Full text: Briefe und Akten zur Geschichte des Dreissigjährigen Krieges. Neunter Band. (9)

257 —259. 1611 601 
vocirn oder mit der sprach nit recht herauss soll oder wöll, so were 
es vil ratsamer und besser, mit inen alles zu underlassen als durch 
ein soliohes tentamen die suspiciones zu confirmirn, die difidenz zu 
mehrn und sie weiters zu irritirn.“ O. D.! 
Mo., Entstehung, Fasz. I., no. 10, f. 227; Kopie. 
258. Rudolf II. an den Landgrafen Moriz von Hessen. 
Von E.L. Erklärung wegen der anbefohlenen Kommission [beim 
Kurfürstentag] unterrichtet?, teilen wir E. L. mit, dass wir ausser 
den drei spezifizierten Punkten noch folgende zur Beratung der Kurfürsten 
stellen werden: 1. wie, da wir hier nicht länger bleiben wollen, unser Abzug, 
Residenz und Unterhalt im Reich anzustellen sei? 2. wie dem kurpfälzischen 
Administrationsstreit abgeholfen werden könnte? 3. wie bei der Belohnung 
unseres Bruders die Hoheit des Reiches in Acht genommen und den 
eingerissenen Unruhen und den daraus entstandenen Ungelegenheiten 
vorgebaut werden könnte? 4. wollen wir auch noch das Gutachten 
der Kurfürsten wegen der jüngsten gütlichen Verhandlungen zwischen 
uns und unserm Bruder® hören. Prag den 1. julii 1611. 
Ma., 39,22, 1.148; Kopie. 
259. Baugy an die Königin-Regentin von Frankreich. 
„Jay receu lundy 27° de juin avec les lettres du roy et de 
V. M.% pour l’empereur et le roy de Hongrie celles qu’il Luy a pleu 
ı Das Gutachten hängt offenbar mit don von Pfalz-Neuburg und 
Württemberg betriebenen Verhandlungen zur Herstellung des Vertrauens 
im Reich zusammen (vgl. no. 119, no. 179 und no. 236); wegen der Er- 
wähnung des passauer Kriegsvolks wird es in die erste Hälfte des Jahres 1611 
zu setzen sein; vielleicht steht das Gutachten in Beziehung zu der geplanten 
und dann unterbliebenen Schickung des Pfalzgrafen August von Neuburg 
nach München. 
* Der Landgraf hatte die Uebernahme der Kommission an die Be- 
dingung geknüpft, dass ihm die Punkte der künftigen Proposition mitgeteilt 
würden (vgl. no. 215, 8. 509, Anm. 1), worauf ihm der Kaiser die Abschrift 
seines Schreibens an Kurmainz (no. 219) zusandte.e Am 15./25. Juni er- 
klärte sicb der Landgraf zur Uebernahme der Kommission endgiltig bereit, 
da die Hauptpunkte der Proposition für Kaiser, Kurfürsten uud Reich gleich 
wichtig seien; aber in dem Schreiben an Kurmainz sei noch die General- 
klausel „auch schliesslich von andern mehrern Sachen“ enthalten; derenwegen 
bitte er um genaueren Bericht (3Mta., 547/14, f. 103; Kopie). 
® Wegen dieser neuerlichen Verhandlungen vgl. die bei Hammer- 
Purgstall, Khlesls Leben, II., Urkundensammlung unter no.321, 313 und 314 
abgedruckten Aktenstücke, die die letzte Phase der Verhandlungen zwischen 
den Brüdern einleiten. Ihretwegen sollte auch noch der Reichshofrat Gottfried 
Hertel an die Kommissarien zum Kurfürstentag abgeordnet werden, um sie 
von dem veränderten Stand der Dinge zu unterrichten (Rudolf II. an seine 
Kommissarien am 6. Juli; Wh., Reichstagsakten in genere, Bd. 84b; — Kpt.); 
wegen der Verschiebung des Kurfürstentags unterblieb diese Schickung. 
* Obiges Schreiben teilt der Landgraf am 4./14. Juli an Kurmainz 
nit (Wmz., BReichstagsakten, Bd. 104, no. 101; Or.), der am 18. davon 
die andern Kurfürsten verständigt (Ma., 39/22, f. 146; Kopie des Schreibens 
an Kurköln). 
[Juni.] 
Juli 1. 
Juli 2.