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gemeinen schaͤdlichen Ursachen und Anlaͤssen
im Lande selbst, sondern immer nur durch
Ansteckung oder Mittheilung von fremdem
weit hergetriebenen abgematteten Viehe,
besonders aus dem Osten von Europa, das-
selbe mag schon wirklich krank seyn, oder
auch den Ansteckungsstoff nur verborgen mit
sich fuͤhren. Dieser Ansteckungsstoff kann
durch die urmittelbare Berührung bei dem
Zusammenstellen der ausländischen Viches mit
andern Hornvieh in gemeinsamen Ställen,
auf Weiden, an Tränken u. s.# w. oder mit-
telbar durch andere Thiere und durch Men-
schen, ohne daß diese für sich selbst etwas
zu fürchten haben, durch leblese Gegen-
stände, welche diesen Steff leicht auffassen,
endlich durch Theile, Abfdlle und Rema-
nenzen des kranken oder infizicten Hornvie"
hes, als Fleisch, Hörner, Haare, Häute,
Klauen, Eingeweide 2c., besonders durch dese
sen Geifer, Blutk, Haare, Mist 2c. weiter
verbreitet werden. Der kleinste Theil dieses
in den vorbenannten Gegenstoanden enthalte-
nen, oder denselben anklebenden Ansteckungs-
Stefses dem Nindviehe mitgetheilt, ist im
Stande, immer wieder die Rindvieh, Pest
mit ihren charakteristischen Kennzeichen, und
die Erzeugung eines neuen Ansteckungs-Stof-
fes durch diese Krankheit hervorzubringen.
§. 3. Gewehnlich erkranken nach gesche-
hener Mittheilung des Ansteckungs= Stoff-s
nur einige wenige Stücke eines Stalles,
oder einer Heerde, zuwellen nur ein einziges:
nach 7 bie 10 Tagen mehrere, und nach ei-
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nem weitern solchen Zeitraume noch mehrere,
oder auch alles, was der Ansteckung ausge-
setzt war. Häusig verbreitet sich die Anste-
ckung auf die den kranken zunächst stehenden
gesunden Stücke, und zwar in dem anzege-
benen Termine.
I. 4. Die Rindvieh Pest ergreift jedes
Alter und Geschlecht des Hornviehes, ver-
schonet keine Konstituzion, herrscht zu allen
Jahres= Zeiten und Witterungs Beschaffen-
heiten, und tödtet weit öfter, als dieses bei-
andern Seuchen der Fall ist. Diejenigen
Stücke, welche die Rindvieh-Pest einmal
überstanden haben, d. i. am Leben geblieben
sind, haben von dieser Krankbeit welter
nichts mehr zu befürchten, selbst wenn sie
mitten unter seuchende und sterbende This-
re kommen.
I. 5. Die Krankheit hat, wenn sie e#-
dentlich verläuft, und nicht zu schnelle r##d-
tet, elgenrhümliche Zufälle und Zeichen,
sowohl bei dem Leben des Thieres als nach
bessen Tode.
. 6. Die Zufälle im beben theilen sich
in diesenigen, welche dem eigentlichen Aus:-
bruche der Krankheit vorangehen, und in
diejenigen, welche dieser selbst eigen sind.
Die dem Ausbruche dieser Krankheit vor-
angehenden Zeichen sind:
Eine ungewöhnliche Trägheic, welche bei
Anlässen oft in Widerspenstigkeit, und Aeus-
serungen von Muth übergeht. Die Eßlust ist
unbeständig: bald wird ein Futter hastig