Full text : Regierungs-Blatt für das Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin. Jahrgang 1914 (1)

544  Nr.  86.  1914.
Anlage  2.

Stellvertretendes  Generalkommando  Altona,  den  30.  August  1914.
IX.  Armeekorps.
Abt.  Ib  Nr.  11381.

Laut  Kriegsministerieller  Verfügung  vom  25.  8.  14.  —  1951/8.  14.  A  7.  V.  sind
zur  Beseitigung  von  Erschwernissen,  die  der  Ernährung  von  Heer  und  Volk  durch  Stillegung
  landwirtschaftlicher  Motoren  infolge  Beschlagnahmung  der  Benzin=  und  Benzolvorräte
  erwachsen  konnten,  sowie  zur  Behebung  von  Schwierigkeiten  in  staatlichen  und
kommunalen  Betrieben  nachstehende  Bestimmungen  erlassen:

Für  Explosionsmotoren  in  landwirtschaftlichen,  staatlichen  und  kommunalen
  Betrieben  darf  der  unumgänglich  notwendige  Betriebsstoff  in
Schwerbenzin  und  Schwerbenzol  verabfolgt  werden.  ’

Die  Verabfolgung  darf  nur  gegen  einen  vom  stellvertretenden  Generalkommando
  ausgestellten  Freigabeschein,  der  vom  Lieferanten  einzubehalten
  ist,  erfolgen.

Der  Freigabeschein  ist  vom  Verbraucher  beim  Generalkommando  zu
beantragen.  Der  Antrag  muß  Menge  (in  Kilogramm)  und  Art  des  erbetenen
Betriebsstoffes  und  den  Verwendungs  weck  enthalten.  Außerdem  muß  die
Notwendigkeit  des  angeforderten  Bedarfs  für  landwirtschaftliche  Zwecke  durch
ein  Anerkenntnis  des  Landrats,  für  staatliche  und  kommunale  Zwecke  durch
ein  solches  des  Regierungspräsidenten  oder  der  entsprechenden  Verwaltungs-Behörde
  bestätigt  sein.  Für  den  Bereich  der  Großherzogtümer  wollen  die
Ministerien  die  entsprechenden  Anordnungen  erlassen  und  hierher  mitteilen,
wie  dort  die  Beglaubigung  der  Anträge  angeordnet  worden  ist.

Die  Freigabe  der  gegenwärtig  in  landwirtschaftlichen  Betrieben  selbst
beschlagnahmten  Benzin=  und  Benzolmengen  erfolgt  hierdurch  ohne  Rücksicht
  auf  ihre  Beschaffenheit,  es  wird  also  auch  das  dort  jetzt  vorhandene
Leichtbenzin  und  Leichtbenzol  hierdurch  freigegeben.

Das  Kriegsministerium  hat  jedoch  ausdrücklich  darauf  hingewiesen,
daß  sich  diese  Erleichterung  nur  durchführen  läßt,  wenn  sich  die  Inanspruchnahme
  in  den  mäßigsten  Grenzen  hält.  Sie  müßte  aufgehoben  werden,
wenn  der  Verbrauch  zu  groß  wird.  Es  liegt  daher  im  eigensten  Interesse
der  Motorenbesitzer,  wo  angängig,  anstatt  des  Benzins  oder  Benzols,  oder
vermischt  mit  diesen,  auch  andere  Betriebsstoffe  (Spiritus  oder  Leichtpetroleum)
  zu  verwenden.  Die  in  letzter  Zeit  mit  Spiritus  (etwa  20  %  Benzol
und  80  %  Spiritus)  gemachten  Versuche  haben  dem  Vernehmen  nach  ein
durchaus  günstiges  Ergebnis  gehabt,  so  daß  viele  Stellen  bereits  zum
Spiritusbetrieb  übergegangen  sind.  "

Ich  ersuche  ergebenst,  diesen  Erlaß  in  geeigneter  Weise  zu  verbreiten  und  dafür
Sorge  zu  tragen,  daß  dem  Generalkommando  tatsächlich  nur  die  allerwichtigsten  Gesuche
vorgelegt,  andere  dagegen  von  den  Stellen,  denen  die  Beglaubigung  obliegt,  zurück-