Volltext : Regierungs-Blatt für das Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin. Jahrgang 1916 (3)

Nr.  77.  1916.  441

23.  März.  1916  (REl.  S.  n.r  wird,  soweit,  nicht  nach  allgemeinen  Strafgesetzen
  höhere  Strafen  verwirkt  sind).

§5  1.
Von  der  Bekanntmachung  betroffene  Gegenstänbde.

Von  dieser  Bekanntmachung  werden  betroffen  sämtliche  vorhandenen  und  noch
weiter  anfallenden,  in  der  beigefügten  Übersichtstafel  verzeichneten  Lumpen  aller  Arten
(auch  karbonisiertet  und  neue  Stoffabfälle,  die  aus  pflanzlichen  oder  tierischen  Spinnstoffen
  oder  deren  Mischungen  bestehen.

Ausgenommen  sind  alle  nach  dem  1.  Mai  1916  aus  dem  Ausland  (nicht  Zollausland)
  eingeführten  Lumpen  und  neuen  Stoffabfälle.  Die  von  der  deutschen  Heeresmacht
  besetzten  feindlichen  Gebiete  gelten  nicht  als  Ausland  im  Sinne  dieser  Bekanntmachung.


8  2.

Höchstpreise.

Die  von  der  Kriegs-Wollbedarf-Aktiengesellschaft  in  Berlin  oder  der  Aktiengesellschaft
  zur  Verwertung  von  Stoffabfällen  in  Berlin  für  die  im  §  1  bezeichneten  Gegenstünde
  zu  zahlenden  Preise  dürfen  die  in  der  beifolgenden  Preistafel  für  die  einzelnen
wernsarhierungen  von  Lumpen  und  neuen  Stoffabfällen  festgesetzten  Preise  nicht
übersteigen.

Die  Kriegs-Wollbedarf-Aktiengesellschaft  und  die  Aktiengesellschaft  zur  Verwertung
von  Stoffabfällen  sind  ermächtigt,  im  Einzelfalle  für  den  Ankauf  von  besonderen  Sorten
(Spezialsortierungen)  der  im  §  1  bezeichneten  Gegenstände,  die  bei  Inkrafttreten  dieser
Bekanntmachung  vorhanden  sind,  die  in  der  Preistafel  festgesetzten  Preise  bis  zur  Höhe
von  10  v.  &  zu  überschreiten.

Die  Kriegs-Wollbedarf-Aktiengesellschaft  und  die  Aktiengesellschaft  zur  Verwertung
von  Stoffabfällen  sind  ermächtigt,  bei  dem  durch  sie  erfolgenden  Verkauf  der  Lumpen

*)  Mit  Gefängnis  bis  zu  einem  Jahr  und  mit  Geldstrafe  bis  zu  zehntausend  Mark  oder  mit
einer  dieser  Strafen  wird  bestraft:
l  wer  die  festgesetzten  Löchstpreise  überschreitet;  .
4l  wer  einen  anderen  zum  Abschluß  eines  Vertrages  auffordert,  durch  den  die  Höchstpreise
überschritten  werden,  oder  sich  zu  einem  solchen  Vertrage  erbietet;
.  wer  einen  Gegenstand,  der  von  einer  Aufforderung  gemäß  §8  2  und  3  des  Gesetzes  be-4
  troffen  ist,  beiseiteschafft,  beschädigt  oder  zerstört;

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5.  wer  Vorräte  an  Gegenständen,  für  die  Höchstpreise  festgesetzt  sind,  dem  zuständigen
Beamten  gegenüber  verheimlicht;  "
6.  wer  den  nach  §  5  des  Gesetzes  erlassenen  Ausführungsbestimmungen  zuwiderhandelt.
Bei  vorsählichen  Zuwiderhandlungen  gegen  Nr.  1  und  2  ist  die  Geldstrafe  mindestens  auf  das
Doppelte  des  Betrages  zu  bemessen,  um  den  der  Höchstpreis  überschritten  worden  ist  oder  in  den
Fällen  der  Nr.  2  überschritten  werden  sollte;  übersteigt  der  Mindestbetrag  zehntausend  Mark,  so  ist
au'  ihn  zu  erkennen.  Im  Falle  mildernder  Umstände  kann  die  Geldstrafe  bis  auf  die  Hälfte  des
Mindestbetrages  ermäßigt  werden.
Bei  Zuwiderhaudlungen  gegen-Nr.  1  und  2  kann  neben  der  Strase  augeordnet  werden,  das
die  Verurteilung  auf  Kosten  des  Schuldigen  öffentlüh  bekanntzumachen  ist;  auch  kann  neben  Gefängnisstrafen
  auf  Verlust  der  bürgerlichen  Ehrenrechte  erlannt  werden.