Full text : Also sprach Bismarck. Band II. 1870 - 1888. (2)

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habe.  Als  ich  Bodelschwingh  auf  das  Unwahre  seiner  Mit—
teilung  aufmerksam  machte,  wurde  er  förmlich  böse,  blieb  bei
seiner  lügenhaften  Behauptung,  daß  Kleist  in  Berlin  sei,  und
rief,  es  sei  doch  zu  arg,  daß  ihm  gar  nicht  mehr  geglaubt
würde.  Roon  aber  stieß  mich  unter  dem  Tisch  an  und  flüsterte
mir  zu:  „Es  ist  nicht  recht  von  Ihnen,  einen  Menschen  auf
seinem  besten  Hühnerauge  herumzutreten!“  Die  konser—
vativen  Fraktionen  haben  Unglück,  daß  sie  solche  Mitglieder
haben,  denn  so  wie  Bodelschwingh  ist  z.  B.  auch  Glaser  im
Abgeordnetenhause,  der  als  unfähiger  Beamter  erkannt  worden
ist,  darum  nicht  mehr  verwandt  wird  und  nun  alles  tut,  um  der
Regierung  Verlegenheiten  zu  bereiten.“

Diest:  „Ich  komme  wieder  auf  meine  Mission  zu  Ihnen  zu
sprechen  und  muß  Ihnen  doch  sagen,  daß  Ihre  Worte  im
Herrenhause  der  größten  Zahl  der  Konservativen  um  so  unerwarteter
  gekommen  sind,  als  wir  bisher  geglaubt  haben,  mit
Ihnen  in  Fühlung  geblieben  zu  sein;  wir  hatten  als  stetige
Vertreter  Ihnen  gegenüber  bis  zur  Mitte  vorigen  Jahres  den
seligen  Eberhard  Stolberg,  ferner  den  Geh.  Rat  Wagener,
dessen  traurige  Angelegenheit')  freilich  jetzt  —“

Bismarck:  „Traurig?"  weshalb  traurig?“

Diest:  „Nun  traurig  auf  jeden  Fall,  er  mag  nun  schuldig
oder  unschuldig  sein;  wir  glauben  alle  mehr  an  seine  Schuld,
und  jedenfalls  kann  er  jetzt  nicht  länger  die  konservative  Sache
bei  Ihnen  vertreten.“

Bismarck:  „Wagener  ist  ein  armer,  von  der  Regierung
aufs  schmählichste  verlassener  Mann,  —  ein  Mann,  dessen
Taten  ich  nicht  alle  vertreten  will,  der  aber  höchstens  das  getan
hat,  was  Hunderte  und  Aberhunderte  in  allen  Ehren  stehende
Männer  auch  getan  haben  —,  Wagener  hat  kein  Vermögen,
ein  Nest  von  Kindern,  drei  Söhne  in  der  Armee  zu  unter-*)

  Der  Abgeordnete  Lasker  hatte  den  Wirklichen  Geheimen.
Oberregierungsrat  Wagener  wegen  gewisser  Eisenbahnspekulationen
im  Abgeordnetenhause  lebhaft  angegriffen.