294 Die Entscheidungsschlacht bei Königgrätz.
Gablenz mit den Überresten des X. Korps, das bei Trautenau wohl ein Drittel
seiner Leute verloren hatte und von welchem Benedek drei Tage später erklärte,
daß es in der Auflösung begriffen sei. An Gablenz schloß sich Graf
Thun mit dem II. Armeekorps und hieran das IV. unter Festetics; Erzherzog
Ernst mit dem III. Armeekorps, der die Höhen von Chlum besetzt hielt,
schloß westlich von Smiritz die Linie. Hier auf dem rechten Flügel befand
sich die vielgenannte „schwarzgelbe Brigade“, von der Kragenfarbe der beiden
Regimenter „Großherzog von Hessen“ und „König von Belgien“ also genannt.
Alle diese Kerntruppen hielten die der Bistritz zunächst gelegenen Hügelketten,
sowpie Dorf und Wald besetzt. Durch Aufstellung des IV. und des
II. Korps ward später die Linie bis zur Trotinka verlängert. Hinter den
äußersten Hügelreihen, nach dem Mittelpunkt der Stellung zu, waren als
Hauptreserve die Korps aufgestellt, welche in den Kämpfen der letzten Tage
schwere Verluste erlitten hatten: das bisher von Erzherzog Leopold geführte,
welches bei Skalitz und Nachod vergebens gegen die eisernen Reihen des alten
Steinmetz geschleudert wurde und das jetzt General Graf Grünne befehligte,
sodann das an demselben Schlachttage dezimierte VI. Korps unter Ramming,
endlich das I. Korps, welches bei Gitschin das Geschick der Sachsen teilte.
Zwischen diesen Heersäulen wogten unten im Thalkessel gewaltige Reitermassen,
vor allen die Husaren Ungarns, die Ulanen Galiziens und der Bukowina
auf und nieder. Ihre weiß, grün und rot verzierten Kopfbedeckungen,
ihre buntfarbigen Attilas und grünen Ulankas stachen gar kleidsam ab gegen
die weißen Waffenröcke und schweren Helme der Kürassiere. Alle harren des
Augenblicks, da man ihrer begehren wird.
Friedliche Dörfer umsäumen die sich weithin erstreckenden Hügelreihen,
zu deren Scheitel dichtes Gehölz emporsteigt, oder deren Kuppen dunkler
Wald krönt. Einige der vorliegenden Ortschaften, Benatekl, Sadowa, Lipa,
Dohalitz u. a., starren von Truppenmassen; den Angriff verwehren hier Verhaue
und andre natürliche oder künstlich geschaffene Hindernisse; dem Erklimmen
der Terrassen der Höhen setzen jene hunderte von Kanonen, in
Batterien verteilt, außerordentliche Schwierigkeiten entgegen. Zwischen den
genannten Dörfern laufen die Abdachungen der Hügelreihen in einen Thalkessel
aus, der unterhalb Nechanitz, wo die Sachsen stehen, in die Straße nach
Prag mündet. Innerhalb dieses bald wellenförmigen, bald aufsteigenden,
bald niederfallenden Terrains befindet sich das vom Gegner trefflich gewählte
Hauptschlachtfeld von Sadowa.
Gegen die Zweckmäßigkeit der von Benedek getroffenen Vorkehrungen
war kaum etwas einzuwenden, nur daß man fir den rechten Flügel ungenügend
gesorgt hatte, der beim Anmarsch der schlesischen Armee zunächst
bedroht war. Die von dorther nahende Gefahr erkannte Benedek nicht, oder
er unterschätzte dieselbe. Jedenfalls war sich Benedek der Schwere seiner
Aufgabe vollständig bewußt, und er achtete den Gegner, mit welchem auf
Leben und Tod zu ringen er im Begriff stand, durchaus nicht gering. Seine
noch in den letzten Tagen ausgesprochenen Bedenken und Mahnungen waren
aber in Wien an tauben Ohren verhallt.