Full text : Gesetz- und Verordnungs-Blatt für das Königreich Bayern. 1888. (15)

26.  151

16.  Das  Gespinnst  oder  Gewebe  ist  in  kleine  Stücke  zu  zerschneiden,  welche  in  eine
tubulirte  Retorte  aus  Kaliglas  von  etwa  400  cem  Inhalt  zu  bringen  und  mit  100  ccm
reiner  Salzsäure  von  1,0°  spez.  Gewicht  zu  übergießen  sind.  Der  Hals  der  Retorte  sei
ausgezogen  und  in  stumpfem  Winkel  gebogen.  Man  stellt  dieselbe  so,  daß  der  an  den
Bauch  stoßende  Theil  des  Halses  schief  aufwärts,  der  andere  Theil  etwas  schräg  abwärts
gerichtet  ist.  Letzteren  schiebt  man  in  die  Kühlröhre  eines  Liebig'schen  Kühlapparates  und
schließt  die  Berührungsstelle  mit  einem  Stücke  Kautschuckschlauch.  Die  Kühlröhre  führt  man
luftdicht  in  eine  tubulirte  Vorlage  von  etwa  500  ccm  Juhalt.  Die  Vorlage  wird  mit
etwa  200  ccm  Wasser  beschickt  und,  um  sie  abzukühlen,  in  eine  mit  kaltem  Wasser  gefüllte
Schale  eingetaucht.  Den  Tubus  der  Vorlage  verbindet  man  in  geeigneter  Weise  mit  einer
mit  Wasser  beschickten  Péligot'schen  Nöhre.

17.  Nach  Ablauf  von  etwa  einer  Stunde  bringt  man  5  ccm  einer  aus  Krystallen
bereiteten  kaltgesättigten  Lösung  von  arsenfreiem  Eisenchlorür  in  die  Retorte  und  erhitzt
deren  Inhalt.  Nachdem  der  überschüssige  Chlorwasserstoff  entwichen,  steigert  man  die  Temperatur,
  so  daß  die  Flüssigkeit  ins  Kochen  kommt  und  destillirt,  bis  der  Inhalt  stärker  zu
steigen  beginnt.  Man  läßt  jetzt  erkalten,  bringt  nochmals  50  ccm  der  Salzsäure  von
10°  spez.  Gewicht  in  die  Retorte  und  destillirt  in  gleicher  Weise  ab.

18.  Die  durch  organische  Substanzen  braun  gefärbte  Flüssigkeit  in  der  Vorlage
vereinigt  man  mit  dem  Inhalt  der  Péligot'schen  Röhre,  verdünnt  mit  destillirtem  Wasser
etwa  auf  600  bis  700  cocm  und  leitet,  aufangs  unter  Erwärmen,  dann  in  der  Kälte,
reines  Schwefelwasserstoffgas  ein.

19.  Nach  12  Stunden  filtrirt  man  den  braunen  zum  Theil  oder  ganz  aus  orgauischen
  Substanzen  bestehenden  Niederschlag  auf  einem  Asbestfilter  ab,  welches  man  durch
entsprechendes  Einlegen  von  Asbest  in  einen  Trichter,  dessen  Röhre  mit  einem  Glashahn
versehen  ist,  hergestellt  hat.  Nach  kurzem  Auswaschen  des  Niederschlags  schließt  man  den
Hahn  und  behandelt  den  Niederschlag  in  dem  Trichter  unter  Bedecken  mit  einer  Glasplatte
oder  einem  Uhrglas  mit  winigen  cem  Bromsalzsäure,  welche  durch  Auflösen  von  Brom  in
Salzsäure  von  1/5°  spez  Gewicht  hergestellt  worden  ist.  Nach  etwa  halbstündiger  Einwirkung
  läßt  man  die  Lösung  durch  Oeffnen  des  Hahns  in  den  Fällungskolben  abfließen,
an  dessen  Wänden  häufig  noch  geringe  Antheile  des  Schwefelwasserstoff-Niederschlages  haften.
Den  Räückstand  auf  dem  Asbestfilter  wäscht  man  mit  Salzsäure  von  1/09  spez.  Gewicht  aus.

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