Das war die Lage, als der Auebruch der russischen Reoolution die inner--politische
Spannung auf dle Spltze trieb. Bethmann gab im Berlauf der erregten
Reschstagedebatten des Märzendes die Erklärung ab, elne gesetzgeberische
Reformaktion könne erst für einen Zeitpunkt in Auesicht gestellt werden, wo sle
„die zur Abwehr des äußeren Feindes erforderliche innere Geschlossenheit nicht
bedrohe“. Später aber machte die Reglerung der Mehrheitsstimmung und
dem Willen des Reichstages nach Machtzuwachs eine erste große Konzession.
Sie bewllligte dle Einsetzung eines „Verfassungsausschusses“ zur Bearbeitung
des Fanzen Gebietes der Inneren Reformen. Als der Ausschuß im Mai feine
Arbeit begann, zeigte sich erst dle ganze Tragwelte dieses Schrlttes.
Inzwischen brachten, neben der russischen Revolution, auch die Ernährungsverhältnisse
eine weitere Verschärfung der inneren Lage. Am 15. April mußte
das Kriegeernährungsamt zu einer Verringerung der Brotratlon schrelten bei
gleichzeitiger unbedeuten der Erhöhung der Fleischration. Strelte und Unruhen,
von der Fernwirkung der russischen Reoolution entfacht, von der Nahrungenot
geschürt, brachen an vielen Stellen Deutschlande und auch Osterrelchs aus.
Zn dieser Not griff Bethmann zu dem Aushllfemittel, dem Kalser eine
Kundgebung anzuraten, welche das sinkende Vertrauen neu beleben sollte.
So entstand die Kaiserliche Ofterbotschaft vom 7. April. Sie versprach
„bel Erneuerung wichtiger Teile unseres festgefügten und sturmerprobten
Staatswesene einem treuen, tapferen, tüchtigen und hochentwickelten Volk das
Vertrauen entgegenzubringen, das es verdient“, beauftragte den Reichskanzler,
bestimmte Vorschläge für die Umblldung des preußlschen Landtages oorzulegen,
und sprach das gewichtige Woct aus:
„Nach den gewaltigen Leistungen des ganzen Molkes in diesem furchtbaren Kriege
ist nach melner Überzeugung für das lalsenwaah lr#cht n Preußen ketn
aum mehr. Der Gesetzentwurf wird serner die unmittelbare und geheime Wahl
der Abgeordneten vorzusehen haben.“
Nach Bethmanne Auffassung ist die Wirkung der Osterbotschaft die gewesen,
daß sie „die Krone noch einmal zur Führerin gemacht hat“. Sie habe wesentllch
dazu beigetragen, die Gewerkschaften zur Herbeiführung einer schnellen Beendlgung
der Aprilstreike zu oeranlassen und dle schwere Gefährdung zu überbrücken,
welche durch dle russische Revolution, den Eintritt Amerikas in den Krleg und
die Erschwerung der Lebensmitteloersorgung entstanden war.
Ludendorff ist anderer Ansicht. Der Zusammenhang der Osterbotschaft
mlt der russischen Nevolution, meint er, sel zu offensichtlich gewesen. Sle habe
zwar „enge Volkskreise“ — will sagen die vielen Millionen des Proletarlate
und innerhalb des Bürgertums die fortschrittlich gesinnten Gruppen — befrledigt,
außer ihnen aber nur den Feind, der mit Genugtuung die Ursache erkannt
baben werde: die Angst oor der Revolution. Die Entente habe folgern müssen:
der Umsturz in Deutschland wird kommen — also ausharren und schüren!
Die eine Auffassung hat sooiel innere Wahrschelnlichkelt für sich wie die
andere. Luden dorff hat recht, wenn er ausführt, daß in Kriegszeltläuften auch
die lnneren Fragen durch die Rücksicht auf den Feind beherrscht und geleltet
werden müssen. „Drängen sich die innerpolitischen Verhältulsse lmmer schärfer
beroor, dann beginnt die Kriegefählgkeit elnes Volkes zu sinken.“
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