Full text : Lehr- und Lesebuch oder die Vaterlands- und Weltkunde.

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11  Sahre  geno  May  Emanuel  dad  Glüf,  in  Mitte  feines  geliebten
Volkes  zu  weilen  und  die  dem  Lande  durch  die  vielen  Kriege  gefchlagenen
Wunden  zu  heilen.  Cine  fehmerzliche  Krankheit  Tieß  ihn  die  Nähe  des
Tode?  fühlen.  Gr  bereitete  fich  vor  zur  Iehten  Reife  und  Iegte  feinem
Sohne  Karl  Albert  ans  Herz,  ded  Landes  Noth  und  Leiden  zu
lindern,  die  Schulden  zu  kilgen  und  zum  Segen  des  Wolfe  zu  regieren.
Am  26.  Yebruar  1726  ftarb  er  in  einem  Alter  von  64  Sabren.

57.  Der  blaue  König.
Seht  ihr  des  Teindes  Banner  mweh'n,  Und  Mauern  ftürzen,  want  er  nicht

Die  Banner  blaıt  und  meiß?  Der  blaue  König?  —  Rübn
Und  ringsherum  die  Mannen  fteh’n  Schaut  er  dem  Tod  in’s  Angefidt,
Im  enggejchloffnen  Kreis?  Mit  ftolzem  Helvdenfin!

Seht  ihr  den  Heldenjüngling  dort,  Und  auf  der  Fefte  Mauern  ruft

Die  Rüftung  blau  und  weiß?  Der  König:  „Stürmt  heran!”

Sr  reißt  die  Schaar  im  Sturme  fort  Cr  babnet  über  Schutt  und  Kluft

Und  holt  des  Sieges  Preiß]  Des  GSieged  blutige  Bahn.
Die  Erbe  bebt,  der  Donner  brült,  Der  blaue  König  züdt  dag  Schwert
Der  König  ruft  darein,  Und  glänzt  im  Mittagzftrahl.
Er  ift  in  blaues  Kleid  gebüft,  Dort  fteht  er  wie  ein  Gott  verklätt,
Sagt  nur,  mer  mag  e8  jein?  Auf  feined  Siege  Mal!

Die  Fahre  faßt  des  Königs  Hand,  Mer  ift  der  blaue  König,  fpredit,

Er  ftürzt  von  Wal  zu  Wal  —  Sp  fragt  der  Mufelmann.

Er  flieget  über  Glut  und  Brand  „Er  if  aus  Wittelgbadys  Gefcjlecht

Sm  lauten  Donnerfhal!  Der  fiegesfrohe  Khan!“  *)
Und  nad  ihm  wie  die  Meeredfluth  &8  bringt  der  Mond  dem  blauen  Hort
Biel  Hundert  an  der  Bahls  Sid  mit  dem  Silberkrang;
Er  flammt  fie  an  mit  hohem  Muth,  &3  Tebt  fein  Name  fort  und  fort,
Der  Hort  im  blauen  Stahl!  Ein  Stern  im  golb  nen  Olanz!

.  u7jel.)

In  Brandenburg  war  auf  den  grossen  Kurfürsten  sein  Sohn
Friedrich  gefolgt  (1688  —1713).  Mit  Bewilligung  des  Kaisers  Leopold
erlangte  er  durch  einen  am  16.  November  1700  zu  Wien  abgeschlossenen
Vertrag  die  Königswürde.  Die  Krönung  wurde  am  18.  Januar  1701  in
Königsberg  (im  Herzogthum  Preussen)  vollzogen.  Als  der  erste  König  in
Preussen  nannte  er  sich  von  nun  an  Friedrich  I,  König  von  Preussen.
Von  den  Königen  von  Preussen  verdient  hier  besonders  erwähnt  zu  werden:

58,  Friedrich  IL,  der  Große.
(1740—1786.)

Sm  Sabre  1740  ftarh  Der  deutfche  Kaifer,  Karl  VI.  Diejer
hatte  nur  eine  Tochter,  Maria  Therefia.  Da  aber  die  Vererbung
Der  Krone  auf  eine  Tochter  im  Haufe  Habsburg  ungemohnlih  war,
io  Hatte  der  Kaifer  fchon  int  Sahre  1713  Durch  ein  Erbgejeh,  Die
pragmatifhe  Sanftion,  feitgefeßt,  daß  alle  öfterreichiichen  Yänder
ungetrennt,  nad  dem  Nechte  der  Erjtgeburt,  und  in  Ermangelung

 

*)  Chan  =  türfifher  oder  tartarifher  Zärft  oder  Heerführer.