Full text : Spittler’s sämmtliche Werke. Dritter Band. (3)

8  Zehntes  Buch.  Erstes  Capitel.

Höfe  zu  halten,  doch  ohne  ihn  noch  schlechthin  zu  binden  1);  am
22.  August,  nicht  nur  nichts  ohne  Theilnahme  des  Marschalls  zu
thun,  sondern  in  allen  Stücken  mit  ihm  im  Einverständniß  zu  handeln,
  wobei  jedoch  die  Verbindlichkeit,  in  Len  wichtigsten  Dingen  anzufragen,
  wenigstens  nicht  zurückgenommen  wurde;  endlich  am  26.  September,
  auch  zur  Hauptsache  zu  schreiten,  ohne  eine  weitere  Rückfrage
zu  thun  oder  eine  andere  Instruction  zu  gewärtigen.

Es  war  die  zweite  dieser  Weisungen,  welche  dem  Kurfürsten  von
Mainz  mitgetheilt  wurde  und  seine  Entscheidung  bewirkte.  Durch
seinen  Neffen  that  er  hierauf  dem  Marschall  Belleisle  zu  wissen,  daß
er  sich  den  nunmehr  gewonnenen  vier  Stimmen  anzuschließen  gedenke.
Er  machte  nur  die  einzige  Bedingung,  daß  der  König  seine  Meinung
nicht  ändere;  —  was  nach  dem  Schreiben  vom  6.  nicht  mehr  zu
fürchten  stand.

Die  Bildung  der  Mehrheit  aber,  verbunden  mit  zutreffenden
Kriegsereignissen,  hatte  nun,  wie  in  früheren  Zeiten  so  oft,  die  Wirkung,
  auch  die  Unentschiedenen  zu  einem  Beschluß  zu  bringen.

Auf  Georg  II.  wirkte  zugleich  die  Annäherung  französischer
Truppen  und  die  Mahnung  von  Preußen  und  Mainz.  Schon  am
14.  September  schrieb  er  eigenhändig  dem  Kurfürsten  von  Baiern,
daß  er  dem  Wunsche  desselben  nicht  länger  entgegen  sein  wolle.
Dieser  ersuchte  hierauf  die  Franzosen,  sich  aller  Feindseligkeiten  zu
enthalten,  die  in  Deuschland  nur  einen  schlechten  Eindruck  machen
würden.  Und  da  nach  manchem  Schwanken  jetzt  auch  Sachsen  seinen
Widerspruch  aufgab,  von  Trier  ein  solcher  ohnehin  nicht  zu  besorgen
war,  so  konnte  man  zu  den  Wahlhandlungen  fortgehen.

Am  4.  November  ward  die  erste,  zwar  nur  vorläufige,  aber
schon  für  die  Hauptsache  überaus  gewichtige  Frage  zur  Abstimmung
gebracht:  ob  die  böhmische  Kurstimme  für  diesmal  zugelassen  werden
solle.  Sechs  Stimmen  waren  dagegen,  die  beiden  andern  erklärten,
daß  sie  der  Mehrheit  für  diesen  Fall  ihren  Lauf  lassen  wollten,  so
daß  die  Ausschließung  derselben  beschlossen  war  2).  Der  böhmische  Gesandte
  mußte  das  von  ihm  bereits  eingenommene  Quartier  wieder
räumen.

1)  Sein  Grund  ist:  Comme  la  cour  de  Vienne  refuse  opiniätrément
de  me  rendre  justice  sur  mes  droits  incontestables  sur  la  Silésie  etc.

2)  Erste  förmliche  Präliminarconferenz,  bei  Olenschlager  Geschichte  des
Interregni  IV.  208:  Conclusum,  „daß  die  böhmische  Wahlstimme  für  dermaln
und  ohne  künftige  Consequenz  zu  ruhen  hätte“.