Volltext : Also sprach Bismarck. Band III. 1888 - 1898. (3)

—  307  —

der  auswärtigen  Politik  einzugreifen,  Napoleon  l.
Briefwechsel,  Charakterisierung  der  englischen  Politik,
  der  Türken  und  Griechen,  die  russische  Reise
Kaiser  Wilhelm  II.,  die  Kompliziertheit  der  Politik,
das  Briefgeheimnis  der  Post,  die  Trefflichkeit  der
deutschen  Soldaten  im  Kriege  von  1870.“

Bismarck:  „Der  Gesichtsschmerz  macht  mir  viel  zu  schaffen,
und  erschwert  mir  das  Anrauchen  der  Pfeife.  Wem  das
Ding  einmal  brennt,  geht  es  ja,  aber  das  Anrauchen,  wobei
ich  stärker  ziehen  muß,  löst  mir  regelmäßig  den  Gesichtsschmerz
aus.  Mein  Schwiegersohn  und  meine  Enkel  helfen  mir  in
der  Regel  aus;  jetzt  sind  sie  nicht  da,  und  da  ist  meine  schöne
Nachbarin,  Frau  Baronin  Merck,  so  liebenswürdig.“

Bei  Besprechung  der  Tagespolitik  (Zusammenhang  mit
der  Kongo-Angelegenheit?)  „Es  tut  mir  ja  leid,  wenn  wir
irgendwo  schlecht  abschneiden.  Aendern  kann  ich  es  ja  doch
nicht,  und  jedenfalls  ist  mir  der  Gedanke,  keine  Verantwortlichkeit
  zu  tragen,  sehr  oft  angenehm,  wenn  ich  dieses  oder
jenes  lese.  Ratschläge  zu  geben,  selbst  wenn  sie  von  mir
erbeten  würden,  wäre  mir  unmöglich,  da  ich  deren  Ausführung
  amtlich  nicht  überwachen  könnte.  Politik  ist  weniger
Wissenschaft  als  Kunst,  sie  läßt  sich  nicht  lehren,  man  muß
dafür  begabt  sein.  Der  beste  Rat  nützt  nichts,  wenn  er  nicht
in  der  richtigen  Weise  und  je  nach  den  Umständen  ausgeführt

*)  „Neue  Freie  Presse“,  Korrespondenz  vom  11.  August
1897.  Penzler  a.  a.  O.,  Bd.  VII,  S.  347.  Der  „Nord-Ostsee-Zeitung“
  (Nr.  370  vom  10.  August  1897)  wurde  aus  Friedrichsruh
  am  9.  August  geschrieben:  Bismarck  hat  jetzt  ein  neues
Material,  auf  den  er  den  Besuchern  Autogramme  niederschreibt.
Dieser  Tage  war  ein  Arzt  aus  St.  Louis  (Amerika)  in  Friedrichsruh,
  der  nach  beendeter  Audienz  ebenfalls  um  ein  Andenken  von
Bismarcks  eigener  Hand  bat.  Er  zog  eine  Visitenkarte  aus  der
Tasche  und  schrieb  auf  die  Rückseite:  „Zur  Erinnerung  an  den

5.  August  1897.  Bismarck.“  Die  Karte  ist  aus  Eichenholz,  das
aus  dem  Sachsenwalde  stammt,  angefertigt.

20“