Full text : Lehr- und Lesebuch oder die Vaterlands- und Weltkunde.

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Auch  der  deutsche  Ritterorden  hat  dem  Kreuzzügen  seine  Entstehung
zu  verdanken.  Er  wurde  im  Jahre  1190  von  Deutschen  gegründet.  Die
Mitglieder  mussten  Deutsche  sein.  Auch  sie  legten,  wie  die  vorgenannten
Orden,  das  dreifache  Gelübde  ab,  und  hatten  im  Ganzen  denselben
Zweck  und  dieselbe  Einrichtung.  Ihre  Ordenstracht  war  ein  weisser
Mantel  mit  einem  schwarzen  Kreuze  Nach  dem  Verluste  des  heil.
Landes  wandten  sie  sich  nach  Venedig.  Von  da  wurden  sie  unter  ihrem
Grossmeister  Hermann  von  Salza  im  Jahre  1229  von  den  Polen  gegen
die  Preussen  zu  Hülfe  gerufen.  Dreiundfünfzig  Jahre  lang  (von  1230  bis
1283)  führten  sie  mit  diesem  heidnischen  Volke  schwere  Kriege.  Endlich
eroberten  sie  das  Land  und  verbreiteten  in  diesem  das  Christenthum  und
dentsche  Bildung,  Sitte  und  Sprache.  Durch  sie  entstanden  die  Städte
Thorn  und  Kulm,  später  auch  Memel  und  Königsberg.  Marienburg
  wurde  im  Jahre  1309  die  Residenz  des  Hochmeisters.  Im  16.
Jahrhundert  (1525)  nahm  der  Hochmeister  des  Ordens,  Markgraf  Albrecht
von  Brandenburg,  mit  den  meisten  Ordenszliedern  die  evangelische  Religion
  an.  Die  Übrigen  zogen  nach  dem  Städtchen  Mergentheim  im
Würtembergischen.  Im  Jahre  1815  wurde  der  Orden  durch  den  Wiener
  Vertrag  aufgehoben.  —

21.  Die  Dihtkunft  im  Mittelalter.

Sobald  der  Menfch  der  Sorge  für  die  nöthigften  Bebürfniffe  des  Lebens
hberhoben  ift,  fo  erwacht  auch  allmählich  fein  natürliches  Gefühl  für  dad  Schöne,
jein  Gefallen  an  höheren,  geiftigen  Berriäätungen,  die  dag  Seren  erheitern  und
verereln.  Unter  diefen  Stand  im  Mittelalter  die  Dichtfunft  oben  an  und
wurde  vorzüglich  vom  Udel  gepflegt.  Ste  war  ihn  eine  füße  Erholung  von  den
ernten  Sorgen  des  Tages,  von  dem  wilden  Getümmel  der  Scylachten.  Auf  die
Entwiflung  diefer  Schönen  Runft  hatten  dfe  Kreuzzüge  den  wirfjamften  Einfluß.
Sn  dem  fernen  Morgenlande  wurde  der  Sfreuzfahrer  durch  die  feltfamften  Erfchei«
nungen  wunderbar  überrafcht.  Die  heiligen  Orte,  wo  einjt  Der  Erlöjer  wandelte,  die
Pracht  und  der  Neichtgum  des  Drients,  Die  wunderbaren  Srrfahrten  fronmer
Pilger,  die  vielen  Abenteuer  der  Nitter,  dann  auch  die  Sehnfucht  nach  den  theuern
Aurüdgebliebenen  —  dieje3  und  manches  andere  vegte  mächtig  den  Geljt  auf  und  bot
zu  den  Dichtungen  ben  reichhaltigften  Stoff.  Wahre  Begebenheiten  mußte  die
aufgeregte  Einbildung$fraft  mit  relzenden  Mährchen  aller  Art  ausgufchmüden.

Sn  den  anmutbigen  Thälern  des  fühlichen  Sranfreih8  und  Spaniens,
wo  die  Einbildungsfraft  der  Beivohner  feurig  ffl,  wie  Der  Himmel,  unter  wel:
hem  fie  leben,  trieb  Die  Dichtfunft  Ihre  Höchften  Blüthen.  Auf  den  Burgen  der
Nitter,  bet  fröhlichen  Seiten  und  Mlahlen  erfchten  der  Zroubadour  mit  der  Tieblid,
  Elingenden  Harfe  In  der  Hand,  Ritter  und  Damen  begrüßten  mit  ftiller
Freude  den  lieben  Saft  und  hörten  feinen  gefühlvollen  Gejängen  aum  Sllange  ter
Harfe  zu.  Don  Franfreich  aud  verbreitete  fich  Diefed  Iuftige  Handwerf  —  fr
nannte  man  e8  —  über  die  angrenzenden  Staaten.  Auch  Deutfchland  Halle
feine  Xroußadours,  die  man  hier  Minnefänger  nannte,  weil  der  Haupt:
egenftand  Ihres  Gefanges  die  Minne  oder  Kiebe  war.  Hunderte  von  folchen
Ditern  werden  genannt.  Ihre  Meihe  beginnt  mit  Heinrih  von  Velded,
ihm  folgten  Hartmann  von  der  Aue,  ber  zartfühlende  Gottfried  von
Straßburg,  ber  ernfte  und  trübe  Wolfram  von  Efchenbach,  ber  heitere
Walter  von  der  VBogelmetde,  der  große  Meifter  Heinrich  von  Df:
terdingen,  Srauenlob  in  Mainz,  fümmtlih  aus  dem  Unfange  ded  dreizehnten
  Jahrhundert3.  Dft  Tamen  biefe  Iteberreichen  Sänger  zujfammen  zu
einem  poetlfchen  Wettftreite.  Doch  nicht  Die  Liebe  allein  war  der  Gegenftand  threg
Gefanges,  fondern  au  die  Schönhelten  der  Natur,  die  Neize  bed  Frühlings,
die  Heldenthaten  der  Hitter  und  Ihre  wunderbaren  Abenteuer.  Bejonders  in
Schwaben,  an  den  Höfen  ber  damaligen  Kaifer,  ber  Iunftliebenden  Hoben-Raufen,
  Iteßen  fich  diefe  Sänger  hören  und  wurden  deößals  auch  wohl  fchWwäbifche
  Dichter  genannt.  Selbit  Kater  und  Könige  dichteten,  wenn  fle  von  ben