Full text : König Albert von Sachsen von Johann Georg, Herzog zu Sachsen.

328  Letzte  Jahre,  Krankheit  und  Tod  (18941—1902).

 

bisher.  Gestern  sind  die  Hansens  von  Bordighera  kommend
hier  eingesprungen,  er  sehr  munter  und  gesprächig,  sie  etwas
erkältet.  Was  Du  mir  vom  Bischof  (Wahl)  schreibst,  hat  mich
sehr  erschreckt,  das,  was  Mathilde  an  meine  Frau  schrieb,
klang  noch  schlimmer,  und  fürchte  ich,  es  geht  zu  Ende.  Recht
schwer  wird  der  Ersatz  sein,  bis  jetzt  fällt  mir  keiner  ein.  Ich
möchte  den  1.  bei  Dir  sein.“

Die  Nachricht  über  Hansens  bezieht  sich  auf  meine  verstorbene
  Frau  und  mich,  die  wir  damals  eine  Keise  nach
Italien  und  Südfrankreich  machten.  Wir  trafen  am  22.  früh
von  Bordighera  ein.  In  meinem  Tagebuch  steht:  „Der  Onkel
sah  sehr  wohl  aus.“  Wir  wohnten  im  Hotel  Alexandra,
nahmen  aber  alle  Mahlzeiten  in  der  Villa.  Den  ersten  Tag
war  das  Wetter  schlecht  oder  wenigstens  wechselnd.  Nachmittags
  machten  wir  mit  König  und  Königin  eine  Spazierfahrt.
  Abends  mußte  ich  immer  mit  ihm  und  zwei  Herren
Skat  spielen.  Den  nächsten  Tag  (23.)  fuhren  wir  vormittags
mit  beiden  nach  Cap  Martin.  Aachmittags  besuchten  wir  die
Villa  Hanburg  in  Mortola.  Es  ist  wohl  einer  der  schönsten
Gärten,  die  ich  kenne.  Alles  grünte,  alles  blühte,  alles  duftete.
  Fabelhaft  waren  NRiesenaloes  und  Agaven.  Es  war
eine  richtige  Freude  für  den  König,  der  Gärten  so  sehr  liebte.
Am  21.  fuhren  wir  früh  mit  dem  Königspaar  nach  dem  Val
di  Borgo  und  gingen  dort  etwas  spazieren.  Nachmittags
waren  wir  in  Monte  Carlo.  Der  König  ging,  wie  ich  schon
einmal  sagte,  niemals  in  die  Spielhölle,  wohl  aber  die
Königin.  Einen  der  Tage,  ich  besinne  mich  nicht  mehr
welchen,  kamen  auch  der  Graf  und  die  Gräfin  von  Caserta
zu  Besuch,  die  ich  damals  kennenlernte,  nicht  ahnend,  daß
ich  sechs  Jahre  später  ihre  älteste  Tochter  heimführen  würde.
Am  25.  fuhren  wir  früh  nach  Monte  Carlo  und  von  da  mit
der  Zahnradbahn  nach  La  Turbie.  Von  da  fuhren  wir  in  zwei
Wagen  nach  Mizza  die  herrliche  Straße,  die  wohl  jedem  Besucher
  der  Riviera  bekannt  ist.  In  Mizza  gab  uns  der  König
ein  glänzendes  Frühstück  im  Restaurant  Francçais.  Nach-