Sog. Einrede des nicht vollständig erfüllten Vertrags. 205
Es wurde aber dieser Einwand verworfen. Mannahm
an, die Eigenschaft der Unvordenklichkeit sey
vorhanden, wenn die jetztlebende Generation weder
selbst wahrgenommen noch von ihren Vorfahren
gehört hat, daß es je anders gewesen. Damit
ist es wohl vereinbar, daß eln rechtlicher Ursprung
des Zustandes aus der Zeit vor Menschengedenken,
d. h. aus einer Zeit, auf welche weder das von
den ältern Personen der jetzigen Generation selbst
Wahrgenommene noch das von ihren Vorfahren
Gehörte zurückreicht, — durch Urkunden nachgewiesen
werde. Demzufolge wurde in dem bezeichneten
Falle alternativ — der vertragsmäßige Ursprung
oder die unvordenkliche Uebung — zu beweisen
aufgelegt.
Erk. des OAG. zu Wiesbaden vom 19. Jänner
1842 in Flach's Entscheidungen dieses Gerichtshofs
Th. II, S. 1— 8.
Vergl. Pfeiffer prakt. Ausf. Bd. II, Nr. I,
8.
8.
2.
Sogenannte Einrede des nicht gehörig oder nicht vollständig
erfüllten Vertrageß.
Wird auf dem Grunde dieses Einwandes von
einem Beklagten die eingeklagte Gegenleistung verweigert,
welcher die Leistung des Klägers angenommen
hat und behalten will, so ist derselbe als
unerheblich zu verwerfen, sofern nicht in der Vernehmlassung
angeführt ist, in welchem Betrage Beklagter
durch die Mangelhaftigkeit der klägerischen
Leistung Schaden gelitten, oder in welchem Verhältniß
sie dem Beklagten wegen des Mangels minder
werth sey; indem in solchem Falle nur verhältnißmäßige
Minderung, nicht völlige Vorenthaltung
der. Gegenleistung Platz greift. — Eine Anwendung
dieses in den Bl. f. RA. Bo. 1. S. 397—
398 aufgestellten Lehrsatzes findet sich, unter Be-