Full text : Also sprach Bismarck. Band III. 1888 - 1898. (3)

—  260  —

Zu  einem  Herrn  aus  Kassel  bemerkte  Bismarck:  „In
Rassel  war  ich  als  fünfjähriges  Kind  auf  meiner  ersten
größeren  Reise.  Wilhelmshöhe  und  seine  Wasserfälle  blieben
so  stark  in  meinem  Gedächtnisse  haften,  daß  ich  noch  oft
lange  nachher  davon  träumte,  bis  ich  als  Student  von
Göttingen  wieder  hinkam  und  den  Traum  der  Kindheit  vor
meinen  Augen  erfüllt  sah.  Nun  aber  muß  ich  nach  Hause.
Meine  Frau  wartet  mit  dem  Frühstück.“

Friedrichsruh,  1.  April  1894.

Gespräche  und  Ansprachen  im  Laufe  der  Geburtstagsfeier.“


Als  Bismarck  nach  einer  gut  zugebrachten  Nacht  die  Geburtstagstische
  musterte  und  die  Kibitzeier  sah,  fragte  er
lächelnd:  „Hat  die  der  Konditor  gelegt  oder  der  Vogel?“
Die  mächtige  Flasche  aus  Herrmannstadt  war  ihm  als  Feldund
  Jagdfläsche  doch  zu  groß.  Die  Blumen  entlockten  ihm
die  Worte:  „Herrlich  schön.  Wenn  ich  doch  auch  einen
Blumengarten  hätte.  Aber  noch  konnte  ich  mir  keinen  anlegen
  in  Friedrichsruh.  Na,  und  nun  bin  ich  zu  alt  dazu.“
Der  Hamburger  Kunstgärtner  Senderhelm,  der  die  Blumen-Gruppe
  in  dem  Frühstückssaal  gestellt  hat  und  die  letzte  Bemerkung
  hörte,  meinte:  „Die  freie,  ungekünstelte  Natur  ist
ja  auch  schön  !“  „Gewiß“,  sagte  Bismarck.  Bei  Besichtigung
der  ihm  von  der  Gräfin  Henckel-Donnersmarck  geschenkten
Fuchsstute  meinte  er,  daß  sie  gut  unter  dem  Sattel  gehen
würde.

Um  11  Uhr  brachte  die  Jägerkapelle  von  Ratzeburg  ein
Ständchen.  Bismarck  erschien  bald  im  Kreise  seiner  Familie
und  Gäste  auf  der  Terrasse,  mit  stürmischen  Hochs  der  auf
der  Wiese  versammelten  Tausende  begrüßt.  Er  zog  den

*)  „Berliner  Neueste  Nachr.“  Nr.  164  vom  2.  April  1893.