Pedanten. Es
wäre absolut notwendig, den Kreis der Wähler zu vergrößern,
um ein: Kammer zu erhalten, die nationaler, weniger diploma-
tisch uund weniger feindlich gegen die legitimen Vorrechte der
Monarchie gesinnt sei. — Im Sommer 1863 waren Roon so-
wohl wie Bismarck des Königs noch keineswegs sicher. In einem
Briefe des ersteren an Bismarck vom August 1863 erinnerte
er den letzteren an ein Gespräch, wonach beide sich bei Berchtes-
gaden einen Bauernhof kaufen und dahin zurückziehen wollten.
Romn hielt sich damals in Berchtesgaden auf.
*?) Nach den Erinnerungen des Prinzen Hohenlohe an
Wilhelm I. aus den Jahren 1862 und 1863.