Full text : Sozialdemokratie, Christentum, Materialismus und der Krieg.

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Wenn  wir  das  Nichtschneiden  als  sicher  annehmen,  so  müssen  wir
hierfür  ein  Kriterium  haben,  das  in  der  Endlichkeit  liegt.  Wir  haben
auch  ein  solches  und  zwar  in  dem  Empfinden  der  Unveränderlichkeit  des
Empfindungsvermögens  als  des  Beharrungsprinzips.  Wir  empfinden
unter  diesem  Prinzip,  daß  gleiche  Empfindungskomponenten  gleiche
Empfindungsresultierende  geben.

Ein  anderes  synthetisches  Urteil  haben  wir  in  der  Behauptung.
daß  z.  B.  547  Einheiten  nebeneinander  das  Gleiche  als  12  Ein.
heiten  nacheinander  geben.  Beide  Urteile  sind  gleich  aber  nicht  identisch.
Die  Sicherheit  für  dieses  Urteil  empfinden  wir  darin,  daß  unser
Empfindungsvermögen  sowohl  räumlich  als  zeitlich  an  sich  unveränderlich
  ist.

Schließlich  sei  auch  hier  noch  das  Urteil  erwähnt,  daß  die  Gerade
zwischen  zwei  Punkten  die  kürzeste  ist.  Hier  hat  man  sich  erst  klar  zu
machen,  was  eine  Gerade  ist.  Das  Merkmal  der  Geraden  ist  aber,  daß
sie  um  sich  selbst  gedreht  nicht  aus  ihrer  Lage  kommt.  Wir  empfinden
also  bei  solcher  Drehung,  daß  sie  hierbei  zwischen  den  beiden  Punkten
die  geringste  Menge  Empfindungssubstrat  beansprucht  gegenüber  solchen,
die  ihre  Lage  dabei  verändern,  in  dem  Weniger  empfinden  wir  dabei
das  kürzere.  Es  ist  dieses  so  zu  verstehen,  daß  sich  das  Extensive  der
Komponenten  als  intensiv  in  der  Resultierenden  äußert.  D.  h.  die
Resultierende  empfindet  das  Quantitative  im  Grad.  Wir  haben  es
also  auch  hier  mit  einem  vollständigen  Erfahrungsurteil  zu  tun.

Die  resultierenden  Empfindungen  haben  aber  für  unseren  einseitigen
  Monismus  ferner  noch  die  große  Bedeutung,  daß  man  nur
mit  ihrer  Hilfe  zu  einer  wechselseitigen  Kausalität  innerhalb  der  Kausalreihe
  kommen  kann  und  diese  ist  ja,  wie  schon  hervorgehoben,  das
alleinige  und  notwendige  Merkmal  des  Materialismus,  d.  h.  der
mechanischen  Welterklärung  überhaupt.

Wie  schon  bemerkt,  versteht  man  unter  Kausalität  überhaupt  das
Verhältnis  von  Ursache  und  Wirkung.  Hier  haben  wir  uns  nun  zuerst
die  Frage  vorzulegen,  welches  Kriterium  wir  denn  für  die  Annahme
haben,  daß  von  zwei  zeitlich  folgenden  Erscheinungen  die  erste  die
Ursache  und  die  zweite  die  Wirkung  ist,  um  so  mehr  als  wir  dem  Irrtum
unterworfen,  das  Wesen  der  Dinge  doch  nicht  erfassen  können.

Die  Annahme  eines  Ursachsverhältnis  stützt  sich  in  erster  Linie
auf  die  Erfahrung,  die  uns  lehrt,  daß  Erscheinungen  unter  denselben
Bedingungen  räumlich  und  zeitlich  immer  wiederkehren;  wobei  die  Erfahrung
  ihre  Allgemeingültigkeit  durch  das  Beharrungsprinzip  erhält.
Ein  Kriterium  für  die  Kausalität  bietet  uns  aber  allein  der  subjektive
Teil  unserer  Empfindung  und  zwar  dadurch,  daß  ich  eine  Veränderung
der  Empfindungsresultierenden  der  anderen  unmittelbar  folgend