Full text : Lehr- und Lesebuch oder die Vaterlands- und Weltkunde.

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Nechts  und  TinfE  begrüßt  Dn3  Auge  eine  Mienge  von  Dörfern  und  mehrere
  Städte,  unter  welchen  Greifswalb  bejonder8  hervorfieht.  SDftli
hat  man  gleich  unter  den  Füßen  jchöne  WMeerfelder,  auf  die  man  wie
auf  einen  ausgebreiteten  Teppich  Hinabfieht.  Im  Sommer  ftechen  das
gelbe  Korn,  Die  Dunfelgrüne  Gerfte,  der  bläuliche  Hafer,  Der  golbene
Weizen  und  die  bunten  Wieden,  die  faum  vor  den  gelben  Wucherblumen
auffommen  fönnen,  auf  das  Mannigfaltigfte  von  einander  ab.  Weiter:
Hin,  wo  fi  der  Boden  bald  jenft,  bald  erhebt,  mechjeln  Hügel,  Deren
Gipfel  nadt  und  deren  Yehnen  bebaut  find,  mit  Heimen  und  großen
Sebütchen.  -  Am  ftärfften  feffelt  die  Ausficht  norboftwärts.  Cine  Menge
von  Erdzungen  ftreden  die  Spiken  weit  in  Die  grünlichen  luthen.
Die  eine  ift  Hi  an  den  Aufßerften  Rand  mit  Getreide  bejäet,  eine  andere
  wird  mit  Gebüfchen  bebedt,  auf  einer  britten  ftehen  Fleine,  Tänbliche
  Häufer,  Die  von  Obftgärten  umgeben  find.

 

46.  Brocdentreife.

Die  Sonne  ging  auf.  Die  Nebel  flohen  wie  Geipenfter  beim
dritten  Hahnenjchrei.  Sch  ftteg  wieder  bergauf,  bergab  —  den  Harz
hinan.  Bor  mir  jehwebte  die  fehöne  Sonne,  immer  .neue  Schönheiten
beleuchtend.  Sin  meinen  Augenwimpern  flimmerten  Perlen,  wie  in  den
Sräjern  De8  Thaled.  Morgenthau  feuchtete  meine  Wangen;  die  rau:
fchenden  Tannen  bemegten  ihre  Zweige  herauf  und  herab,  gleich  ftummen
Menfchen,  die  mit  den  Händen  ihre  Yreude  bezeigen;  und  in  der  Ferne
Hang’3  wunderbar  geheimmißnoll,  wie  Olodengeläute  einer  verlornen
MWaldfirde.  Man  jagt,  das  feien  die  Heervenglöcdchen,  bie  im  Harz
jo  Tieblih,  Kar  und  rein  geftimmt  find.

Nah)  dem  Stande  der  Sonne  war  e8  Mittag,  al3  ich  auf  eine
jolhe  Heerbe  ftieß,  und  der  Hirt,  ein  freundlich  Hlonder,  junger  Men,
fügte  mir,  Der  große  Berg,  an  deflen  Zuß  ich  ftände,  jei  der  alte,  meltberühmte
  Broden.  Viele  Stunden  ringsum  Liegt  fein  Haus,  und  ich
war  froh  genug,  Daß  mich  der  junge  Menfch  einlud,  mit  ihm  zu  effen.
Wir  jeßten  ung  nieder  zu  einer  Mahlzeit,  Die  aus  Käfe  und  Brod  be
ftand;  Die  Schäfchen  erhajchten  Die  Krumen,  die  Lieben  blanfen  Kühlein
Iprangen  um  und  herum,  Flingelten  fchelmifch  mit  Ihren  Glöcdchen  und
achten  und  an  mit  ihren  großen,  vergnügten  Augen.

Wir  tafelten  recht  königlich,  nahmen  Darauf  recht  freundlich  Abjchieb,
und  fröhlich  ftieg  ich  ben  Berg  Hinauf.  Bald  empfing  mich  eine  Waldung
  himmelhoher  Tannen,  für  Die  ich  In  jeder  Hinficht  Refpeft  habe.
ide  Bäumen  tft  nämlich  Das  MWachten  nicht  jo  ganz  leicht  gemacht
worden,  und  fe  haben  e8  fich  In  der  jugend  jauer  werden  laffen.  Der
Berg  ift  Hier  mit  wielen  großen  Granitblöcden  überfäet,  und  bie  weißen
Bäume  mußten  mit  ihren  Wurzeln  bie  Steine  umranfen  oder  Tprengen
und  mühlam  Den  Boden  fuchen,  woraus  fie  Nahrung  jchöpfen  können.
Hier  und  da  liegen  die  Steine,  gleichjam  ein  Thor  bilbend,  über  ein»
ander,  und  nben  drauf  ftehen  die  Bäume,  die  nadten  Wurzeln  über  jene