268 Bayern unter Maximilian I.
und Freiburg in seine Gewalt kamen. Jetzt konnte er die
Einschließung Breisachs beginnen, der Hauptfestung im südwestlichen
Deutschland, des Schlüssels zum ganzen Elsaß und den
vorderen Besitzungen Oesterreichs. Trotz der heldenmüthigen Vertheidigung
des kaiserlichen Kommandanten, General-Feldzeugmeisters
von Reinach, trotz des dreimal versuchten Entsatzes unter dem
an Werths Stelle getretenen Feldmarschall Götz“) und krotz der
beispiellosen Ausdauer der kaiserlichen Besatzung in der furchtbarsten
Hungersnoth (in welcher eine Ratte für einen Gulden, ein Ei
für einen Thaler, das Viertel eines getödteten Hundes für sieben
Gulden verkauft wurde) fiel auch Breisach am 13. Dezember
1638 nach einer viermonatlichen Belagerung in Bernhards Hände.
An die Stelle des Feldmarschalls Götz kamen nun als Oberbefehlshaber
der bayerischen Armee, die schnell wieder ergänzt war,
der bisherige kölnische General Hugo von Geleen und Franz
von Mercy. Für Breisachs Verlust war es nur schwacher Ersatz,
daß der von dem kurpfälzischen Kronprinzen Karl Ludwig
und seinem Bruder, dem Pfalzgrafen Rupert, durch englische
Unterstützung gemachte Versuch, mit Heeresmacht im nördlichen
Deutschland für ihre Rechte aufzutreten, durch die Niederlagen bei
Meppen im Arenberg'schen (3. Mai), bei Rheinen im Münsterschen
(14. September) und bei Vlothow im Mindensschen
(16. September 1638) von der Hatzfeld'schen Heeresmacht
unterdrückt, Pfalzgraf Rupert selbst gefangen und erst nach drei
Jahren auf Ehrenwort aus der Haft in Wien entlassen wurde.
Bernhard von Weimar entriß nach der Einnahme Breisachs
den Spaniern die Franche Comts und gedachte seinen nächsten
Feldzug noch einmal gegen sein deutsches Vaterland zu richten.
Bei Neuburg, wo er über den Rhein gehen wollte, ward er
plötzlich krank und starb nach vier Tagen am 18. Juli 1639.
Die deutsche Reichsfestung Breisach, die er mit deutschen Regimentern
unter dem Schweizer Erlach besetzt hatte, damit sie den
ihm wortbrüchigen Franzosen nicht zufiele, gewann Richelien durch
Bestechung Erlachs, der seinen Kommandostab in die Hände des
Herzogs von Longueville niederlegte. Der küurpfilzische
Kronprinz Karl Ludwig, der mit englischem Gelde die Truppen
zosen nach Paris geschickt und erst nach vier Jahren (1642) gegen den in
der Nördlingerschlacht gefangenen und acht Jahre in Burghausen verwahrten
Gustav Horn ausgewechselt.
*) Feldmarschall Götz wurde trotz seines erwiesenen Heldenmuthes nach
dem Falle Breisachs nach Ingolstadt in Haft gebracht und vor ein
Kriegsgericht gestellt. Nachdem er von diesem unschuldig befunden worden,
erhielt er nach zweijähriger Haft seine Freiheit wieder.