Metadata : Geschichte der königlich Preußischen Armee. Band IV. (4)

wurde  der  Mangel  durch  das  Eintreffen  englischer,  gebrauchter
österreichischer  und  von  den  Russen  erbeuteter  französischer  Gewehre
behoben.  Auch  die  Bewaffnung  der  ganzen  Landwehrkavallerie
mit  Piken  war  neben  dem  allgemeinen  Enthusiasmus  für  die
Kosacken  136)  hauptsächlich  eine  Folge  des  Mangels  an  Säbeln  und
Feuerwaffen.  Das  an  der  Schirmmütze  getragene  Landwehrkreuz
von  weißem  Blech  zeigte  die  vom  Könige  gewählte  Inschrift:  „Mit
Gott  für  König  und  Vaterland"“  37).  Jeder  Landwehrmann
hatte  sich  selbst  zu  kleiden,  nur  für  Mäntel  sollten  die  Kreise  sorgen.
Die  Lithewsken  waren  von  blauem,  schwarzem  oder  grauem  Tuch  mit
Kragen  in  der  Provinzialfarbeiss).

Die  Einteilung  in  Brigaden  von  meist  4  Bataillonen  und  3  bis
4  Schwadronen  entsprach  dem  ostpreußischen  Vorbilde.  Ostpreußen
stellte  mit  Westpreußen  rechts  der  Weichsel  deren  5,  Westpreußen
links  der  Weichsel  3,  Pommern  ohne  die  Kreise  Anklam,  Demmin
und  den  links  der  Oder  gelegenen  Teil  des  Kreises  Randow  3,  die
Kurmark  nebst  den  drei  vorpommerschen  Kreisen  7,  die  Neumark  3,
Schlesien  17.  Diese  Formation  wurde  jedoch,  wie  wir  sehen  werden,
während  des  Waffenstillstandes  abgeändert,  die  Landwehr  zum
großen  Teil  in  die  Brigaden  der  Armeekorps  eingegliedert,  die
Kavallerie  von  der  Infanterie  getrennt.  Auch  die  Ernennung  von
Divisionären  der  Landwehr,  deren  zwei  für  Ostpreußen,  je  einer  für
Westpreußen,  Pommern  und  die  Neumark,  zwei  für  die  Kurmark,
fünf  für  Schlesien  bestimmt  wurden,  erlangte  geringe  praktische
Bedeutung,  da  diese  Landwehrdivisionen  bis  auf  wenige,  wie  die  ostpreußische
  des  Majors  Grafen  Ludwig  Dohna  vor  Danzig  und  die
kurmärkische  des  Generals  v.  Hirschfeld,  des  Siegers  von  Hagelberg,
nicht  zu  geschlossener  Verwendung  gekommen  sind.

Vor  den  Festungen  Stettin  und  Glogau  fanden  mehrere  Detachements
  pommerscher  und  schlesischer  Förster  und  Jäger  Verwendung,
  namentlich  vor  Glogau  das  hauptsächlich  aus  schlesischen
Forstbedienten  bestehende  Jägerbataillon  des  Majors  (Forstmeisters)
v.  Rochow.

Dem  Landsturm  hatte  die  königliche  Verordnung  vom  17.  März
alle  nicht  zur  Landwehr  eingezogenen  wehrfähigen  Männer  über-126)

  Die  1.  Eskadrons  der  beiden  Neumärkischen  Landwehrkavallerieregimenter,
  fast  lauter  Freiwillige,  waren  nach  Kosackenart  gekleidet,  ebenso  die  4.  Eskadron
  des  2.  Pommerschen  Regiments.

137)  Die  Ostpreußische  Landwehr  trug  ein  Kreuz  von  Messing  in  der  christlichen
Form,  nicht  in  der  des  Eisernen  Kreuzes.  Das  Vorbild  hatten  die  russischen  „Druschinen“
  der  Armeeabteilung  Wittgensteins  gegeben,  die  damals  zur  Belagerung
von  Danzig  durch  die  Provinz  zogen.

128)  Ostpreußen  rot  (nicht  hellziegelrot  wie  die  Ostpreußischen  Infanterieregimenter)
  mit  weißen  Knöpfen,  Westpreußen  schwarz  mit  weißen  Knöpfen,
Pommern  weiß  mit  gelben  Knöpfen,  Kurmark  und  Neumark  rot  mit  gelben
Knöpfen,  Schlesien  gelb  mit  weißen  Knöpfen.