Full text : Der Weltbrand. Deutschlands Tragödie 1914-1918. Zweiter Band. (2)

stehenden  Slegen  gesprochen  hatten.  Nun  beugte  es  sich  vor  den  neuen  Proobeten:
  das  Bürgertum,  die  Führer,  auch  dle  des  rechten  Flügels  der  proletarlschen
  Massen,  vor  Wilson  —  die  Massen  selber  vor  Lenin  ...

Die  ganze  Angst  der  Nation  vor  dem  „Untergange,  den  die  Weit  ihr  zugeschworen,
  I  g  an  Wlison.  Denn  wenn  irgendeine
  Leldenschaft  zum  tiefsten  Erunde  deutschen  Wesens  gehörte,  dann  war  es
das  Vertrauen.  Deutschland  hatte  am  Tage  der  Aufschau  zu  seinem  Friedenskalser,
  der  zu  den  Waffen  rief,  all  seln  grenzenlosee  Vertrauen  im  „Geist  von
lold“  auflodern  lassen.  Es  hatte,  ale  der  Kaiser  immer  mehr  und  mehr  in  sich
zusammensank,  all  diee  grenzenlose  Bertrauen  an  die  vom  Glauden  der  Deutschen
ins  Mpthische  emporgesteigerten  Bilder  seiner  beiden  großen  Feldherren  gehangen.
  Aun  hatte  es  die  zweite  große  Enttäuschung  erlebt:  auch  die  hatten
versagt  —  hatten  es,  statt  zur  Rettung,  durch  zwei  Jahre  beispielloser  Opfer
und  Schrecken  zum  militärischen  Zusammenbruch  geführt.  Und  auch  in  dieser
Stunde  klang  zu  ihm  kein  neues,  kein  zukunftweisendee,  keln  entfiammendes
Wort  —  war  es  ein  Wunder,  daß  es  sich  jetzt  besinnungs-  und  bedingungslos
dahin  flüchtete,  wohln  die  erlahmende  Hand  seiner  Heerführer  seiber  es  wies:
zu  dem  Maun  der  14  Punkte  —  dem  Heiland  der  Dölkerversöhnung?!

Würde  auch  der  es  enttäuschen  —  dann  freilich  ragte  ja  lm  Osten  noch  ein
anderes  Propbetenbild

Jetzt  gab  es  für  beussce  nur  noch  eine  Wahl:  Dersöhnungsfrieden  —
oder  Bolschewismus

3.

Am  F.  Oktober  war  der  Ruf  an  Wilson  ergangen.  Ee  konnte  nicht  anders
sein:  schon  am  folgenden  Tage  mußte  von  Washington  aus  an  alle  Armeen
der  Entente  in  drei  Weltteilen  der  Befebl  zum  Waffenstillstand  Fibenv  —  die
Einladung  an  die  Mittelmächte,  ihre  W  dle
Westfront  —  und  bald  auch  ihre  Friedenedelegationen  in  das  Weiße  heue  des
Weltenschledorichters  zu  entsenden.  Anders  konnte  es  gar  nicht  sein.  Das
grauenvolle  Ringen  war  zu  Ende.

Angehaltenen  Ateme  wartete  die  Welt  —  wartete  die  O.  H.  L.  In  Spaa.

Wartete  Prinz  Max  von  Baden  im  Reichskanzlerpalale.  Um  aber  dem
Feinde  keinen  Zweifel  zu  lassen,  daß  eine  Enttäuschung  nicht  kommen  dürfe;
daß  —  käme  sie  —  die  deutsche  Regierung  und  Volksvertretung  mit  dem  Volke
selbst  zur  Fortführung  des  Widerstandes  ble  ans  Ende  entschlossen  sein  würden,
sprach  er  am  5.  Oktober  bel  seinem  ersten  Auftreten  vor  dem  Reichstage,  nachdem
er  sich  feierlich  zum  Programm  des  staatlichen  Neuaufbaus  bekannt  patte,  die
s—N¾Wx’-“  Worte:

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Kräfte,  auch  jegt  noch  in  unserem  **N  vorsenden  sind,  und  #  E  daß  -*
!—2  daß  jeder  für  unser  Leben  kämpfe,  r  Kräfte  ver.
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