Full text : Lehr- und Lesebuch oder die Vaterlands- und Weltkunde.

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übergab  es  an  die  Welfen  (1070).  Der  letzte  von  diesen  war  Heinrick
der  Löwe,  der  Gründer  der  Stadt  München.  —  Nach  dem  Tode  Heinrich’s
  V.,  des  letzten  fränkischen  Kaisers,  gingen  die  Besitzungen  desselben
an  die  Söhne  seiner  Schwester,  die  in  Schwaben  und  Franken  herrsehenden
  Hohenstaufen,  Friedrich  von  Schwaben  und  Konrad  von
Franken,  über  —  von  denen  letzterer  im  Jahre  1138  als  Konrad  IN.  den
deutschen  Kaiserthron  bestieg  und  bis  1152  regierte.  Sein  Bruder,  Friedrich
vonSchwaben,hinterliess  zweiSöhne:  FriedrichundKonrad.  Derältere,
Friedrich,  ist  der  hochberühmte  Raiser  Friedrich  I.,  Barbarossa.  Er  übertrug
seinem  Bruder  Konrad  dierheinische  Pfalzgrafschaft  (1156),  welche
nach  dessen  Tode  an  seinen  Schwiegersohn,  den  HerzogHeinrichvonBraunschweig,
  einen  Sohn  Heinrichs  des  Löwen  von  Bayern,  vererbte.

19.  Friedrieh  L,  Barbaroffe.
(1152—1190.)

Am  Sabre  1152  flarb  Konrad  II,  der  erfte  Deutiche  Satfer
aus  dem  Haufe  der  Hohenftaufen.  So  nennt  man  Diefe  Negenten
von  einer  Vurg,  die  Friebrih,  der  Stammvater  biejes  hochherzigen
Gefchlecht8,  auf  dem  Hohenftaufen,  einem  Bergkegel  ber  rauhen  Alp
(im  jebigen  Königreiche  Würtemberg)  erbaut  hatte.  Die  beutjchen
Fürften  wählten  nun  zu  Sranffurt  am  Main  den  Brubersfohn  Konradg,
Friedrich  den  Rothhart  oder  Barbaroffe,  wie  bie  Staliener  ihn
nannten,  zum  "beutfchen  Katfer.  Wer  ihn  jah  in  jener  männlichen,
ftolgen  Haltung  und  biühenden  Sugendfraft,  mit  ben  blauen,  burchdringenden
  Mugen  und  blonden  Haaren,  in  jeinem  Crnfte  und  ben
edlen  Sitten,  der  mußte  fagen,  daß  er  ein  echter  Deutjcher  jet.  Uber
er  war  auch  ein  gar  gewaltiger  Sailer,  diejer  Barbarofja;  ex  ift  jech3-mal
  mit  einem  großen  Heere  über  die  Alpen  gezogen,  um  in  Sitalien
Streitigkeiten  zu  fchlichten,  und  no)  am  Abend  des  Lebens  zog  er
ala  7Ojähriger  Greiß  in  einem  Kreuzzuge  ind  gelobte  Land,  um
das  heil.  Grab  aus  ber  Gewalt  der  Muhamebaner,  der  Anhänger
Muhameb&,  zu  befreien.  Sn  zwei  Schlachten  Fümpfte  er  wie  ein
rüftiger  Süngling;  aber  da  fam  da8  Heer  an  den  Fluß  Saleph
und  brängte  fih  nur  langjfam  auf  jehmaler  Brüde  binüber.  Das
dünft  dem  grauen  Helden  zu  langjam;  er  fprengt  mit  dem  Noffe  Hineln
in  den  Fluß,  ihn  zu  durfcehwimmen;  der  Strudel  erfaßt  ihn,  reißt  thn
fort  und  —  ein  Leichnam  nur  fommt  ans  Ufer  (1190).

Unendliher  Schmerz,  Sammer,  Verzweiflung  verbreitete  ftch  unter
den  Kreuzgfahrern  über  den  DVerluft  de8  Katjers;  —  er  wurbe  zu
Zyrus  begraben.  Aber  lange  glaubte  man  in  Deutfchland  nicht,  baß
der  Schirmherr  des  Neih8,  der  gefürchtete  und  geachtete  Aothbart,
wirkfich  geftorben  fei,  wie  bie  noch  jekt  in  Aller  Munde  Iebende  Sage
bezeugt,  daß  er  nicht  geitorben,  fonbern  im  Kyffhäuferberge  tn  ber
goldenen  Aue,  in  Thüringen,  fiße  mit  feinem  filberweiß  geworbenert
othen  Barte,  der  Durch  den  marmornen  Tifch  gemachjen  fet,  bier  Hof
halte  mit  jeinen  Helden  und  feiner  bolbjeligen  Xochter,  und  bereinft,
wenn  bie  Raben  nicht  mehr  um  den  Berg  fliegen,  wieber  heruorfommen
  werde  aus  biefem  Kuyffhäufer,  um  Das  beutfche  Neich  wieder
glorreich  und  einig  zu  masen.  —