Volltext : Zeitschrift für die gesammte Staatswissenschaft. Neunter Band. Jahrgang 1853. (9)

234  Studien  über

nicht  ausgesprochen,  dass  nicht  einzelne_Güter  für  bäuerliche
Kräfte  absolut  zu  gross  sein  könnten,  oder  dass  im  Fortgang
der  ökonomischen  Entwicklung,  wenn  die  Möglichkeit  zu  intensiverer
  Bodenkultur  eintritt,  Theilungen  sich  nicht  als  zweckmäsdig
  bewähren  könnten.

So  heisst  es  in  der  leider  schon  älteren,  nämlich  1834
erschienenen  Beschreibung  des  Oberamts  Waldsee,  es  gebe  .noch
viele  grosse  und  nur  allzugrosse  Bauernhöfe,  welche  eine  angemessene
  Vertheilung  erwarten.  In  neuern  Zeiten  hätten  auch
solche  Vertheilungen  stattgefunden  und  zwar  mit  unverkennbar
guter  Wirkung.  Dabei  aber  wird  doch  ausdrücklich  die  im  Bezirk
  herrschende  Ueberzeugung  erwähnt,  dass  der  Wohlstand
durch  den  Lehensverband  mehr  gesichert  sei,  und  sehr  erfreulich
ist  die  Anerkennung,  dass  im  Bezirk  ein  seltener  Wohlstand
herrsche,  dass  ausser  einigen  neuerdings  zugewiesenen  Heimathlosen
  nur  wenig  Arme  vorhanden  seien.  Ueberhaupl  wird  dieses
Oberamt  als  das  wohlhabendste  des  ganzen  Königreichs  bezeichnet.

Zum  Schluss  führe  ich  als  Gegensatz  noch  an,  wie  die
officielle  Beschreibung  über  das  Amt  Schorndorf  urtheilt.

Dieser  Bezirk  hat  auf  3'/,  Quadralmeilen  eine  Bevölkerung
von  30,296  Menschen,  welche,  mit  Ausnahme  der  4000  Seelen
zählenden  städtischen  Bevölkerung  der  Amtsstadt,  in  sechs  und
zwanzig  Landgemeinden  wohnen,  und,  wie  aus  dem  sehr  geringen
Gewerbkatasteranschlag  von  3583  fl.  für  das  ganze  Amt,  1981  fl.
für  das  Amt  ohne  die  Stadt  hervorgeht,  fast  ausschliesslich  von
der  Beschäftigung  mit  Grund  und  Boden  leben.  Von  dem  Gesammibelrag
  der  ohne  die  Stadtgemarkung  55,476  Morgen
beiragenden  Fläche  kommen  12,399  Morgen  auf  das  Ackerfeld,
1420  auf  Gärten  und  Länder,  9660  auf  die  Wiesen,  3281  auf
die  Weinberge,  25,933  Morgen  auf  die  Waldungen  und  375  Morgen
  auf  die  Weiden.  Den  Rest  bildet  das  Areal  der  Strassen,
der  Ortschaften,  der  Gewässer,  der  Oeden  und  Steinbrüche.
Das  Bauland  beträgt  also  nur  26,760  Morgen,  nicht  einmal  die
Hälfte  der  Fläche  und  kaum  mehr  als  der  Wald.  Auf  den  Kopf
kommt  durchschnittlich  davon  ungefähr  1  Morgen.  Die  Gemeindemarkungen
  liegen  theils  auf  den  Waldhöhen,  zum  Theil  im
Remsthal,  zum  Theil  auf  den  Bergabhängen.  Im  Thal  ist  Spaten-