Full text : Tagebuchblätter. Dritter Band. (3)

Im  schleswig-holsteinischen  Kriege  und  unter  den  Augustenburgischen  447

ist  und  mit  mächtiger  Hand  verhindert,  daß  die  geschichtliche  Entwicklung
  Deutschlands  durch  Errichtung  eines  neuen  souveränen
Kleinstaats  gehemmt  wird,  und  das  somit  trotz  des  Verfassungskonflikts
  der  Grund=  und  Eckstein  aller  nationalen  Bestrebungen  bleibt.

„Dies  mußte  ausgesprochen  werden.  Statt  dessen  hat  man
die  dadurch  angeregten  Gegensätze  durch  ein  Kompromiß  überkleistert,
lediglich,  um  den  Verein  bei  seiner  jetzigen  Mitgliederzahl  zu  erhalten.
  Als  ob  es  für  ernsthafte  Politiker  darauf  ankäme!“

Über  die  Nationalfeste  endlich,  die  die  „Volkspolitiker“  damals
arrangierten  und  dann  wie  Großthaten  priesen,  urteilt  eine  Aufzeichnung
  vom  24.  Juli  1865  wie  folgt:

„In  der  That,  eine  eigne  Zeit,  dieser  Sommer,  und  ein  eignes
Volk,  diese  Deutschen  von  heute.  Als  ob  der  Himmel  unsers  politischen
  Lebens  so  voll  von  Geigen  hinge,  wie  er  voll  Wolken  hängt,
feiert  man  Fest  auf  Fest  und  kann  sich  kaum  genug  thun  mit
Schwärmen  und  Jubeln.  An  den  Bahnhöfen  wimmelt  es  von
Hüten  und  Festkarten,  Bändern  und  Eichenlaub.  Tag  für  Tag
fast  schleppen  keuchende  Lokomotiven  Züge  fideler  Festbesucher  nach
Ost  und  West,  ziehen  Paraden  und  Prozessionen  von  solchen  durch
bekränzte  und  beflaggte  Städte,  schildern  die  Zeitungen  den  patriotischen
  Schwung,  der  sich  bei  derartigen  Gelegenheiten  kundgegeben
habe.  Heute  knallt  an  der  untern  Weser  das  große  Fest  der  patriotischen
  Schützenjoppen,  über  acht  Tage  singen  am  mittlern  Laufe
der  Elbe  fünfzehntausend  Sängerkehlen  die  unvermeidliche  Frage
nach  dem  deutschen  Vaterlande  so  vergnügt  in  die  Welt  hinein,  als
ob  sie  die  rechte  Antwort  nicht  bloß  wüßten,  sondern  auch  schon
in  gediegenster  Verwirklichung  vor  sich  hätten,  und  wer  damit  noch
nicht  zufriedengestellt  ist,  der  mag  in  weitern  drei  Wochen  nach
der  Saale  reisen,  wo  sie  das  fünfzigjährige  Jubiläum  der  Burschenschaft
  und  den  Tag  begehen  werden,  wo  man  den  hessischen  Zopf
verbrannte,  ohne  sein  und  andrer  in  jener  Zeit  gekürzter  Zöpfe
Nachwachsen  verhindern  zu  können.

„Daneben  zahllose  kleinere  festliche  Zusammenkünfte.  überall
Gesang  und  Toastieren,  Böllerknall  und  Gläserklang,  wohltönende
Reden,  Begeisterung,  Brüderlichkeit  und  Behagen.  Fürwahr,  wie
sich  das  bayrische  Bier  im  Laufe  der  letzten  Jahre  unsern  Norden
erobert  hat,  so  scheint  ein  andres  süddeutsches  Produkt,  die  den