Full text : Medizinal-Statistische Mittheilungen aus dem Kaiserlichen Gesundheitsamte. Erster Band. (1)

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In  Sachsen  und  Württemberg  ist  unter  2000  Krankheitsfällen  höchstens  ein  Fall
von  Wechselfieber  jährlich  vorgekonimen,  auch  in  Baden  und  Hessen  war  es  selten.
Als  Todesursache  ist  das  Wechselfieber  37  Mal  genannt.  (Letalität  =  0,66½.)

Die  Ruhr  war  bei  785  männlichen  und  337  weiblichen  (in  Abgang  gekommenen)
Personen  Gegenstand  der  Krankenhausbehandlung  und  sind  davon  152  (13,5%)  dieser
Krankheit  erlegen.  Am  häufigsten  sind  Ruhrfälle  in  Schlesien  (247),  Berlin  (182)  und
Posen  (128)  vorgekommen,  und  zwar  die  meisten,  wie  auch  in  Westpreußen,  Westfalen,
Rheinprovinz  und  Elsaß-Lothringen,  in  dem  durch  hohe  Kindersterblichkeit  und  einen
heißen  Sommer  ausgezeichneten  Fahre  1886.  In  Bayern  und  Württemberg  war
der  Zugang  an  Ruhrfällen  am  stärksten  im  Jahre  1887,  im  Königreich  Sachsen  und
in  Ostpreußen  im  Jahre  1888.

Von  „asiatischer  Cholera“  ist  je  ein  vereingelter  Fall  1886  aus  einem  schlesischen
Krankenhause,  1887  aus  einer  Heilanstalt  Württembergs  gemeldet,  von  denen  ersterer
tödtlich  endete.

Brechdurchfall  und  Kinderdiarrhöe  sind  2  einander  so  nahe  stehende  Krankheiten,
daß  ihre  Zusammenfassung  sich  rechtfertigen  läszt.  In  den  Krankenhäusern  mehrerer
Staaten,  z.  B.  denjenigen  Lübecks,  sind  diese  Krankheiten  garnicht  vorgekommen,  in
denen  Oldenburgs  sind  während  der  3  Jahre  nur  2,  in  denen  von  Mecklenburg-Strelitz
3  Fälle  in  Zugang  gestellt.  Im  Ganzen  sind  in  den  Krankenhäusern  2122  Fälle  von
Brechdurchfall  und  2091  von  Kinderdiarrhöe  abgelaufen,  von  denen  592  bezw.  899
tödtlich  endeten.  Die  hohe  Sterblichkeitsziffer  beim  Brechdurchfall  (28%⅝%)  läßt  vermuthen,
  daß  auch  an  diesem  Leiden  weniger  Erwachsene  als  Kinder  behandelt  worden  sind.

In  dem  durchweg  durch  eine  hohe  Kindersterblichkeit  ausgezeichneten  Jahre  1886
gingen  die  meisten  Fälle  von  Brechdurchfall  (844)  zu,  in  den  beiden  folgenden
Jahren  nur  737  und  532;  etwa  ½  aller  Erkrankungen  entfiel  auf  das  männliche  Geschlecht.
  Hauptsächlich  kam  der  Brechdurchfall  in  den  Krankenhäusern  Berlins  (576
Fälle),  Schlesiens  (331),  Bayerns  (356),  Württembergs  (125)  zur  Behandlung,  und
zwar  auscheinend  in  verschiedener  Form  bezw.  bei  verschiedenen  Altersklassen.  Während
nämlich  in  Berlin  406  Kranke,  d.  i.  69%  derselben,  dem  Leiden  erlagen,  haben  in
Bayern,  Mürttemberg  und  Schlesien  nur  31,  13  und  11,  d.  h.  3  bis  10  %  der  abgelaufenen
  Fälle  tödtlich  geendet.

Diarrhöe  der  Kinder  kam  im  Jahre  1886  Fwar  etwas  seltener  als  1888  zur  Behandlung,
  doch  entfielen  die  meisten  Todesfälle  (319)  auf  das  erstere  Jahr.  Von  den
2091  abgelaufenen  Fällen  waren  1194  bei  Kindern  männlichen  Geschlechts  beobachtet.
In  Württemberg  sind  nur  2,  in  Bayern  19  Fälle  in  Zugang  gestellt;  in  einigen  Staaten,
z.  B.  in  Sachsen-Weimar,  Sachsen-Meiningen,  Sachsen-Altenburg,  Sachsen-Koburg-Gotha
  und  Bremen  ist  die  Krankheit  garnicht  in  den  Krankenhäusern  vorgekommen.
Mehr  als  80%  aller  Erkrankungen  und  ca.  76%  der  Todesfälle  entfielen  auf  das
Königreich  Preußen,  und  hier  wiederum  die  meisten  —  706  Erkrankungen  und  366
Todesfälle  —  auf  die  Stadt  Berlin.

Das  Katarrhfieber  oder  die  (nicht  epidemische)  Grippe  ist  4032  Mal  zur  Behandlung
  gekommen  und  zwar  von  Jahr  zu  Jahr  in  zunehmender  Häufigkeit.  Im
Ganzen  litten  von  je  1000  Kranken  2),16  an  dieser  Krankheit,  zum  Tode  führte  sie  in
10  vereinzelten  Fällen.  Am  häufigsten  (bei  fast  10%  der  Kranken)  war  „Katarrhfieber“
  in  den  Krankenhäusern  der  Mark  Brandenburg  eingetragen.

Verbreiteter  als  das  Katarrhfieber  war  nach  den  vorliegenden  Ausweisen  das
rheumatische  Fieber,  mit  welchem  Namen  wohl  hauptsächlich  fieberhafte  Erkrankungen
an  Muskelrheumatismus  bezeichnet  worden  sind.  Bei  9126  in  Zugang  gekommenen