langem vorschwebte. Unmitteldar darauf erhlelt die Flottenleltung den Befehl
der Seekriegführung: „Hochseestreitträfte sollen zum Angriff und Schlagen
gegen englische Flotte angesetzt werden.“ Geplant war ein großer Vorstoß
wider den englischen Kanal unter Mitroirkung der sämtllchen, ja nun frei gewordenen
U-Boote. Am 28. Oktoder war die gesamte Hochseeflotte auf der
Wilhelmshavener Außenreede versammelt. Sie stand unter der Führung des
Admtrals v. Hlpper, der del Skagerrak die leichten Kräfte geführt hatte. Die
beiden Waffengefährten der einzlgen großen Seeschlacht des Weltkrlegee waren
einig in dem Gedanken: dle Lage unseres Vaterlandes bei den Friedensverhandlungen
könne keine bessere Unterstützung erbalten als durch einen großen Seesieg
über England.
Da brach unter den Mannschaften der Hochseeflotte plötzlich die längst vordereitete
Meuterel aus. Ihre Rädeleführer Hatten das Gerücht ausgestreut: die
Offizlere nähmen destimmt an, daß England dei den bevorstehenden Friedens--verhandlungen
die Auslieferung der Flotte fordern wer de. Ihre „verstiegenen
Ehrdegriffe“ würden lbnen die Pflicht auflegen, lieber den ehrenvollen Untergang
der Flotte im Kampf gegen die englische Udermacht zu suchen. Oabei
scheuten sie nicht davor zurück, mit lhrem eigenen Leben auch das lhrer ahnungslosen
Mannschaften zu opfern ...
Und noch eine andere Lüge spukte in den Köpfen der Matrosen: man hatte
ibnen eingeredet, auch auf den feindlichen Krlegsschlifen sel die Mannschaft
zum Umsturz berelt, nur um den Krieg um jeden Preie zu beendigen. Im
Augenblick, da am Maste der deutschen Krlegsschiffe die rote Fahne erschiene,
würden die „Kameraden da drüben“ das gleiche Zelchen hlssen
Als der Befehl zum Auslaufen erteilt wurde, versagte die WMannschaft
den Dienst — die Heizer rissen die Feuer aus den Kesseln. Noch einmal gelang
es, die Meuterer zur Ruhe zu dringen. Aber ein Auslaufen war nun unmöglich.
Admlral v. Hipper zog dle Flotte auseinander, um sie wieder in die Hand
ihrer Führer zu bringen. Er sandte das 3. Geschwader nach selnem Helmathafen
Klel zurück. Aber damlt hatte er der Meuterei erst den rechten Rückhalt gegeden.
Sle stützte sich nun auf die große Stadt mit lhrer vieltausendköpfigen, stark
dolschewisierten Fabrlkardelterschaft. Nun schoß der Aufruhr üppig ins Kraut.
Vom 1. Novemder an hallten die Plätze der Stadt vom Gezeter der Hetzredner
wlder, Matrosen und Arbelter riefen Arm ln Arm die Revolution aus. Am
J. Novemder wurde ein Leutnant, der selne Patroullle auf Widersetzliche schießen
ließ, ermordet. Der Kommandant des Linlenschiffes „König“ wehrte sich gegen
den Versuch der Meuterer, die Relchskriegsflagge durch dle rote Flagge zu ersetzen,
und wurde dadei schwer verwundet. Am folgenden Tage griffen die
Matrosen zu den Waffen, um ibre von der Wilhelmehavener Meuterel her gefangen
sitzenden Kameraben zu befreien. Am 4. November wurden die ersten
Soldatenräte gewählt, und an Bord der Schiffe stleg dle rote Fahne zum Top.
Die Meuterer kündigten ihren Vorgesetzten den Geborsam und übergaden ihre
Forderungen: darunter die Freilassung der Meuterer von heute und von 1917—
und dle Absetzung dee Hauses Hohenzollern!
Die Flotte, Wllhelins II. Schspfung und Lieblingskind, war die erste, dle
sich offen gegen ihn ampörte.
278